Traum von Nicht-Behinderten-EM

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Nicht-Behinderten-Limits reizen Matzinger

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Fans wollen plötzlich ein Foto mit ihm. „Es ungewohnt, wenn man auf einmal von Fremden erkannt wird“, versetzt es Günther Matzinger selbst in Staunen.

Seine Gold-Medaillen über 400 und 800 Meter bei den Paralympics in London haben den Salzburger in seiner Heimat zumindest kurzfristig zu einer Berühmtheit werden lassen.

„Vor einigen Wochen hat mich noch niemand gekannt und jetzt das!“

Nicht nur das Feedback auch der Empfang nach den Spielen war „gewaltig. Am Flughafen war das ganze Terminal voll. Dazu eine Musikkapelle, Freunde, Verwandte und Fans“, erinnert sich der 25-Jährige, der prompt zum "Super10Kampf" der heimischen Sportgrößen eingeladen wurde, gerne.

Debüt auf der Mattscheibe

Dass sich jetzt neben den Fans auch der eine oder andere Politiker mit ins Bild drängt, der zuvor nichts für Matzinger oder die Leichtathletik übrig hatte, stört den Mittelstreckler nicht. „Um etwas zu bewegen, macht man das gerne mit. In der Leichtathletik bieten sich solche Chancen nicht oft, die muss man nützen.“

Der mediale Eindruck, den die Paralympics in Österreich gemacht haben, war größer denn je. Sein Weltrekord (1:51,82 Minuten) im 800-m-Finale war beispielsweise der erste Paralympics-Bewerb, der im österreichischen Fernsehen live übertragen wurde.

Matzinger: „So etwas ist sensationell! Wenn wir da in Zukunft anschließen könnten, wäre das super.“

„Aufwärmen“ mit dem Olympia-Sieger

Trotz seiner seit der Geburt bestehenden Fehlbildung des rechten Unterarms (Dysmelie) scheut Matzinger auch den Vergleich mit Nicht-Behinderten nicht.

Davon zeugte nicht zuletzt sein Auftritt bei den Gugl-Games in Linz, wo er sich mit Kirani James (Grenada), Jonathan Borlee oder Oscar Pistorius (Südafrika) messen konnte. Letztendlich trennten knapp vier Sekunden den späteren Paralympics-Sieger vom Olympia-Sieger aus Grenada.

„Das war ideal, weil es eine Woche vor dem Abflug nach London war“, weiß Matzinger. Dort einen Startplatz zu bekommen, sei generell schwierig - egal ob behindert oder nicht. Neben dem Salzburger durfte aus österreichischer Sicht nur Staatsmeister Christian Smetana starten.

(K)eine Frage des Geldes

Die deutsche Kugelstoßerin Ilke Wyludda trat vor den Paralympics zumindest in Deutschland eine Diskussion los. Die Olympia-Siegerin von Atlanta forderte in Sachen finanzieller Medaillen-Prämierung eine Gleichstellung mit den Nicht-Behinderten.

Eine Forderung, mit der Matzinger wenig anfangen kann. „Ein Sportler, der den Sport nur wegen des Geldes macht, hat meinem Empfinden nach ohnehin keine Freude daran und kann nicht wirklich erfolgreich sein.“

Auf der anderen Seite kennt er als Bankangestellter, der sich durch seinen Job in München den Sport finanziert, aber auch die materiellen Zwänge, denen praktisch alle Paralympics-Teilnehmer ausgeliefert sind. „Natürlich freut man sich da über jede Unterstützung und Anerkennung, weil diese hilft, den Sport halbwegs professionell ausüben zu können.“

Neue Herausforderungen warten

Der Zugang zum Sport hat sich somit für Matzinger auch durch seine zwei Goldenen nicht verändert. Denn auch wenn nun so manch einer ein Foto mit ihm haben will, so richtig Geld verdienen lässt sich für ihn freilich nach wie vor nicht. Das macht aber nichts.

Der ehrgeizige Schützling von Trainer Eduard Holzer steckt sich stattdessen bereits neue Ziele. Doch was kommt nach zwei Paralympics-Siegen samt einem Weltrekord?

„Naja, die anderen schlafen auch nicht“, lacht Matzinger. Etwas ernster fügt er dann aber hinzu: „Ich möchte künftig die 800 m forcieren.“ Dort will er seinen eigenen Weltrekord jagen. „Unter 1:50 zu laufen, wäre ein großes Ziel.“

Wie Pistorius schielt auch er immer wieder zu den Nicht-Behinderten hinüber. „Vielleicht schaffe ich ja dort einmal ein Europameisterschaftslimit.“ Für die jüngsten Titelkämpfe heuer in Helsinki lag die Quali-Norm bei 1:47,80 Minuten.

Für Matzinger wohl kein Ding der Unmöglichkeit.

Reinhold Pühringer

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