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Zittern um den möglichen Weltrekordmann

Gagik Nazarian ist derzeit mit keinem ruhigen Schlaf gesegnet.

Der Nationaltrainer der österreichischen Gewichtheber sitzt wie auf Nadeln. Er wartet auf einen Anruf. Einen erlösenden Anruf.

Es geht um die Einbürgerung seines Schützlings Sargis Martirosian. Eigentlich ein alter Hut. Bereits im Herbst des vergangenen Jahres hoffte der heimische Verband, dass dem gebürtigen Armenier, dem im Reißen sogar Weltrekord-Potenzial nachgesagt wird, die Staatsbürgerschaft verliehen wird.

Seither hat sich in dieser Hinsicht aber praktisch nichts geändert. Lediglich, dass die Zeit zu den Olympischen Spielen in London langsam, aber sicher immer knapper wird. „Jetzt soll endlich eine Entscheidung fallen“, hofft Nazarian.

Diese ist auch dringend notwendig, denn am 5. November beginnen in Paris die diesjährigen Weltmeisterschaften.

Entscheidung im Ministerrat

Immer dienstags tagt der Ministerrat, in deren Sitzungen über Einbürgerungen entschieden wird. „Wenn es diesmal nicht geklappt hat, dann ist es wohl zu spät“, verweist Nazarian darauf, dass nächste Woche der Dienstag auf einen Feiertag fällt.

Laut Informationen Nazarians soll die nächste Sitzung deshalb gar auf Donnerstag, den 3. verlegt werden. Für die WM ist das aber zu knapp, da im Anschluss noch ein paar Kleinigkeiten erledigt werden müssen.

„Aber die Hoffnung stirbt zuletzt“, wiederholt Nazarian immer wieder. Der Glaube, dass diesmal alles glatt geht, ist sogar so groß, dass die Flüge und das Hotel bereits gebucht wurden. Die Nennung beim Weltverband für die WM ist ohnehin längst erfolgt. „Sargis scheint in den Wettkampflisten bereits als Österreicher auf“, verrät Nazarian.

Fast schon rekordverdächtig

Kann Martirosian in Paris an den Start gehen, ist für ihn vor allem im Reißen alles möglich. Sogar der Weltrekord, der in seiner Gewichtsklasse bis 94 kg von Akakios Kachiasvilis (GRE) gehalten wird und bei 188 kg liegt, ist in Reichweite.

„Sargis hat im Wettkampf bereits 180 gerissen, im Training hat er es zuletzt sogar auf 183 gebracht“, gibt Nazarian einen Einblick, wie gut sein Schützling wirklich ist.

Zuletzt hatte er Martirosian bei einem mehrwöchigen Trainingslager in Ungarn den WM-Schliff verpasst. „Wir haben hart gearbeitet, es wäre sehr schade, wenn diese Arbeit umsonst wäre.“

Verlängerung der Geduldsprüfung?

Doch selbst für den Fall, dass der Pass für die WM zu spät eintrifft, ist für den 24-Jährigen die Olympia-Teilnahme noch nicht gestorben.

„Die letzte Möglichkeit, sich zu qualifizieren, sind die Europameisterschaften im April“, so Nazarian, dessen Tonfall aber anzumerken ist, dass er so lange nicht mehr warten möchte.

Am liebsten wäre ihm stattdessen, wenn sofort das Telefon klingeln würde.

Reinhold Pühringer

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