Kollers Weihnachtsbotschaften

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"Wir wissen, dass die Entwicklung nicht zu Ende ist"

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Es ist Weihnachten und das bedeutet auch abschalten.

„Da sprechen wir auch nicht unbedingt über Fußball“, grinst Marcel Koller im Gespräch mit LAOLA1.

Für den Schweizer sind es die zweiten Weihnachten als ÖFB-Teamchef, die ersten nach einem vollen Jahr in diesem Amt. Gemeinsam mit Familie und Freunden wird der 52-Jährige am Heiligen Abend bei einem „schönes Essen“ die Zeit mit seinen Lieben genießen. In aller Ruhe.

Der Stresspegel wird schnell genug wieder in die Höhe schießen, schließlich steht nach den Feiertagen und Silvester das Jahr 2013 an – in diesem wird sich entscheiden, ob Österreich erstmals seit 1998 wieder an einer Weltmeisterschaft teilnehmen wird.

Mit den Duellen gegen Schweden und Irland, den Hauptkonkurrenten um Platz zwei, wird die Aufgabe schwer genug.

Im LAOLA1-Interview spricht der höchstrangige Trainer des Landes über die Bilanz 2012, die vielen ÖFB-Legionäre und den Status der heimischen Bundesliga.

LAOLA1: Herr Koller, es ist Weihnachten, somit auch bald Jahresende. Wie fällt Ihre Bilanz 2012 aus?

Marcel Koller: Es ist sicher so, dass wir zufrieden sind, wie die Entwicklung vonstattengeht. Es ist auch immer so, dass man gerne das eine oder anderen schneller hätte oder ein bisschen mehr Punkte auf dem Konto haben könnte. Aber grundsätzlich, wie sich das Team entwickelt hat, wie es die Ideen umsetzt, das ist schon sehr positiv. Wir wissen aber auch, dass es nicht zu Ende ist und es immer weitergeht. Für das erste Jahr ist es aber sehr positiv abgelaufen.

LAOLA1: Was war Ihr Highlight in diesem Jahr? Worüber haben Sie sich am meisten gefreut?

Koller: Ich denke, ich freue mich am meisten über die Spieler. Wie engagiert sie dabei sind, wie sie mit Leidenschaft kämpfen. Ich weiß aber auch, es ist immer mal das eine oder andere Spiel dabei, wo es nicht so rund läuft. Ich freue mich über die Entwicklung der Spieler, wie sie das auf den Platz bringen, wie sie konzentriert bei der Sache sind. Das war sehr erfreulich.

LAOLA1: Was möchten Sie 2012 lieber streichen?

Koller: Eigentlich nichts, denn das gehört auch einfach dazu. Wir hätten natürlich gerne drei Punkte in Kasachstan geholt. Da hatten wir auch die Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen. Das ist uns leider nicht gelungen. Gegen Deutschland haben wir ein sehr gutes Spiel gezeigt, es aber leider ohne Punkte beenden müssen. Da wäre sicher mehr drinnen gewesen. Wenn wir da einen Punkt mitgenommen hätten, wäre das sicherlich ein weiterer Schritt nach vorne gewesen.

LAOLA1: Das Nationalteam kommt im neuen Jahr Anfang Februar für das Freundschaftsspiel in Wales zusammen. Allerdings nur wenige Tage. Wie schwierig macht es das?

Koller: Es ist praktisch unmöglich, da etwas zu entwickeln. Sie spielen ja teilweise noch am Sonntag, am Montag geht es dann um Regeneration und teilweise auch noch am Dienstag. Du hast eine Trainingseinheit und es ist schwierig, den Fokus dorthin zu bekommen, wo man ihn gerne hätte. Ich bin froh, dass wir vor den Quali-Spielen gegen die Färöer und in Irland im März drei, vier Tage haben und mit der Mannschaft zusammenarbeiten und unsere Ideen auch bewusstmachen können. Man hat gesehen, wenn wir länger zusammen sind, dass es meistens 1:1 auf dem Platz umgesetzt wird.

LAOLA1: 2012 spielten im Nationalteam viele Legionäre: Wie werten Sie das?

Koller: Bei kleineren Nationen ist das so, wenn man gute Fußballer hat. Das ist in Dänemark, der Schweiz und auch hier bei uns in Österreich jetzt nicht anders. Für uns ist es gut, denn die Legionäre spielen auch regelmäßig und haben schon gezeigt, dass sie Klasse haben.

LAOLA1: Wie würden Sie die heimische Bundesliga aktuell im europäischen Vergleich einordnen?

Koller: Das ist schwierig. Es ist wie die Schweiz. Man will sich immer mit Deutschland vergleichen, aber das ist absolut nicht möglich. Deutschland hat von Haus aus mehr Einwohner, größere Stadien, mehr Zuschauer. Das ist eine absolute Top-Liga und das darf man eben nicht vergleichen. Nichtsdestoweniger kann sich jeder noch steigern, die Vereine, aber auch die Spieler können sich weiterentwickeln. Das ist vor allem als junges Talent auch verbunden mit Arbeit. Mit Konsequenz und Willen. Wenn man den aufbringt, kann man weiterkommen, der eine oder andere schafft vielleicht den Sprung ins Ausland. Aber auch für die Vereine hier attraktiv werden, einen Schritt weiterkommen und dann vielleicht im Europacup spielen. Dort zwei, drei Vereine dabei zu haben, die präsent sind, die dann auch für das Land Österreich Werbung machen können.

LAOLA1: Früher wurden oftmals Legionäre nach Österreich geholt. Haben Sie das Gefühl, die Vereine wissen mittlerweile, dass es hier in der Regel nur als Ausbildungsklub funktioniert?

Koller: Es macht es natürlich auch noch einmal schwieriger, weil viele, die um die 16 Jahre alt sind, wechseln bereits früh ins Ausland. Aus meiner Sicht wäre eigentlich wichtig, dass man solche Spieler in der Liga halten kann. Denn das ist das Grundgerüst eines Vereins, wenn man sehr talentierte Spieler hat. Da gibt es ja auch nicht immer so viele. Da kommt alle zwei, drei, vier Jahre einer hoch. Wenn man die nacheinander halten kann, die einige Jahre in der Liga spielen, dann ist natürlich auch spielerische Klasse dabei. Die geht teilweise verloren, wenn früh gewechselt wird. Es gibt auch ein gutes Beispiel für den längeren Verbleib, nämlich Zlatko Junuzovic, der erst später wechselte. Er hat keinen Einbruch erlitten. Wenn ein 16-Jähriger weggeht, nicht zum Zug kommt, dann können sie drei, vier, fünf Jahre von der Entwicklung weg sein und der Weg gestaltet sich schwieriger. Wenn man die Grundbasis hat, sich in der österreichischen Liga durchgesetzt hat, dann kann man es auch in die deutsche Bundesliga – wie es Junuzovic gezeigt hat – oder sonst wohin wechseln.

LAOLA1: Abschließend noch die Frage: Wie feiern Sie Weihnachten?

Koller: Es kommen Familie und Freunde zusammen. Man hat keine Kleinkinder mehr, deswegen gibt es ein schönes Essen, ein gemütliches Beisammensein und Gespräche führen. Vielleicht auch nicht über Fußball zu sprechen (lacht).

 

Das Interview führte Peter Rietzler

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