Bedürfnis-Erhebung: Badminton

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Von einer Olympia-Bewerbung halten rund 72 Prozent der Wiener bekanntermaßen nichts. Nichtsdestoweniger ist das Infrastruktur-Problem der Sommersport-Verbände in Wien ein offenkundiges.

Bürgermeister Michael Häupl kündigte an, eine Bedürfnis-Erhebung unter den Fachverbänden durchführen zu lassen, um sich ein Bild von der Lage in Wien zu machen.

LAOLA1 greift dem vor und zeigt auf, wo in den Sportverbänden der Hebel angesetzt werden könnte:

 

Am Nebenplatz trainieren die Hobby-Spieler. Von einem optimalen Umfeld kann also keine Rede sein. Nichtsdestoweniger hat sich der Badminton-Verband im Maxx-Center im 21. Wiener Gemeinde-Bezirk bereits etwas aufgebaut.

Die Zusammenziehung Österreichs bester Spieler auf einen gemeinsamen Stützpunkt gilt als wesentlicher Baustein dafür, dass sich 2012 mit Simone Prutsch und Michael Lahnsteiner erstmals seit 16 Jahren wieder ÖBV-Spieler für Olympia qualifizierten und dass sich der Ruf Wiens auf europäischer Ebene zuletzt verbesserte.

„Mittlerweile kommt es immer wieder zu Anfragen internationaler Spieler, die während einer Europa-Tour mittrainieren wollen“, schildert Harald Starl, Präsident des heimischen Verbandes.

Das Nationalteam ist darüber glücklich, weil mit möglichst unterschiedlichen und starken Sparringpartnern der Trainingseffekt steigt.

Breiter werden

Der bereits etwas aufpolierte Ruf kann allerdings nicht über die Schwierigkeiten hinwegtäuschen. Denn der ÖBV stößt in der aktuellen Umsetzung seines Konzeptes an Kapazitätsgrenzen. Schließlich ist das Maxx-Center eine kommerzielle Sportstätte, in welcher der Verband genau wie die eingangs erwähnten Hobby-Athleten für jede Stunde bezahlen muss.

Badminton-Präsident Harald Starl spricht über die Probleme

Starl: „Wir versuchen das mithilfe der öffentlichen Gelder, die wir als Verband bekommen, zu finanzieren.“ Doch für einen weiteren Ausbau der Trainingsgruppe fehle das Geld.

Handlungsbedarf und dementsprechende Pläne gebe es. „Wir sind gerade daran, dass wir eine eigene Damen-Gruppe aufstellen, da wir dort noch ein Defizit aufweisen.“ So greifen derzeit im Maxx-Center vorzugsweise Herren zum Schläger.

Zudem soll die Spitze rund um die fünf Heeressportler und Nationaltrainer John Dinesen soll verbreitert werden. Kandidaten dafür gibt es. Etwa in der Person von Matthias Almer, der vor kurzem mit U19-Bronze für die erste ÖBV-Medaille bei Europameisterschaften seit 1991 sorgte.

Ein wichtiger Mosaik-Stein geht verloren

Starl wünscht sich deshalb „eine Sportstätte, in die wir praktisch 24 Stunden reinkönnen“, wünscht sich Starl. Das könnte auch zu einer Entlastung der Sportler führen, die sich viel selbst finanzieren. „Ihr zeitlicher Aufwand ist der eines Profis. Sie tun das allerdings für ein Butterbrot.“

Ein anderer für das Nationalteam aktuell nicht unwesentlicher Faktor ist Tan Chun Seang. Der Malaye trug in den vergangenen Jahren als Trainingspartner und Assistenz-Coach nicht unwesentlich dazu bei, die heimischen Asse international nach vorne zu bringen.

„Leider steht er uns ab Sommer nicht mehr zur Verfügung“, verrät Starl. Er wird zurück in seine Heimat gehen. „Er hat einen Sponsor, der ihm den Start bei den großen Turnieren ermöglicht. Da ist es klar, dass er nicht zu halten ist.“ Momentan sei er die Nummer vier im malaysischen Team, das in der Badminton-Weltordnung ganz vorne mitspielt. „Wir sind bereits dabei, Ersatz für ihn zu suchen.“

Mehr Hallen dieser Größe benötigt

Österreichs wichtigstes Turnier des Jahres sind die Austrian Open. Der Event der Circuit-Ebene wird jedes Jahr in der Stadthalle B ausgetragen. „Dafür ist sie ausreichend“, so Starl. Ein Großereignis wie etwa eine Europameisterschaft wäre dort jedoch undenkbar. „Der einzige Ort, wo man mit so einem Turnier hinkönnte, wäre das Multiversum in Schwechat.“

Laut dem Verbands-Boss brauche es in der Hauptstadt ohnedies mehrere Sportstätten dieser Größe. „Aufgeteilt auf die vielen Sportarten würden wir in Wien drei oder vier Hallen mit einer Kapazität von 5.000 bis 7.000 Zuseher benötigen.“

Doch sie zu bauen, das alleine würde noch nicht genügen. „Es wäre wichtig, dass du als Sportverband auch rein kannst. Nicht dass da nur Konzerte oder Messen drinnen sind. Dieses Problem haben wir etwa in Linz.“ Anderweitige Events hätten in der Tips-Arena zumeist den Vorrang. „Sie ist zwar als Halle für Leichtathleten gebaut worden, aber im Endeffekt sind die am seltensten drinnen.“

Bekannte Probleme

Von Linz zurück nach Wien. Abgesehen von den Problemen des dort angesiedelten Nationalteams haben auch die kleinen Klubs, die hauptverantwortlich für die Talente-Generierung sind, ihre Schwierigkeiten.

Dies sind in erster Linie die Hallen-Zeiten in Schulen, um die sich die Badminton-Spieler mit Vereinen aus anderen Sportarten zanken.

Unterm Strich ist Badminton wohl nur eine weitere Sportart, der in Wien zu wenig Platz zugute kommt.

Reinhold Pühringer

Name Klub
Luka Wraber Wr. Neustadt
Roman Zirnwald ASV Pressbaum
Michael Lahnsteiner ASKÖ Traun
David Obernosterer BSC Wolfurt
Alexandra Mathis BSC Wolfurt
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