Pistorius-Prozess: Richterin schließt Mord aus

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Bei der Urteilsverkündung im Prozess gegen Oscar Pistorius hat die Richterin einen vorsätzlichen Mord ausgeschlossen.

Die Staatsanwaltschaft habe dafür nicht genügend Beweise präsentiert, sagte Richterin Thokozile Masipa am Donnerstag im südafrikanischen Pretoria.

"Die Fakten reichen nicht aus, um diese These zu stützen." Das abschließende Urteil verkündete sie noch nicht.

Gleichzeitig aber warf sie dem Paralympics-Star vor, mit seinen tödlichen Schüssen eine "bewusste Entscheidung getroffen zu haben".

Der Angeklagte könnte nicht schuldig wegen Mordes gesprochen werden, das schließe aber fahrlässige Tötung nicht aus, betonte die Richterin. Die Urteilsverlesung wurde auf Freitag (9:30 Uhr) vertagt.

Pistorius geglaubt

Nach Auffassung der Richterin gibt es keinen Grund, an der Aussage des Angeklagten zu zweifeln. Gleichwohl stehe fest, dass er gegen das Gesetz verstoßen habe, als er auf die Badezimmertür geschossen habe, hinter der sich in der Tatnacht seine Freundin aufhielt.

Die Anklage hatte Pistorius vorgeworfen, seine Freundin Reeva Steenkamp vorsätzlich ermordet zu haben, als er im Februar 2013 durch die geschlossene Badezimmertür schoss.

Der einstige Paralympics-Star hat die Schüsse zwar nie bestritten. Er argumentiert aber, im Badezimmer einen Fremden vermutet und aus Panik vor dem vermeintlichen Einbrecher gehandelt zu haben.

Dennoch langjährige Haft möglich

In Südafrika ist es üblich, dass ein Richter das Urteil erst am Ende seiner Ausführungen bekanntgibt. Masipa hatte am Donnerstagmorgen das Wort ergriffen.

Im Prozess hatte sie sich nie anmerken lassen, zu welcher Entscheidung sie tendiert. Ob die Richterin den ehemaligen Spitzensportler der fahrlässigen Tötung für schuldig befindet, war daher zunächst unklar.

Auch dies könnte eine langjährige Haftstrafe zur Folge haben. Das Strafmaß dürfte die Richterin erst mehrere Wochen nach ihrem Urteil bekanntgeben.

Misstrauen gegenüber Zeugen

Zum Finale des Mordprozesses hatte die Richterin einen Teil der Zeugenaussagen als unglaubwürdig bewertet.

Die Nachbarn, die Schüsse und Schreie in der Tatnacht gehört haben wollen, könnten sich aus vielerlei Gründen getäuscht haben, sagte Masipa zu Beginn ihrer ausführlichen Urteilsverkündung im.

Pistorius war im schwarzen Anzug erschienen. Er zeigte sich während der Urteilsverkündung zunächst gefasst.

Im Laufe der ersten etwa eineinhalb Stunden bis zur ersten längeren Unterbrechung sah er zunehmend mitgenommen aus und kämpfte mit den Tränen. Vor der Mittagspause saß er schließlich schluchzend auf der Anklagebank.

Alle Angehörigen anwesend

Steenkamps Eltern Barry and June blickten zu Beginn der Verlesung am Donnerstag zu ihm hinüber. Mutter June Steenkamp hatte einen Strauß roter Rosen vor sich.

Auch die Familie von Pistorius kam: Vater Henke, Schwester Aimee, Bruder Carl und Onkel Arnold. Carl Pistorius sitzt derzeit im Rollstuhl - er hatte sich vor einigen Wochen bei einem Autounfall schwer verletzt.

Zahlreiche Journalisten versammelten sich vor und im Gericht. Auch einige Fans des einstigen Sportidols erschienen. Sie hielten ein Schild hoch mit der Aufschrift, Pistorius sei ihr Held.

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