Die Aufreger des Jahres

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Auch wenn sie gerne überstrapaziert werden, sind sie unbestritten das Salz in der Suppe: Die Aufreger.

Das Jahr 2014 hatte einige große Skandale und viele kleinere parat. Wir haben eine Auswahl getroffen, bei der wir ganz ohne Mario Balotelli auskommen. Ein Skandal für sich, oder?

Das Urteil im Pistorius-Prozess

Wird der Fall Oscar Pistorius noch einmal aufgerollt

Es war kein Mord. Zu diesem Urteil kommt Richterin Thokozile Masipa im Fall von Oscar Pistorius. Der beinamputierte Sprinter hat im Februar 2013 zwar die tödlichen Schüsse auf seine Lebensgefährtin Reeva Steenkamp durch eine Badezimmer-Tür hindurch abgegeben haben, dabei soll es sich laut Ansicht des Gerichtes aber um „grob fahrlässige Tötung“ gehandelt haben.

Eine Ansicht, die nicht nur zu heftigen Diskussionen und Protesten, sondern auch zu fünf Jahren Haft für den Südafrikaner führte. Viel zu wenig, behaupten viele. Noch ist das Urteil für den bekanntesten Behinderten-Sportler der Welt aber nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung. Eine Neuaufrollung des Falles lässt auch die Möglichkeit eines Mordurteils offen.

Olympisches Eiskunstlauf-Gold

Kim Yu-Na trat in Folge zurück

„Skandal“ titelte die „L’Equipe“ nachdem die Eiskunstlauf-Punkterichter der Olympischen Spiele in Sotschi der Russin Adelina Sotnikova den Vorzug vor der Südkoreanerin Kim Yu-Na gegeben hatten. Der Aufschrei über die fragwürdige Gold-Entscheidung war groß. „Ich war komplett fassungslos und sauer auf unseren Sport, da muss man sich nicht wundern, wenn sich die Leute abdrehen“, empörte sich etwa die deutsche Eisprinzessin Kathi Witt. CBC-Kommentator Kurt Browning sah die Tango-Kür der Asiatin ebenfalls klar voran: „Ich bin fassungslos!“

Müßig zu erwähnen, dass in Kims Heimatland sehr offen die Rede von Schiebung und verbotenen Absprachen war. Dem zuträglich war die Tatsache, dass mit Iuri Balkov ein Ukrainer in der Jury saß, der bereits nach den Spielen in Nagano 1998 wegen versuchter Absprachen für ein Jahr gesperrt worden war. Ebenfalls in der Punktevergabe saß Alla Shechovzeva, ihres Zeichens Gattin von Valentin Pizev, dem ehemaligen Präsidenten sowie aktuellen Sportdirektor des russischen Eiskunstlauf-Verbandes. Die Regel-Adaption, die Kampfrichter ihre Wertungen anonym abgeben zu lassen, entpuppte sich als Boomerang.

Beißer Luis Suarez

Luis Suarez sorgte für viele, viele Schlagzeilen

Es war DER Eklat der WM in Brasilien: Luis Suarez biss in der 79. Minute des um den Aufstieg entscheidenden Vorrundenspiels Uruguay gegen Italien beim Stand von 0:0 Gegenspieler Giorgio Chiellini in die Schulter. Da der Schiedsrichter weder das Vergehen registrierte, noch auf die Bissspuren des Italo-Verteidigers einging, durfte der Uru-Stürmer die Partie zu Ende spielen. Die Südamerikaner stiegen durch das 1:0 Godins (81.) in die K.o.-Phase auf. Nach Studium der recht eindeutigen TV-Bilder biss die FIFA jedoch zurück, zog den 27-jährigen Wiederholungstäter für vier Monate sowie neun Länderspiele aus dem Verkehr.

Von alledem nicht abschrecken ließ sich der FC Barcelona, der den Torschützenkönig der Premier League im Sommer für eine kolportierte Ablösesumme von 94 Mio. Euro zu sich lotste. Englische Medien wollen jedoch wissen, dass die Katalanen eine Anti-Beiß-Klausel in den Kontrakt eingearbeitet haben. Demnach drohe Suarez bei einem neuerlichen Beiß-Vergehen eine 15- bis 30-prozentige Kürzung seines Jahressalärs. Nichtsdestoweniger feierte er am 25. Oktober beim 1:3 im Clasico gegen Real sein Pflichtspieldebüt für Barca. Ganz ohne Biss.

Hoeneß in Haft

Hoeneß feierte nicht lange

Wer hätte sich das vor einem Jahr gedacht? Uli Hoeneß, einst der „Mr. Saubermann“ im deutschen Fußball, muss den Jahreswechsel 2014/15 im Gefängnis verbringen. 28,5 Millionen Euro hat der  Ex-Präsident des FC Bayern München laut Gerichtsurteil vom 13. März an Steuern hinterzogen. Dafür muss der Wurstfabrikant die nächsten dreieinhalb Jahre in Haft verbringen. Seine Ämter bei den Bayern legte Hoeneß daraufhin alle zurück.

