Paralympics im Rampenlicht

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Österreichs Paralympics-Team hofft auf Medaillen

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Die Paralympics treten in London endgültig aus dem Schatten von Olympia. Englands Königin Elizabeth II. wird wie einen Monat davor die Spiele der Nichtbehinderten am Mittwochabend (22.00 MESZ/live ORF Sport +) im ausverkauften, aber vermutlich verregneten Londoner Olympiastadion auch die XIV. Paralympischen Spiele eröffnen.

Rund 4.200 Athleten und Athletinnen aus 166 Ländern kämpfen vom 29. August bis 9. September in 20 Sportarten um Medaillen und Ehre, es sollen die bestbesuchten Spiele aller Zeiten werden.

Österreichs 32-köpfige Mannschaft wird beim Einmarsch auch von Bundespräsident Heinz Fischer beklatscht.

Drittgrößtets Sportereignis des Jahres

Die paralympischen Spiele dürfen zwar die Olympischen Ringe nicht verwenden, haben sich aber mittlerweile von einem Anhängsel zu einem eigenständigen Großereignis entwickelt.

2,4 Millionen Zuschauer werden während der elf Wettkampftage in London erwartet, insgesamt ist der im Fernsehen wie noch nie übertragene Behindertensportgipfel nach der Fußball-EM und den London-Spielen das drittgrößte Sportereignis des Jahres 2012.

Vier bis sechs Medaillen als Ziel

Trotz der Zusammenlegung vieler Klassen und einer Straffung des Programmes hofft Österreicher bei den 14. Paralympics auf vier bis sechs Medaillen.

Vier Goldene wie zuletzt in Peking hält Teammanager Walter Pfaller hingegen nur für sehr schwer möglich.

Bundespräsident Heinz Fischer wird der Eröffnung am Mittwochabend im ausverkauften Londoner Olympiastadion bewohnen, Österreichs Fahnenträger ist Tischtennis-Veteran Stanislaw Fraczyk.

Tischtennis-Ass Fraczyk trägt die Fahne

Der Niederösterreicher ist seit Atlanta 1996 bei den Paralympischen Spielen immer dabei und hat in dieser Zeit je drei Gold- und Silbermedaillen erobert.

Der mehrfache Welt- und Europameister zählt auch in London zu den österreichischen Medaillenhoffnungen.

Übersichtlicher, aber nicht fairer

Österreich schickt bei den Paralympics 2012 in London ein 32-köpfiges Team in neun Sportarten am Start, darunter sieben Neulinge und mit den beiden querschnittgelähmten Sportlern Andreas Vevera (Tischtennis) und Wolfgang Schattauer (Radfahren) auch zwei Gold-Medaillengewinner von Peking.

Andrea Scherney (Weitsprung) hat ihre Karriere beendet, der ebenfalls querschnittgelähmte Marathon-Sieger von Peking, Thomas Geierspichler, muss nach der Streichung der Lang-und Mitteldistanzen in seiner Klasse diesmal über Strecken von 100 bis 800 m antreten.

Diese Folge der Zusammenlegung von Klassen macht die Paralympics zwar übersichtlicher, stößt vor allem den schwerer behinderten Sportlern stark auf, weil es sie gegen die weniger Behinderten fast chancenlos macht.

"Irgendwann amputiert sich einer eine Zehe und kann dann bei den Paralympics starten", gab sich nicht nur der Salzburger Vorzeigeathlet Geierspichler kritisch.

Stars im Fokus

In der Tat sind es die eher "leichter" behinderten Sportler, die den Spielen in London den Stempel aufdrücken werden.

Prothesen-Läufer Pistorius etwa, der kürzlich schon an den Sommerspielen der Nichtbehinderten teilnahm und über 400 Meter bis ins Halbfinale lief.

Aber auch die frühere deutsche Diskus-Olympiasiegerin Ilke Wyludda oder der italienische Autorennfahrer Alessandro Zanardi, der 2001 bei einem ChampCar-Unfall beide Beine verlor sind weitere Teilnehmer, auf die die Scheinwerfer schon vor den Spielen gerichtet waren.

Zanardi steht aber auch für ungebrochenen Lebensmut und Humor, auch der eigenen Situation gegenüber.

Dass der Italiener ausgerechnet auf der Automobil-Rennstrecke in Brands Hatch, wo die Straßenbewerbe der Radfahrer abgewickelt werden, um eine Medaille kämpft, hat seinen speziellen Reiz.

Einen direkten Klassen-Vergleich eines Österreichers gegen einen der Paralympics-Stars wird es aber nur für den Osttiroler Robert Mayer über 100 und 200 Meter mit Pistorius geben.

Bundespräsident vor Ort

Österreichs Team ist seit Sonntag vor Ort, wurde am Montag von der Bürgermeisterin des Olympischen Dorfes, Eva Loeffler, willkommen geheißen und absolvierte am Dienstag noch einen Empfang beim österreichischen Botschafter Emil Brix.

Bundespräsident Fischer wird auch bei der Eröffnung des Österreich-Hauses, das sich wieder im altehrwürdigen Trinity House befindet, am Donnerstag (10.30 Uhr) anwesend sein.

Österreicher im Einsatz

Sportlich geht es ebenfalls am Donnerstag los.

Zehn österreichische Teilnehmer sind am ersten Tag im Einsatz, Medaillenentscheidungen gibt es bei Anita Ruetz (Bahnradfahren), dem Sportschützen Hubert Aufschnaiter sowie Schwimmer Andreas Onea (100 m Delfin).

Weiters im Einsatz sind die beiden Reiter Bepo Puch und Thomas Haller sowie in der Tischtennis-Vorrunde Vevera, Doris Mader, Hans Ruep, Manfred Dollmann und Egon Kramminger.

"In London geht's jetzt richtig los"

Der ORF überträgt täglich entweder im Hauptprogramm ORF eins oder im Spartensender ORF Sport +, in Deutschland liefern ARD und ZDF über 65 Stunden.

Das ist für die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Deutschland mehr als eine Verdoppelung der Sendezeit von Peking 2008.

"Die Welt hat in Peking begonnen, die Paralympics wahrzunehmen, in London geht's jetzt richtig los", sagte Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) der BBC.

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