Mormeck - Ein Krieger mit Niveau

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Spuckattacken und Prügeleinlagen neben dem Ring hat Boxweltmeister Wladimir Klitschko diesmal nicht zu befürchten.

"Mormeck ist nicht aus demselben Holz geschnitzt wie Chisora oder Haye", meint der Ukrainer vor seinem WM-Kampf gegen den Franzosen Jean-Marc Mormeck am Samstag (22:15 Uhr/live RTL) in der Düsseldorfer Esprit-Arena.

Das sollte ein Lob sein. Denn zwei Wochen zuvor beim Kampf seines Bruders Witali in München hatte der Brite Chisora ihm ins Gesicht gespuckt und sich später mit Ex-Champion David Haye geprügelt.

Jubilare Zahlenspiele

"Wir wollen für Niveau sorgen", verspricht der jüngere Klitschko den 50.000 Zuschauern in der ausverkauften Fußball-Arena. So ganz friedlich soll es aber nicht zugehen.

Mormeck hat gedroht, er werde Klitschko "das Gesicht zerschmettern". Klitschko, der 35-jährige Dreifach-Champion von WBO, IBF und WBA, arbeitet gleich drei Jubiläen in einem ab: 60. Profi-Kampf, 20. WM-Duell und möglichst 50. K.o.-Sieg.

Dass er seine stolze Gürtelsammlung verlieren könnte, glaubt kaum einer. Manche sprechen von einem Kurzeinsatz, der schon nach drei, vier Runden beendet sein könnte. Das würde die RTL-Macher in die Bredouille bringen, schließlich muss die lukrative Pausenwerbung untergebracht werden.

Karriere unterbrochen

Mormeck ist vier Jahre älter als Klitschko, 17 Zentimeter kleiner, rund 13 Kilo leichter und hat im Schwergewicht nur Staub gewischt. Magere drei Kämpfe absolvierte der frühere Cruisergewichts-Champion im höchsten Gewichtslimit.

2007 hatte er mit dem Boxen schon aufgehört. 2009 war er wieder da, nur schwerer.

Insgesamt kommt er auf 36 Siege in 40 Profi-Kämpfen, bei WBA und WBC ist er die Nummer zehn der Weltranglisten.

Kriegerische Ansage

Mormeck brennt darauf, sich als erster Schwergewichts-Champion seines Landes ein Denkmal zu setzen.

"Ich habe die Kraft, es zu schaffen, denn ich bin ein Krieger im Ring", schwört der im französischen Überseedepartement Guadeloupe geborene Faustkämpfer.

Klitschko gibt zu: "Es ist schwerer, einen kleineren Gegner zu treffen als einen großen."

Keine g'mahte Wies'n

Box-Funktionär und Experte Jean-Marcel Nartz stuft Mormeck nicht in die Kategorie Fallobst ein. Er sieht zu Kampfbeginn sogar Probleme auf Klitschko zukommen.

"Mormeck beherrscht den Nahkampf. Das ist ein wunder Punkt bei den Klitschkos", meint Nartz, Vorstandsmitglied des Europäischen Verbands EBU. "Dann setzt sich aber die größere Physis von Wladimir durch."

Ob der schnelle und geschmeidige Franzose seine 15-monatige Ringabstinenz kompensieren kann, ist fraglich. Immerhin schaffte er, was Wladimir Klitschko versagt geblieben ist: Er schickte einst Haye auf die Bretter. Verloren hat er den Kampf aber dennoch - sogar vorzeitig.

Internes Quotenrennen

In der internen Jahreswertung beim Publikumszuspruch hat Bruder Vitali mit seinem Kampf gegen Chisora vorgelegt: 12,88 Millionen Zuschauer (Marktanteil 56,5 Prozent) wollten das Duell am Fernsehschirm sehen.

Im Vorjahr hatte Wladimir Klitschko den RTL-Topwert mit 15,56 Millionen (67,0 Prozent) erreicht. Einen quotentreibenden Krawallbonus für Ohrfeigen und andere Provokationen gibt es diesmal aber nicht.

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