Martirosian darf bei WM nicht starten

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Einbürgerung. Im heimischen Gewichtheber-Verband ist dies das Unwort schlechthin. Schuld daran sind zwei Fälle.

Zum einen als sich Jahrhundert-Talent Matthias Steiner aufgrund von Differenzen mit Funktionären in Deutschland einbürgern ließ und daraufhin in Peking Olympia-Gold für Schwarz-Rot-Gold holte.

Und zum anderen kämpft der Verband nun schon seit rund einem Jahr um die Einbürgerung von Sargis Martirosian, einem gebürtigen Armenier, dem Weltrekord-Potenzial im Reißen nachgesagt wird.

Mit großem Hoffen und Bangen wurde verfolgt, ob der zuständige Ministerrat endlich das „Okay“ gibt und der 25-Jährige bei den am 5. November in Paris beginnenden Weltmeisterschaften für Österreich starten darf. Seit vergangener Woche herrscht allerdings traurige Gewissheit: Daraus wird nichts.

„Meinen Informationen nach wurde sein Fall wieder nicht behandelt“, wurde Nationaltrainer Gagik Nazarian mitgeteilt.

Die nächste WM-Medaille futsch

Mit einer Wettkampf-Bestleistung von 180 kg im Reißen liegt Martirosian in der Gewichtsklasse bis 94 kg in Schlagdistanz zum Weltrekord, der momentan bei 188 liegt.

Während der Vorbereitung für die WM soll der 24-Jährige sogar schon 183 zur Hochstrecke gebracht haben. „Schade, dass die Vorbereitung umsonst war“, schnauft Nazarian, der vom Erfolg seines Schützlings überzeugt ist.

„Österreich entgeht damit eine WM-Medaille“, ist sich der 47-Jährige sicher. Schon wieder! Denn schließlich hat auch Steiner bei Welttitelkämpfen mit Gold und Silber (jeweils 2010 in Antalya) bereits Edelmetall gesammelt.

Der dritte Tiefschlag

Zurück aber zum Fall Martirosian: Die Enttäuschung ist sowohl beim Trainer, der die bereits gebuchten Paris-Tickets sowie das Hotel nun stornieren muss, als auch beim Sportler groß.

 „Das war jetzt die dritte Vorbereitung auf ein Großereignis, die Sargis absolviert hat und letztendlich aber nicht starten durfte. Logisch, dass das für ihn nicht motivierend ist. Er ist schließlich auch kein Roboter“, so Nazarian, für den das Hoffen nun weiter geht.

Denn Martirosians Traum ist es nach wie vor, bei den Olympischen Spielen nächstes Jahr in London für Österreich an den Start zu gehen. Die Qualifikation dafür ist auch noch bei den Europameisterschaften Anfang April 2012 möglich. Voraussetzung ist freilich, dass Martirosian bis dahin endlich die österreichische Staatsbürgerschaft erhält.

Und damit würde wohl auch das Wort „Einbürgerung“ im heimischen Verband seine Bösartigkeit verlieren.

Reinhold Pühringer

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