Marcel Ott und das lange Warten

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Sie ist ihm deutlich anzumerken.

Die Erleichterung.

Marcel Ott hat soeben den dritten Platz bei den European Open in Oberwart fixiert. Mit einer Abtauch-Technik donnerte er den Russen Mikhail Kazydub im Kampf um Bronze nach exakt 41 Sekunden in die Matte.

Damit hatte der 24-Jährige sie endlich: Seine erste Weltcup-Medaille. „Auf die habe ich jetzt schon so lange gewartet“, grinst er im Gespräch mit LAOLA1 über beide Ohren.

Bestrafte Fehler

Ein paar Mal war er schon knapp dran gewesen. In Prag stand der Wiener ebenfalls bereits im Kampf um Bronze, unterlag damals aber mit Peter Scharinger einem Landsmann.

Ob er damit gerechnet hätte, dass es sich ausgerechnet diesmal ausgehen würde? „Ganz ehrlich: Nein.“

Der Grund dafür waren die letzten Turniere. „Dort ist bei mir einfach nicht gut gelaufen. Zuletzt beim Grand Slam in Paris etwa, wo ich gegen Weltklasse-Mann Imamov einen guten Kampf gemacht habe, dann aber wegen eines blöden Fehlers verloren habe.“

Eine Frage der Linie

Und genau diese „blöden Fehler“ waren es auch, die Ott seine einzige Niederlage in Oberwart bescherten. Denn nach einem Freilos und Siegen über Neal van de Kamer (NED) sowie Attila Ungvari (HUN) musste er sich Antonio Canio (ITA) beugen. „Die zweimal, wo ich geflogen bin, wurde ich jedes Mal nach einem schlechten Angriff gekontert.“

Die Linie bis dahin hatte gepasst. Auch vom Griff her befand sich Ott mindestens auf Augenhöhe mit dem Kontrahenten.

Marcel Ott jubelt im Kampf um Bronze

„Genau das ist es ja. Auch zuletzt im Trainingslager nach Paris habe ich gemerkt, dass ich mit diesen Leuten absolut mithalten kann. Letztlich kommt es darauf an, dass ich meine Linie durchhalte“, ist sich Ott bewusst, dass es ab einem gewissen Niveau nur noch um Kleinigkeiten geht.

Und eine nicht ganz unbedeutende Kleinigkeit ist auch das Selbstvertrauen. Dieses bekommt durch die Bronzene aus Oberwart einen Schub. „Es tut gut, dass das jetzt endlich abgehakt ist und dass damit auch ein wenig Druck wegfällt.“

Aufbruch zu neuen Ufern

Mit einer Portion Unbeschwertheit kann Ott nun am kommenden Wochenende für ein zweiwöchiges Trainingslager nach Japan aufbrechen. Um dort in Ruhe weiterzuarbeiten.

Denn schließlich geht mit der Europameisterschaft Ende April das Quali-Rennen für die Olympischen Spiele in Rio los. Dann will auch Ott ein Wörtchen um die Tickets mitreden.

Und mit dem neugewonnenen Selbstvertrauen könnte da auch einiges möglich sein.

Aus Oberwart berichtet Reinhold Pühringer

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