Pistorius für Gerichtsprozess gewappnet

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Vor Gericht zeigt sich Oscar Pistorius als gebrochener Mann.

Immer wieder mit den Tränen kämpfend, hört der 26-Jährige, dass der Staatsanwalt ihn des kaltblütigen Mordes bezichtigt. Als der beinamputierte Leichtathletikstar erstmals seit dem gewaltsamen Tod seiner Freundin Reeva Steenkamp öffentlich das Wort ergreift, wenngleich nur in einer verlesenen Erklärung, hört man einen Mann, der auch sich als Opfer sieht.

Als Opfer unglücklicher Umstände und einer tragischen Fehleinschätzung: "Ich hatte nie die Absicht, meine Freundin zu töten."

Pistole unter Kopfkissen

Nach seiner Version kam die 29-Jährige am Valentinstag zu Tode, weil in Südafrika mit seiner enormen Gewaltkriminalität ein Eindringling stets eine tödliche Gefahr sei.

Deswegen habe er immer eine Pistole unter dem Kopfpolster, so Pistorius und deshalb habe er in der Dunkelheit blind durch die verschlossene Badezimmertür geschossen. Für seine Freundin war es das Todesurteil. Der Staatsanwalt glaubt ihm kein Wort und ist sich sicher, dass der behinderte Profisportler geplant und wissentlich gehandelt hatte.

Todestrafe droht

Nun deutet alles auf einen spektakulären Indizienprozess hin. Bei einer Verurteilung droht dem 26-Jährigen lebenslange Haft.

"Die Bühne ist bereitet für den Pistorius-Zirkus", so die "Times". Einen Vorgeschmack gab es schon im Gericht, wo sich in dem kleinen Saal mehr als 100 Menschen drängelten, die meisten von ihnen Journalisten. Fotografieren war verboten, dennoch wurden Bilder geschossen.

Schöne Frauen, Waffen und Alkohol

Dass der Prozess auch ein Medienspektakel wird, demonstrierte schon die Vorberichterstattung, in der unzählige echte und angebliche Details aus Polizeiquellen und Ermittlungs-Akten bekannt wurden.

Sehr schnell kristallisierte sich in den Berichten eine Tendenz heraus: Der Sportler genieße die Nähe zu schönen Frauen und zum Luxus, sei auch in Streitereien und Eifersuchtsgeschichten verwickelt, liebe Waffen und fahre wohl auch schon mal unter Alkoholeinfluss Auto oder Schnellboote.

"Die Angst ist groß, dass er keinen fairen Prozess bekommt", schrieb die "Independent".

Das sei in Südafrika nur möglich, weil "die Rechte des Gerichts gering geschätzt werden", kritisierte das Blatt.

Auch die Polizei, die verzweifelt nach undichten Stellen suchte, war ratlos: "Ich weiß nicht, wo die Leute all diese Geschichten her haben", klagte Polizeisprecher Katlego Mogale. Der Verfassungs-Experte Pierre De Vos (Universität Kapstadt) bemängelte das wachsende Gewicht des "Gerichts der öffentlichen Meinung".

Das Opfer der tödlichen Schüsse: Reeva Steenkamp

Falsche Darstellung?

Wie sehr die angebliche Schuld von Pistorius in der Öffentlichkeit vorweggenommen wurde, belegen Reaktionen:

Das Friedensinstitut "Gandhi Development Trust" sah in dem Fall einen weiteren Beleg für die "tief verwurzelte Kultur der Gewalt in Südafrika".

Die Beauftragte der Kommission für Geschlechter-Gleichheit, Mfanozelwe Shozi, meinte, im Fall Pistorius werde der Aspekt Gewalt gegen Frauen ignoriert. Die Erschießung werde als "unglücklicher Fehltritt" oder "Tat in geistiger Umnachtung" dargestellt.

Dabei stehe die Tat im Zusammenhang mit der alltäglichen Gewalt gegen Frauen. Shozi schien gar nicht zu merken, wie schnell sie schon zu einer Vorverurteilung gelangt war.

Topteam zur Verteidigung

Pistorius wirkte niedergeschlagen und aufgewühlt. Das hinderte ihn aber nicht daran, kühlen Kopfes ein absolutes Topteam zu seiner Verteidigung zusammenzustellen.

Sein Verteidiger Barry Roux ist ein Staranwalt in Südafrika, der schon mehrfach Prominente vertrat. Sein Gegenspieler ist auch kein Unbekannter: Staatsanwalt Gerrie Nel war es, der den früheren südafrikanischen Polizeichef Jackie Selebi der Korruption überführte.

Wie einst bei Simpson

Pistorius hat als "spin-doctor", den Mann für die Medienarbeit, den Ex-"Sun"-Chefredakteur Stuart Higgins verpflichtet.

Der Engländer wurde sowohl als Starreporter bekannt als auch später als Medienexperte für British Airways oder Manchester United. "Unsere Aufgabe ist es, etwas von der weltweiten Unterstützung für Oscar aufzunehmen", sagte er dem "Indepedent".

Mit Reggie Perumal ist ein Spitzen-Forensiker im Team, der oft bei besonders bedeutenden Todesfällen, wie den 34 von der Polizei erschossenen Minenarbeitern in Marikana, hinzugezogen wird.

Pistorius scheint gewappnet wie einst O.J. Simpson. Der wurde, obwohl viele an seine Schuld glaubten, vom Vorwurf des Mordes an seiner Ex-Frau und deren Bekannten freigesprochen.

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