Chisora verlangt Klitschko alles ab

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Vitali Klitschko verteidigte seinen Schwergewichts-Titel nach WBC-Version.

Der Ukrainer musste in der Münchner Olympia-Halle gegen Herausforderer Derek Chisora (GBR) überraschend über die volle Distanz gehen, siegte aber nach Punkten (118:110, 118:110, 119:111).

Für Klitschko ist es sein 44. Sieg, davon 40 durch K.o., im 46. Kampf.

Im ManUnited-Trikot

Zunächst ließ der Mann, der Klitschko bereits beim Wiegen eine Watsch'n verpasste, die Zuschauer aber gehörig warten. Nach rund 30 Minuten kam er dann aber doch.

Es muss Karneval sein, dachten sich wohl viele Zuschauer, als Chisora in einem farbigen Kimono, das Gesicht verhüllt, zum Ring schritt. Darunter kam anschließend ein ManUnited-Trikot, mit Ronaldos Nummer sieben auf dem Rücken, zum Vorschein.

Als dann auch noch Klitschko da war, gab es fast eine Fortsetzung der Reibereien vom Vortag. Chisora hatte doch tatsächlich den Nerv, Wladimir beim Face-off Wasser ins Gesicht zu spucken.

Diesmal langte aber niemand hin, zumindest nicht vor dem ersten Gong.

Chisora im Vorwärtsgang

Die Strategie Chisoras war von Beginn an klar, "Doktor Eisenfausts" enorme Reichweite unterlaufen, ein paar Treffer landen und wieder weg. Das klappte zunächst ganz ordentlich, denn der Außenseiter zwang sein Gegenüber in den Rückwärtsgang, was ihm nicht behagte.

Der Weltmeister provozierte sein Gegenüber, nahm immer wieder die Deckung runter. "Schlag mich doch!", signalisierte er ihm.

Chisora bricht nicht ein

Seinen kräfteraubenden Stil konnte Chisora überraschend lange beibehalten. Die Experten, welche im Vorfeld behauptet hatten, dass der Linksausleger spätestens nach ein paar chancenlosen Runden umfallen würde, strafte er Lügen.

Nicht nur dass er sich auf den Beinen hielt - nein, der unroutinierte Mann (erst 18. Profikampf) hielt den Kampf sogar lange Zeit offen. Den einen oder anderen schweren Treffer steckte er scheinbar mühelos weg.

Seine Ansage, Klitschko in der achten aus den Latschen zu hauen, konnte er aber erwartungsgemäß nicht einhalten. Stattdessen bekam da Klitschko immer mehr Oberwasser und zog auf dem Punktebogen der Kampfrichter davon.

Provokationen nach dem Schlussgong

Fast ein weng irritierend wirkte vor der letzten Runde in Chisoras Ecke die Ansage: "Jetzt musst du ihn k.o. schlagen, wenn du gewinnen willst." Wenn das nur so einfach wäre?

Am Ende mussten die Punkterichter entscheiden, diese sprachen sich für den Titelverteidiger aus. Beim Handshake nach dem letzten Gong schien es, als ob sich die beiden nun vertragen würde. Friede, Freude, Eierkuchen? Denkste! Nur Augenblicke später ging der Kampf fast in die Verlängerung. Es blieb allerdings bei Worten.

"Habe keinen Respekt vor ihm"

Selbst Bruder Wladimir musste schlichten helfen. "Ich schäme mich, dass wir solche Sportler im Boxen haben, wie ihn. Es braucht Respekt", zeigte sich dieser gegenüber "RTL" enttäuscht.

Vitali zog eine zwiegespaltene Bilanz: "Sportlich hat Chisora eine gute Leistung gebracht, aber menschlich habe ich keinen Respekt vor ihm." Ein Rematch sei "irgendwann" denkbar. 

An die Ohrfeige habe er während des Kampfes aber nicht gedacht. "Da war ich auf die Aufgabe konzentriert. Er ist zwölf Runden lang nach vorne marschiert."

Chisora zeigte sich weder von Klitschko noch vom ihm gegenüber feindseligen Publikum beeindruckt. "Solange die Zuschauer Geld bezahlen, können sich mich ausbuhen, das ist mir egal."

Apropos Geld

Die Watsch'n vom Vortag kommt Chisora teuer zu stehen. Das WBC verurteilt ihn zu einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Dollar.

Eine Hälfte dieser Summe soll an soziale Einrichtungen des WBCs gehen, die andere an die deutsche Max-Schmeling-Stiftung. "Es ist Zeit, dass strenge Maßnahmen ergriffen werden, um Respekt, Fairplay und Disziplin in den Boxsport zu bringen", betonte auch Jose Sulaiman.

Dabei hätte es für den Rüpel noch schlimmer kommen können. Der britische Verband hatte sogar mit einer Sperre gedroht.

Reinhold Pühringer

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