Männer-Technik als Trumpf

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Das Training mit Männern ist Grafs Trumpf

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Im Vorjahr ist für Bernadette Graf bei der Judo-WM in Rio de Janeiro bereits nach dem Auftaktkampf Endstation gewesen. Die 70-kg-Kämpferin ließ sich von der Stärke einer Puerto Ricanerin, die sie "davor nie gesehen und nicht gekannt hatte" überrumpeln.

Am Freitag in Chelyabinsk will die 22-Jährige ihren Trumpf im Ärmel ausspielen: Graf will mit Männer-Techniken überraschen.

Paischer und Filzmoser als Vorbild

Die aktuelle Nummer elf der Weltrangliste hat mit dem Medaillensammeln bei internationalen Meisterschaften bereits 2009 begonnen. 2013 schließlich gelang der U20-Welt- und -Europameisterin von 2011 der Durchbruch in der allgemeinen Klasse. Der Bronzemedaille in Budapest ließ sie heuer in Montpellier ebenfalls Rang drei folgen.

"Die erste Medaille war eine Riesenüberraschung für mich. Ich habe immer Lupo und Sabsi (Paischer und Filzmoser/Anm.) gesehen, wie sie oben am Podest stehen, und dann kurze Zeit später habe ich selber den Sprung geschafft. Das war wirklich ein ganz großer Schritt für mich. Der noch größere Erfolg war, dass ich das heuer wiederholen habe können. Jetzt bin ich voller Motivation und voller Tatendrang, dass es bei der WM auch klappt", sagte Graf zur "APA". Sie trifft im Auftaktkampf auf die Georgierin Esther Stam.

Die Mutter hatte die "vom Berg aus Tulfes" stammende Graf zum Judosport gebracht. "Mama hat einfach geschaut, wo sie mich mal unterbringen kann, damit sie mal eine ruhige Minute hat. Dann haben wir Turnen probiert und Ballett, im Endeffekt bin ich dann beim Judo geblieben. Weil man eh viel spielt in diesem Alter, ich war fünf, als ich begonnen habe. Und weil es eine andere Sportart ist, außergewöhnlich für ein Bundesland, wo es eigentlich um Wintersport geht."

"Technik bringt Überraschungseffekt"

In Ermangelung von Brüdern mussten "die Schwestern herhalten", die beiden jüngeren Geschwister sind beim Volleyball und Handball daheim. Im Verein hat Graf viel mit Burschen trainiert.

"Ich bin eine sehr kräftige Kämpferin, ich habe sehr viele Techniken, die normalerweise mehr im Männerjudo vertreten sind, mit Ausheben und ganz nah an den Körper gehen. Dass ist hauptsächlich mit Männer trainiere, ist sicher ein Grund. Das entwickelt sich im Laufe der Jahre." Die Technik bringe einen Überraschungseffekt und darin liege ihre Stärke.

Drei- bis viermal in der Woche macht sie bis zu zwei Stunden Krafttraining. "In meiner Gewichtsklasse geht es wirklich um die Kraft. Da gibt es noch einiges, das ich zulegen kann. Und es geht um technische Feinheiten. Wenn ich gegen die Weltranglistenerste drankomme, und ich weiß, dass sie unangenehm zu kämpfen ist, dann wird mein Techniktraining genau auf sie abgestimmt. Es wird geschaut, was bei ihr funktionieren kann. Das wird alles notiert und wiederholt und wiederholt, bis das Ganze perfektioniert ist."

Auch der Kopf muss sich anstrengen

Graf lebt seit zwei Jahren in Innsbruck, sie trainiert am Bundesheerstützpunkt und im Olympiazentrum, ihre Bezugspersonen sind Martin Schwerwitzl und Gernot Frei sowie Nationaltrainer Marko Spittka.

"Kathi und ich sind super versorgt", weiß Graf und spricht ihre Freundin und Teamkollegin Kathrin Unterwurzacher an. Nach der Matura am Sport-BORG begann Graf mit dem Studium Gesundheits- und Leistungssport. "Es ist wichtig, dass sich der Kopf auch anstrengt und nicht nur der Körper." Ihre Hobbys sind Wandern, Schwimmen, Radfahren und Mountainbiken. "Das ergibt sich, wenn links und rechts die Berge stehen."

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