Seine Fans stehen dennoch zu ihm. Bei der Hauptversammlung der Münchner am 2. Mai erhielt die Vereinslegende demonstrativ Standing Ovations. In einer flammenden Rede kündigte er sein Comeback nach Ablauf der Haftstrafe an: „Das war’s noch nicht!“ Es war sein letzter Auftritt, bevor er ins Gefängnis musste. Ab Jänner 2015 darf Hoeneß als Freigänger die Haft stundenweise verlassen. Dann wird er in der Nachwuchsabteilung der Bayern arbeiten.

Dürrs positive Probe

Dürr sorgte am letzten Olympia-Tag für Aufregung

Markus Gandler kämpfte mit den Tränen. Einen Tag davor hatte der sportliche Leiter des ÖSV noch von einer Olympia-Medaille Johannes Dürrs geträumt. Nun wurde ausgerechnet sein Vorzeige-Athlet, der Gesamtdritte der prestigeträchtigen Tour de Ski, des Dopings überführt. Anstatt den abschließenden 50km-Bewerb zu verfolgen, musste sich Gandler den Fragen der Journalisten stellen.

„Wir haben uns den Arsch aufgerissen für den Hund. Und dann wirst du so betrogen“, sagte Gandler, der sich schon 2006 in Turin für einen Doping-Skandal rechtfertigen musste. Ähnlich verzweifelt auf die positive Probe Dürrs reagierte Peter Schröcksnadel. Der ÖSV-Boss drohte gar allen Langläufern mit dem Ausschluss aus dem Ski-Verband. Eine Maßnahme, die der Tiroler Ski-Patriarch schließlich doch nicht umsetzte.

Der Wettskandal-Prozess

Kuljic landete im Gefängnis

„Sie waren ein Fußballgott, sie müssen diesen Schaden auch gegenüber ihren Fans erst einmal wieder gutmachen“, sagte Richterin Elisabeth Juschitz. Gemeint war damit niemand Geringer als Sanel Kujlic. Der Ex-Nationalspieler wurde vom Gericht zur „zentralen Figur“ im Wettskandal um Dominique Taboga ausgemacht. Kuljic fasste als Hauptbeschuldigter fünf Jahre unbedingte Haft aus. Taboga, der bei den meisten Manipulationen dabei war, kam mit drei Jahren Haft (zwei bedingt) davon.

Mit der Urteilsverkündung endete eines der dunkelsten Kapitel der österreichischen Fußball-Geschichte. Taboga, der eine Fußfessel beantragen durfte, will nun ein neues Kapitel in seinem Leben als Sportjournalist aufschlagen. Sein einstiger Erpresser Kuljic teilte sich unterdessen eine Zelle mit Hannes Kartnig.

Aufreger von der anderen Seite des Teichs

Rice und Sterling haben einen Haufen Probleme am Hals

Ein Rassismus-Skandal und zwei Prügel-Affären erschütterten 2015 den US-Sport. Dafür verantwortlich: Donald Sterling beziehungsweise Ray Rice und Adrian Peterson. Auf der einen Seite ein 80-jähriger NBA-Klubboss, auf der anderen zwei NFL-Superstars. Sterling, Besitzer der Los Angeles Clippers, verbot seiner Freundin, schwarze Spieler mit zu den NBA-Partien zu nehmen. Stein des Anstoßes war ein Instagram-Foto, dass die Mexikanisch-stämmige Lebensgefährtin Sterlings mit Earvin „Magic“ Johnson zeigte. „Stelle ihn nicht der ganzen Welt zur Schau und bringe ihn nicht zu meinen Spielen“, war der Owner auf einem Tonband zu hören. Mittlerweile musste Sterling die Clippers verkaufen. Zudem ist er an Prostatakrebs erkrankt.

Schwerwiegende Konsequenzen bekam auch Rice zu spüren. Der Running Back wurde von den Baltimore Ravens entlassen, nachdem ihn ein Video dabei gezeigt hatte, wie er seine Frau in einem Aufzug verprügelte. Dabei meldete sich selbst US-Präsident Barack Obama zu Wort: "Echte Männer schlagen ihre Frau nicht, unabhängig davon, ob es in der Öffentlichkeit oder privat ist.“ Mittlerweile wurde die von der Liga ausgesprochene Sperre gegen Rice wieder aufgehoben. Ob er jedoch jemals wieder einen NFL-Vertrag bekommen wird, ist ungewiss. Noch um seine Wiederaufnahme in die Liga kämpft Peterson. Der frühere NFL-MVP wurde kurz nach Saison-Start von den Minnesota Vikings aufgrund von Kindesmusshandlung deaktiviert, der 29-Jährige hatte seinen vierjährigen Sohn mit einer Rute geschlagen. Ein Skandal, der eine landesweite Diskussion über die Disziplinierung von Kindern auslöste. Peterson befindet sich seither in einem Rechtsstreit mit der NFL, die weitere Einsätze des Running Backs mit aller Macht verhindert hat.

 

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