Olympiasieger Steiner beendet Karriere: "Zeit ist reif"

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Sein Olympiasieg in Peking rührte im Jahr 2008 Millionen, diesmal musste er selbst schlucken:

Deutschlands Superstar Matthias Steiner verlässt für immer die Gewichtheberbühne.

"Die Zeit ist reif dafür", betonte der 30-Jährige am Freitagabend. Gut einen Monat nach der Geburt seines zweiten Kindes entschied sich der aus Niederösterreich stammende Superschwergewichtler für die Familie.

"Die Familie steht im Vordergrund"

Noch einmal auf den Höhepunkt Olympische Spiele hinzuarbeiten, wollte er sich nicht antun. "Die Familie steht im Vordergrund", fügte seine Frau Inge hinzu.

Steiners letzter Auftritt auf der großen Bühne bleibt damit der Schock- und Schreckmoment im vergangenen Sommer. Bei den Sommerspielen in London war dem Titelverteidiger eine 196-Kilo-Hantel in den Nacken gekracht. Bis in den Jänner verspürte er Schmerzen.

"Ich möchte kein Vater sein, der nur weg ist"

Dennoch nahm Steiner wieder das Training auf, ohne zu wissen: Wohin geht die Reise? Nach der Geburt seines zweiten Sohnes kam er aber ins Grübeln. "Wie soll es weitergehen?", fragte sich der 150-Kilo-Koloss.

Nachts schlafe man nur Stunden, hinzu kämen reichlich Termine, berichtete Steiner, der jüngst eine Vermarktungsagentur mit seiner Frau gegründet hatte.

"Wenn meine Söhne 20 sind, brauchen sie mich nicht mehr. Sie brauchen mich jetzt! Ich möchte kein Vater sein, der nur weg ist", begründete Steiner bei "bild.de" seine Entscheidung - gegen den Sport, für die Familie. Eigentlich hatten ihn die Weltmeisterschaften im Oktober gereizt. Doch es kam anders.

"Er ist ein ganz toller Mensch"

Steiner gab aber auch zu, dass sein Herz weiterhin am Gewichtheben hänge. Wenn er nach der Entscheidung noch trainieren gehe, sei Wehmut dabei, bekannte er. "Als ich sie dann für mich ausgesprochen habe, musste ich schon schlucken", sagte Steiner.

Einen Knödel im Hals hatte auch Christian Baumgartner, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber.

"Er ist einer der größten Gewichtheber, die wir in Deutschland hatten. Er hat für eine Sternstunde des Sports gesorgt. Matthias hat von allen unseren Athleten die größte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit erreicht", lobte Baumgartner den Olympiasieger und Vize-Europameister des vergangenen Jahres. "Und er ist ein ganz toller Mensch."

Emotionaler Olympiasieg

2008 hatte Steiner für einen der emotionalsten und ergreifendsten Olympia-Momente in Peking gesorgt. Bei der Siegerehrung hielt er ein Foto seiner im Jahr zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommenen ersten Frau hoch.

Für sie habe er das Gold gewonnen, sagte der in Heidelberg lebende gebürtige Österreicher. Für sie war er nach Deutschland gezogen und hatte die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Erst wenige Monate vor seinem Gold-Triumph von China hatte er den Pass bekommen.

"Steiner gegen alle"

Die Entscheidung aufzuhören, habe er nicht hinauszuzögern versucht, bekräftigte Steiner. Zu Monatsbeginn hatte sich der WM-Zweite von 2010 noch unschlüssig gezeigt. "Ich möchte mich noch nicht festlegen", hatte er gesagt. Nun hat er sich festgelegt. Verbandschef Baumgartner ist sich sicher:

"Auch in seiner beruflichen Karriere wird er Erfolg haben." In der Öffentlichkeit will er weiterhin präsent sein. Beispielsweise in der Spielshow des SWR-Fernsehens "Steiner gegen alle". Irgendwie ist auch das wie Gewichtheben. Nur stemmt der Superschwergewichtler nicht mehr Hanteln, dann zieht er Pferdekutschen oder Autos.

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