Das läuft unter Spittka anders

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Was ist neu unter Marko Spittka?

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Der Weg zu den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro ist lang.

Eine erste Zwischenetappe bringen die heimischen Judoka mit den Europameisterschaften, die von Donnerstag bis Sonntag in Budapest stattfinden, hinter sich. Für Bundestrainer Marko Spittka, der 16 Kämpfer auf die Matte schickt, bedeutet die EM eine erste echte Standortbestimmung.

Der Deutsche trat im Jänner die Nachfolge seines Landsmannes Udo Quellmalz als Österreichs höchster Judo-Trainer an. Mit Blick auf die EM zeigt sich der Olympia-Dritte von 1996 optimistisch und traut seinen Schützlingen die eine oder andere Medaille zu.

Anlass zur Hoffnung geben vor allem die zuletzt starken Auftritte der Damen. Beim Grand Prix in Samsun standen mit Sabrina Filzmoser (1.), Tina Zeltner, Kathrin Unterwurzacher und Bernadette Graf (jeweils 3.) vier ÖJV-Starterinnen auf dem Podest. Dazu kommt ein zweiter Rang von Filzmoser beim Heim-Turnier in Oberwart.

Blick hinter die Kulissen

Seit mittlerweile drei Monaten ist Spittka als Head Coach in Amt und Würden. Zeit genug, um bereits erste Duftmarken zu setzen.

Doch was hat sich unter dem 42-Jährigen geändert? LAOLA1 kennt einige kleinere und größere Mosaiksteine:

1. Gemeinsames Frühstück

Mahlzeiten als soziale Fixpunkte

Ein guter Tag beginnt mit einem gehaltvollen Frühstück. Und unser Blick hinter die Kulissen beginnt mit einem kleinen, aber feinen Detail. Denn Spittka legt sehr großen Wert darauf, dass das Nationalteam gemeinsam die Mahlzeiten einnimmt. Zunächst mag das zwar nebensächlich erscheinen, aber das Schaffen eines Mannschaftsgefüges kristallisiert sich immer mehr zum zentralen Anliegen Spittkas heraus.

Auch im Rahmen der Presse-Konferenz im Vorfeld der EM strich er noch einmal hervor: „Mir ist wichtig, dass wir uns als Team gut präsentieren.“ Die gemeinsamen Mahlzeiten dienen insofern als Ritual zur Verinnerlichung des „Wir“.

2. Zusammenführung der Generationen

Bis auf Steinbauer und Lechenauer das gesamte ÖJV-Team für die EM

Irgendwann zwischen Athen 2004 und Peking 2008 muss es begonnen haben. Die Rede ist vom Raunzen, dass im ÖJV-Team hinter den internationalen Top-Athleten nichts nachkommt. Dass eine Lücke aufklafft.

Die Kritik ist berechtigt, doch so richtig in den Griff hat es die rot-weiß-rote Matten-Fraktion bis ins Jahr 2013 nicht bekommen. Doch allmählich wird es brenzlig. Paischer und Filzmoser werfen und würgen sich langsam aber stetig ihrem Karriereende entgegen.

Spittka hat auf diesen akuten Handlungsbedarf bislang adäquat reagiert. Während unter Vorgänger Quellmalz der Fokus zumeist auf einzelnen Athleten lag, stellt Spittka auch hier den Teamgedanken in den Vordergrund. Wie er bereits in seinem Antritts-Interview anklingen ließ, möchte er mittels der altersübergreifenden Zusammenarbeit Synergien erzeugen. Diverse Athleten bestätigen, dass Spittka hierbei einen guten Weg eingeschlagen hat.

3. Gestärkte Position des Bundestrainers

In Peking war die Zusammenarbeit Quellmalz-Paischer auf dem Höhepunkt

Spittkas bislang recht klare Linie ist Ausdruck seiner starken Position innerhalb des Verbandes. Diese stützt sich zum einen auf die umfangreichen Kompetenzen, mit denen er vom ÖJV ausgestattet wurde. Schließlich obliegt ihm die sportliche Leitung bis in den Jugend-Bereich. Zum anderen sind auch die Rahmenbedingungen anders als noch unter Quellmalz.

