Der ungünstige Zeitpunkt

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Heim-Events sind Highlights. Im Sport ein praktisch allgegenwärtiges und immer gültiges Gesetz.

„Das ist etwas ganz Besonderes“, hört man die Athleten dann meistens sagen.

Etwas, das im heimischen Judo-Zirkus am kommenden Wochenende nichts anderes ist, wenn am Samstag und Sonntag in Oberwart mit den European Open zum fünften Mal das einzige World-Tour-Turnier auf heimischen Boden über die Bühne geht.

Für die ÖJV-Damen – die Herren kämpfen zeitgleich in Rom – etwas ganz Besonderes. Sogar so besonders, dass sie ihre Saisonvorbereitung kurz aussetzen. Zumindest die meisten.

Das Aushängeschild fehlt

Aktuell stehen fünf Athletinnen im A-Kader des rot-weiß-roten Judo-Teams. Also jene fünf, deren Ziel die Olympischen Spiele in Rio sind. Vier davon stehen im elfköpfigen Aufgebot für Oberwart. Die eine, die fehlt, ist mit Sabrina Filzmoser ausgerechnet jene Kämpferin, die mit ihrem zweiten Rang im Jahr 2013 für das bisher einzige österreichische Damen-Podest im Südburgenland sorgte.

Das 34-jährige Aushängeschild weilt zeitgleich in Bhutan bzw. Nepal, wo sie im Rahmen des Hilfsprojekts „Judo for Peace“ gesammelte Kimonos an Weisen verteilt und die Aufnahme Bhutans in die asiatische Judo-Union vorantreibt.

Ein Recht, das sich Filzmoser aufgrund ihrer Verdienste rund um den heimischen Mattensport herausnimmt und auch herausnehmen kann. „Nationaltrainer Marko Spittka und Präsident Hans Paul Kutschera unterstützen mich dabei“, erklärt die Welserin.

Doch wer sie kennt, der weiß, dass Filzmoser das Heim-Turnier nur allzu gerne mitgenommen hätte. Nur der Zeitpunkt ist heuer ungünstig.

Aus dem Training heraus

Filzmoser hin oder her – der nächste Podestplatz in Oberwart ist für Österreichs Damen dennoch drinnen. Praktisch sogar Pflicht, wenn man nach der Vorgabe von Spittka geht. „Das ist unser Heim-Turnier – na klar wollen wir da eine Medaille“, stellt der Deutsche unmissverständlich klar.

Und vor allem dank Tina Zeltner (27. der Weltrangliste bis 57 kg), Kathrin Unterwurzacher (6. bis 63 kg), Hilde Drexler (13. bis 63 kg) und Bernadette Graf (5. bis 70 kg) ist diese Zielsetzung auch realistisch. Schließlich brachte es das Quartett alleine im Vorjahr auf 15 World-Tour-Podiumsplätze.

Doch auch für die vier A-Kader-Athletinnen könnte der Zeitpunkt des Heim-Events günstiger sein. Denn während Zeltners Start aufgrund einer in Brasilien erlittenen Nackenverletzung auf noch wackeligen Beinen steht, kommen die übrigen Drei gerade aus einem mehrwöchigen Kraftblock.

Um die für eine Schnellkraft-Sportart wichtige Spritzigkeit stehe es daher noch nicht allzu gut. Somit ist Oberwart nur ein kurzes Wettkampf-Intermezzo, ehe es mit der Vorbereitung weitergeht. „Wäre es nicht das Heim-Turnier, würden wir es nicht kämpfen“, bringt es Drexler auf den Punkt. Der richtige Einstieg in die World Tour ist erst beim Grand Prix in Samsun Ende März geplant. Bis dahin steht noch ein mehrwöchiges Trainingslager in Japan auf dem Programm.

Fallende Blätter in Paris

Ebenfalls eher ungünstig ist heuer der Termin aus Sicht des Veranstalters. Allerdings eine hoffentlich einmalige Angelegenheit. Denn ansonsten ist der Februar-Slot ein absoluter Glücksfall.

Genau zwischen dem Grand Slam in Paris und dem Grand Prix in Düsseldorf sind die European Open in Oberwart für die starken Übersee-Teams gewöhnlich eine willkommene Gelegenheit, ein paar weitere Punkte sowie gute Trainingseinheiten mitzunehmen.

Heuer findet das Pariser Highlight wegen der Renovierung des Palais Omnisport jedoch ausnahmsweise erst im Herbst statt, weshalb einige starke Nationen erst ab Düsseldorf in die Saison einsteigen.  „Insbesondere bei den Übersee-Nationen spüren wir einen Rückgang“, meint Organisations-Chef Roland Poiger, der sich aber nichtsdestoweniger auf ein 140 starkes Teilnehmerfeld aus 29 Nationen freut.

Ganz egal, ob ungünstiger Zeitpunkt oder nicht.

Reinhold Pühringer

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