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Badminton-WM von Krawallen verschont

Eingeschlagene Schaufensterscheiben, brennende Häuser, plündernde Jugendliche.

Wir alle kennen die erschreckenden TV-Bilder, die dieser Tage aus London kommen.

Michael Lahnsteiner kennt sie auch. Doch obwohl der Oberösterreicher am Dienstag bei der Badminton-WM in der englischen Krisen-Hauptstadt an den Start ging (Erstrunden-Niederlage gegen Evans/IRL), hat auch er seine Eindrücke nur von der Mattscheibe.

„Bei uns ist es komplett ruhig“, erklärt der 27-Jährige im Gespräch mit LAOLA1. „Wenn ich die Medienberichte nicht mitbekommen hätte, wüsste ich nicht einmal, dass hier Unruhen herrschen.“

Kein Fußball-Match

Die Krawalle hatten nach der Ermordung eines Jugendlichen im Nordosten der Stadt ihren Ausgang genommen und haben sich mittlerweile auf weitere Teile Londons sowie andere englische Metropolen ausgeweitet.

Die Gegend rund um die Wembley-Arena, wo die Badminton-Asse aus aller Welt derzeit ihre Meister ermitteln, scheint offenbar noch verschont zu sein.

Dennoch regiert bei Englands Funktionären die Angst vor weiteren Übergriffen. Indiz dafür ist die Absage des freundschaftlichen Fußball-Länderspiels zwischen England und der Niederlande, das am Mittwoch im Wembley-Stadion stattfinden hätte sollen.

„Unsere Halle ist gerade einmal 100 Meter vom Stadion entfernt“, bestätigt Lahnsteiner, der sich auf das Ländermatch schon gefreut hatte. „Vom Veranstalter hätten wir pro Nation zwei Karten bekommen. Das ist jetzt hinfällig.“

Bereits krisenerprobt

Selbst die Polizei-Präsenz und die Sicherheitsbestimmungen seien nicht höher als sonst. „Keine Spur von Ausnahmezustand.“

Und in Sachen Ausnahmezustand kennen sich unsere Badminton-Asse schließlich bestens aus. Als die WM vor zwei Jahren im indischen Hyderabad stattfand, war Lahnsteiner und Co. wesentlich mulmiger zumute.

Durch den damals bevorstehenden indischen Unabhängigkeitstag herrschte im ganzen Land akute Terrorgefahr. „Das Militär ist bewaffnet vor dem Areal gestanden und hat jedes Auto durchsucht. Dort hat man gespürt, dass es gefährlich werden könnte. Kein Vergleich zu London“, erinnert sich der Ebenseer.

Kein Beinbruch

Sportlich war für Lahnsteiner die WM nicht das Gelbe vom Ei. Allzu enttäuscht über das 15:21 und 16:21 zum Auftakt gegen Evans ist er allerdings nicht. „Ich habe gut mitgehalten, meine Schwächephasen hat er aber eiskalt ausgenützt.“

Mit Blick auf die Olympia-Qualifikation ist für den Schweiz-Legionär das frühe Aus durchaus verkraftbar, „schließlich hatte ich aus dem Vorjahr keine Punkte zu verteidigen, wodurch ich in der Quali noch immer voll im Plansoll liege.“

Simone Prutsch, die einzige ÖBV-Dame im WM-Einzel, erging es ähnlich. Die 32-Jährige musste nach einem 10:21 und 18:21 gegen Judith Meulendijks (NED) die Segel streichen.

Reinhold Pühringer

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