Aufgewachsen unter dem Tisch

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Nach EM-Titel folgt Angriff auf das Denkmal

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Ping, Pong.

Das Geräusch, das ihn bewegt.

Ping, Pong.

Das Geräusch, das ihn beruhigt.

Ping, Pong.

Das Geräusch, das Daniel Habesohn aus der Kinder-Wiege bis hinauf auf den Europameister-Thron begleitete. Aus der Kinder-Wiege weg? Richtig gelesen.

Die erste Kindheits-Erinnerung, die Habesohn mit Tischtennis verbindet, ist jene, als ihn seine Mutter – selbst Tischtennis-Spielerin – während der Trainings-Einheiten im Maxi-Cosi unter den Tisch packte. „Meine Brüder und ich sind praktisch in der Tischtennis-Halle aufgewachsen“, schildert der Wiener, der damals zum Rhythmus des Ballwechsels sanft entschlummerte.

Knapp zweieinhalb Jahrzehnte später befindet sich der Wirkungsbereich des Jungvaters vielmehr oberhalb der Tischplatte. Und das sehr erfolgreich. Die bisherige Krönung seiner Karriere erfolgte heuer im Oktober, als er sich an der Seite von Robert Gardos im dänischen Herning durch einen 4:3-Final-Erfolg über Kristian und Mattias Karlssen (SWE) den Europameister-Titel im Doppel sicherte.

(K)ein Sieg wie jeder andere

EM-Gold. Ein Erfolg in einer Größen-Ordnung, die es für Habesohn erst einmal zu verarbeiten galt. „Zunächst war der Sieg im Finale ein Sieg wie jeder andere. Europameister - okay. Erst als mich die Leute dann anders angesprochen haben und mir mit mehr Respekt begegnet sind, habe ich gemerkt, dass ich etwas Besonderes geschafft habe“, beschreibt Habesohn den Prozess des Sackenlassens und Realisierens.

Der neue Grad der Aufmerksamkeit beschränkte sich keineswegs auf die Tischtennis-Halle.

Plötzlich klopften die Nachbarn an, um dem Titelträger zu gratulieren und selbst auf offener Straße wurde er angesprochen. Insbesondere Letzteres ist für einen Tischtennis-Spieler hierzulande wohl wahrlich nichts Alltägliches.

Die Brust wächst

Habesohn und Gardos – das passt irgendwie. „Wir spielen erst seit zwei Jahren zusammen. Es hat von Anfang an gepasst“, weiß Habesohn seinen Partner zu schätzen. Die Ergebnisse belegen das. So schafften sie es bereits an die vierte Stelle in der ProTour-Gesamtwertung. Vor ihnen waren lediglich drei chinesische Paarungen gereiht.

Das macht eine breite Brust. „Es gibt kaum bessere Doppel als uns“, ist das Selbstvertrauen den Worten des Rechtshänders deutlich zu entnehmen. „Das gilt ganz besonders für Europa.“ Der Titel war aber dennoch überraschend. „Mit so etwas kannst du nicht rechnen.“

Nun liegt es nahe, die Symbiose zu vertiefen. Denn wirklich viel hatten Habesohn/Gardos in den vergangenen zwei Jahren ohnehin nicht zusammengespielt. „Das erklärt auch die vergleichsweise schlechte Setzung. Aber ich denke, dass wir jetzt ein fixes Doppel bleiben.“

Ein Denkmal ersetzen?

Bei den Wörtern Tischtennis und Doppel schießen dem gebrieften rot-weiß-roten Sportfan unwillkürlich zwei andere Wörter ein – und zwar Schlager und Jindrak. Werner Schlager und Karl Jindrak bildeten um die Jahrtausend-Wende das Parade-Doppel mit insgesamt drei Olympia-Teilnahmen, darunter einen Viertelfinal-Einzug in Sydney.

Könnte da eine Ablöse als erfolgreichstes ÖTTV-Doppel ins Haus stehen? Auch wenn Respekt vor den Leistungen vorhanden ist, hält Habesohn es für möglich. „Wir haben im Doppel bisher das Gleiche wie sie erreicht. Wir haben einen dritten Platz beim ProTour-Finale geschafft, wir sind Europameister geworden – von daher können wir sie vielleicht sogar übertreffen.“

Dazu bedarf es aber des nächsten Schrittes. Und dieser lautet Weltmeisterschaft, die im nächsten Jahr in Paris steigt. Also just an jenem Ort, wo Werner Schlager vor zehn Jahren das historische WM-Gold holte.

Die Nostalgie in Kombination mit dem gewachsenen Selbstvertrauen lassen auch Habesohn unweigerlich von einem erfolgreichen Auftreten im Palais Omnisport träumen. „Vielleicht können ja auch wir etwas gewinnen. Vielleicht sogar eine Medaille.“

Reinhold Pühringer

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