Dieser hatte den Nationaltrainerposten in Österreich zu einem nicht unerheblichen Anteil Ludwig Paischer zu verdanken. Der Salzburger wollte Quellmalz, der in Athen 2004 noch seinen Erzrivalen Craig Fallon (GBR) betreute, zu sich ins Boot holen. Als Lupo sich im Laufe der Jahre aber immer mehr vom Olympiasieger von 1996 distanzierte, schwächte das die Position des Trainers enorm.

Der unnachahmliche Höhenflug Paischers, der über ein Jahrzehnt in der Weltrangliste ganz vorne mitmischte, hat in den vergangenen Jahren allerdings merklich abgeflaut, womit auch der Einfluss des Ausnahmekönners innerhalb des Verbandes nachgelassen hat. Neo-Coach Spittka ist nun in der Lage, im Zweifelsfall auf Sonder-Wünsche nicht eingehen zu müssen, was wiederum dem Teamgedanken sehr zuträglich ist.

5. Im Nahkampf mit Olympia-Helden

Olympiasieger Mansur Isaev (in blau) wird bei der EM nicht starten

Vor einem Großereignis noch eine gemeinsame, intensive Trainingsphase einzuschieben, die hierzulande als UWV (unmittelbare Wettkampfvorbereitung) bekannt ist, ist freilich keine Erfindung Spittkas, sondern vielmehr eine trainingswissenschaftliche Notwendigkeit. Neu ist allerdings, dass die österreichischen Judoka die Gelegenheit bekamen, sich dabei mit dem russischen Team zu messen.

So wurde ein Teil der UWV für die EM im bayrischen Abensberg, das zwar gerade einmal 13.000 Seelen, dafür aber den erfolgreichsten Judo-Verein Europas beheimatet, abgehalten. Gemeinsam eben mit besagtem russischen Team, das mit ungefähr 60 Athleten, darunter auch die London-Olympiasieger Arsen Galstyan, Mansur Isaev und Tagir Khabulaev, in Abensberg einfiel.

Die scheinbar großartige Gelegenheit hatte allerdings einen Schönheitsfehler: Die russischen Stars, die teilweise die EM auslassen werden, diktierten die Trainingsinhalte. Diese waren mit der UWV der Österreicher nicht immer kompatibel, weshalb sich Spittka letztlich sogar genötigt sah, noch zusätzliche Belastungsspitzen zu setzen.

Nichtsdestoweniger stand die Annäherung mit dem russischen Team im Vordergrund, deren Vertiefung künftig noch von großem Nutzen sein könnte.

 

Reinhold Pühringer

4. Der Spaß darf nicht zu kurz kommen

Dass klare Linie und Spaß keine Gegensätze sind, soll Spittka regelmäßig unter Beweis stellen. Dem Vernehmen nach schafft er es mit ungewöhnlichen Aufwärmspielen oder anderen Einlagen seine Schützlinge aus der Reserve zu locken.

„Wer gähnt, macht Liegestütz“ oder ein Spielchen namens „Arschball“ sind nur zwei Beispiele. Diese sorgen für Abwechslung im manchmal eintönigen Trainingsalltag.

kg Name Wettkampftag Klub
-57 Sabrina Filzmoser Donnerstag Multikraft Wels
-57 Tina Zeltner Donnerstag JC Wimpassing
-63 Hilde Drexler Freitag Vienna Samurai
-63 Kathrin Unterwurzacher Freitag JZ Innsbruck
-70 Bernadette Graf Freitag JZ Innsbruck
-60 Ludwig Paischer Donnerstag JU Flachgau
-66 Georg Reiter Donnerstag UJZ Mühlviertel
-66 Alexander Weichinger Donnerstag Galaxy Tigers Wien
-73 Peter Scharinger Freitag UJZ Mühlviertel
-81 Marcel Ott Freitag Galaxy Tigers Wien
+100 Daniel Allerstorfer Samstag UJZ Mühlviertel
Nur im Team im Einsatz
-52 Petra Steinbauer Sonntag JC Wolfsberg
-52 Anna Dengg Sonntag Shiaido Wr. Neudorf
+70 Marianne Hollensteiner Sonntag UJZ Mühlviertel
+70 Hedwig Lechenauer Sonntag ASV-ÖGJ Salzburg
-90 Manuel Reichmann Sonntag Galaxy Tigers Wien
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