Kutschera: Da gibt es zwei verschiedene Positionen. Die einen sprechen von einem hervorragenden Verhältnis, auch unter den Trainern. Andere wiederum sagen, dass es nicht funktioniert.

LAOLA1: Wenn es so wunderbar funktionieren würde, wären wohl nicht einige Trainer bei Ihnen vor wenigen Wochen vorstellig geworden?

Kutschera: Nein, das war wegen etwas anderem. Dazu gleich. Ich möchte jetzt am Freitag von den Vereins-Trainern wissen, wie sie mit der Betreuung zufrieden sind. Wie würden sie die Mannschaften koordinieren? Was würden sie besser machen? Und so weiter. Ich möchte mit den Vereinen, die Männer-Kader-Sportler haben, besprechen, welche Struktur sie haben wollen. Thema der Sitzung in Salzburg war hingegen, wer an der Matte coachen darf.

LAOLA1: Wie sieht diesbezüglich der Stand aus?

Kutschera: Hier bin ich mir nicht im Klaren darüber, was gewünscht wird. Sollen jetzt sechs oder acht Trainer zu einem Turnier fahren? Sollen sie alle akkreditiert werden? Soll jeder seinen Sportler selber coachen oder treten wir als Team auf? Auch das soll in der Trainersitzung besprochen werden.

LAOLA1: Finden Sie es richtig, dass Spittka beispielsweise bei einer U18-EM coachen will, obwohl er heuer davor noch bei keinem einzigen internationalen U18-Turnier mitbetreut hat?

Kutschera: Da sage ich einmal nein. Schließlich hat er auch seine Assistenz-Trainer. Spittka ist in erster Linie für den A-Kader verantwortlich. Die anderen Gruppen sollen von den Bereichs-verantwortlichen Trainern gecoacht werden. Diese sollen wiederum entscheiden, wen sie dabei haben wollen. Da habe ich auch nichts dagegen – insofern sie es früh genug bekanntgeben – dass sie zu einem Turnier zu viert fahren. Was ich nicht haben will, ist eine Situation wie bei der WM in Rio, wo ich ein paar Stunden vor dem Wettkampf angerufen werde, weil darüber gestritten wird, wer jetzt coachen darf. So etwas muss im Vorfeld entschieden werden.

LAOLA1: Wie wird man in so einem Fall künftig entscheiden?

Kutschera: Ich hatte mit dem fraglichen Vereins-Trainer, der auch der Vater der Athletin ist, mittlerweile ein längeres Gespräch. Aus meiner Sicht als Vater hätte ich im Sinne der persönlichen Entwicklung meines Kindes nicht gewollt, dass ich immer dabei bin. Wenn ich mit meinen Burschen immer auftreten würde, denke ich mir, dass ich sie in irgendeiner Weise in ihrer Freiheit oder Entwicklung einschränke. Wenn er aber überzeugt ist, der beste Coach für seine Tochter zu sein, dann soll er das machen, aber er darf mit dieser Konstellation den Rest des Teams nicht stören. Im Endeffekt muss das im Vorfeld mit Spittka abgestimmt werden. Andererseits finde ich es irritierend, wenn eine Athletin mit dem Nationaltrainer schon ein dreiviertel Jahr unterwegs ist und dann wenige Stunden vor der WM draufkommt, dass sie bei Spittka nicht die nötige Sicherheit hat. Warum taucht das erst so spät auf? Warum erfahre ich darüber von Spittka nichts?

LAOLA1: Sie sprechen das Teambuilding an. Wir befinden uns im Jahr nach Olympia und es fallen Leute aus dem Nationalteam, die eigentlich noch einen Zyklus vor sich hätten. Bricht der Unterbau weg?

Kutschera: Das sehe ich nicht so. Allerdings haben wir sehr wohl ein gewisses Nachwuchs-Problem, welches wir aber in ganz Europa haben. Ich weiß noch nicht, wie wir es anstellen, dass wir mehr Jugendliche zum Spitzensport bringen. Natürlich müssen wir schauen, dass wir die Leute von unten besser heranführen. Ich denke da an einen Weichinger, Kuciara oder Geier.

LAOLA1: Der Generationswechsel ist allerdings kein neues Problem. Davon ist im Prinzip schon seit acht Jahren die Rede.

Kutschera: Ja, das ist ein Problem, das wir haben.

LAOLA1: Fehlt dazu das notwendige Konzept?

Kutschera: Es existiert ein Leistungssport-Konzept, in welchem jeder einzelne Kader-Sportler charakterisiert, analysiert und eingeschätzt wird. Für den Männer-Bereich wurde das ganz genau aufgeschlüsselt.

LAOLA1: Welche konkreten Ziele stehen da drinnen?

Kutschera: Im Männer-Bereich jedenfalls nicht Olympia-Gold, weil wir realistisch sind. Aktuell sehen wir keinen Athleten, der 2016 Gold holt. Aber wir werden versuchen, das aufzuholen. Wir fahren mit vollen Mannschaften zu Bewerben und versuchen so, den Nachwuchs zu forcieren. Natürlich muss in sozialer Sicht ein Stück weit auch ein Umdenken stattfinden. Denn mit den Problemen der Wohlstandsgesellschaft haben viele Sportarten zu kämpfen.

LAOLA1: Was sind mögliche Strategien für die Zukunft?

Kutschera: Aus meiner Sicht haben wir zu wenig starke Funktionärs-Persönlichkeiten im Judo-Verband. Menschen, die Sportler anziehen und Gruppen aufbauen. Überall, wo solche Funktionäre sitzen, kommen auch starke Kämpfer nach.

LAOLA1: Das ist dann aber ziemlich genau jener Schlag Mensch, der mit anderen Alphatieren die Konfrontation sucht.

Kutschera: Aber das kann man lösen. Mir ist lieber, ich habe einen Haufen positiv Verrückter, die neue Zellen aufbauen. Wenn sie sich dann die Köpfe einschlagen, ist es unsere Aufgabe, die Probleme zu lösen.

Das Interview führte Reinhold Pühringer

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