Das waren die Aufreger des Jahres 2012

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Gewinner und Verlierer wird es im Sport immer geben. Was deshalb tatsächlich aus dem Alltag heraussticht, das sind die Aufreger.

Die kleinen und großen Skandale sind es, die das Salz in der Suppe sind.

Wir lassen die größten Aufreger 2012 noch einmal Revue passieren...

Sportminister Darabos "not amused"

Salto Nullo bei Olympia

Bei der Frage, was den österreichischen Sportfan heuer am meisten aufgeregt hat, kann es nur eine Antwort geben: Unser Abschneiden bei den Spielen in London. Auch wenn sich einige heimische Athleten durchaus beachtlich geschlagen haben, bleibt unterm Strich die Null. Und die tut weh. So weh, dass sie sogar zum Politikum wurde und so zu mehr oder weniger fundierten Wortmeldungen profilierungswütiger Parlamentarier führte. Allen voran Sportminister Norbert Darabos. Der Staatsmann tadelte diverse heimische Athleten aus Randsportarten, von denen die meisten nur dank Unterstützung des Bundesheeres ihren Sport ausüben können, pauschal als "Olympia-Touristen".

Eine kurze Phase des sich selbst Zerfleischens ging über in ein Hinterfragen und Überdenken der vorhandenen Strukturen. Dies brachte mit der Forderung nach der täglichen Turnstunde sowie nach einer Vereinheitlichung des Fördersystems einige interessante Ansätze ans Licht. Von einer Umsetzung ist man aber noch ein gutes Stück entfernt. Auch in den heimischen Verbänden ging es rund. Allen voran im Schwimm-Verband, wo der zuvor knapp einer Doping-Sperre entronnene Dinko Jukic ganze Salven gegen den OSV abfeuerte. Mit dem Ergebnis, dass Präsident Paul Schauer seinen Hut nahm und der Schwimmer selbst zumindest vorübergehend gesperrt wurde.

Fühlte er sich zu wenig gewürdigt?

Der Weg des Geparden

Die Geschichte von Paul Scharner und dem ÖFB-Team ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Diese fand Mitte August ein unrühmliches Ende. Im Vorfeld des Türkei-Länderspiels soll der nunmehrige HSV-Legionär eine "Schlüsselrolle" gefordert haben. Teamchef Marcel Koller spielte bei den Ansprüchen Scharners nicht mit, weshalb der Gepard angesäuert abreiste und sich künftig einen Weg abseits des Nationalteams sucht. Der ÖFB sperrte den 32-Jährigen nämlich auf Lebenszeit. Zum Drüberstreuen sorgte auch Scharners Startelf-Debut in Hamburg für Gesprächsstoff: Nach gerade einmal 35 Minuten musste er mit Gelb-Rot unter die Dusche. Zumindest senkt so etwas die Ansprüche.

Die Sieger-Trikots wird Armstrong wohl trotzdem hängen lassen

Das Ende der Gelbsucht

Sieben Tour-Siege, größter Rad-Held aller Zeiten. Denkste! Das Monument Lance Armstrong wurde im Oktober eingerissen und die dahintersteckenden Doping-Praktiken (teilweise) entlarvt. Aufgrund der Enthüllungen der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) erklärte der Rad-Weltverband (UCI) im Oktober alle Ergebnisse des Texaners seit 1. August 1998 für nichtig. Ein Paukenschlag, der eine ganze Sportart in den Grundfesten erschüttert. Auch weil die UCI immer mehr in die Schusslinie gerät. Präsident Pat McQuaid und sein Vorgänger Hein Verbruggen sollen das System Armstrong gedeckt haben. Bleibt zu hoffen, dass das Gewitter ein reinigendes ist.

Ulmer redete sich um Kopf und Kragen

Harte Checks und klare Worte

Es war DER Aufreger der B-WM in Ljubljana. Nationalspieler Stefan Ulmer hatte sich gegenüber den „Vorarlberger Nachrichten“ darüber beschwert, als Sündenbock für die Niederlage gegen Japan herhalten zu müssen. Der Vorarlberger kam im darauffolgenden Spiel gegen Ungarn nur sporadisch in der vierten Linie zum Einsatz und machte nach der Partie seinem Unmut Luft. „Als Vorarlberger kann man gegen die Kärntner Mafia nichts machen“, beschwerte sich der 22-jährige Verteidiger über die angebliche Bevorzugung der KAC-Defender Johannes Reichel und Johannes Kirisits durch Teamchef und KAC-Sportdirektor Manny Viveiros. Es folgte ein Gespräch mit dem Teamchef und eine Entschuldigung Ulmers. „Meine Aussagen waren inakzeptabel. Ich möchte mich aufrichtig bei meinen Teamkollegen, den Trainern und dem Verband entschuldigen.“ Dennoch wurde der Verteidiger auf unbestimmte Zeit vom ÖEHV suspendiert. Mittlerweile wurde der Schweiz-Legionär aber begnadigt und feierte bei der Euro Challenge im November sein Comeback im rot-weiß-roten Jersey.

Markus Rogan bekommt sein Fett ab

Zu viel Hirn zu wenig clever eingesetzt

"Warum hat der Armin, der relativ schlau ist, nur vier (Rennen; Anm.) gewonnen und der Hermann 50?" Mit diesen Worten wollte Markus Rogan seine These, dass auf dem Weg nach ganz oben der Kopf nicht im Weg stehen darf, untermauern. Doch was hat er sich eigentlich dabei gedacht, einfach so ein nationales Heiligtum als "weniger denkfähig" zu bezeichnen? Hatte er sich von der familiären Interview-Situation dazu verleiten lassen, einen leichtfertigen "Wirtshaussager" rauszuhauen? Bei einem gestandenen Sportler wie Rogan eher unwahrscheinlich. Wollte er - wie so oft - provozieren und hat den Bogen schlicht überspannt? Wohl eher. So oder so: Der Sager flog ihm in den folgenden Wochen regelrecht um die Ohren.

Bei all der Steinigung und der später dazukommenden Häme, die ihm nach seiner Disqualifikation zu teil wurde, muss man ihm aber eines zugute halten: Rogan hat nicht wie viele andere aalglatte "Musterprofis" gleich beim ersten Anzeichen von Gegenwind zurückgerudert. Lediglich hat er festgehalten, dass die Formulierung unglücklich gewesen sei.

Linienrichter muss sein Leben lassen

Niederländischer Schiri totgetreten

Ein falsch angezeigtes Abseits im Unterhaus soll einem niederländischen Linienrichter Anfang Dezember in Almere das Leben gekostet haben. Mehrere Jugendliche sollen den ehrenamtlichen Referee nach einer Partie attackiert haben und ihm mehrfach gegen den Kopf getreten haben, sodass der 41-Jährige einen Tag später seinen Verletzungen erlegen ist. Unmenschlich, unverständlich, nicht nachvollziehbar. Auch wenn es in Deutschland (Spielabbruch in der Relegation) und Österreich (Ausschreitungen rund um das Wiener Derby in der Generali-Arena; Spielabbruch in Innsbruck) zu keiner derartigen Wahnsinnstat gekommen ist, macht es deutlich, wie bedrohlich das Thema Gewalt im Fußball ist.

Shin A-Lam und ihr bitterer Sitzstreik

Im Schatten der fünf Ringe

Noch einmal Olympia: Wer erinnert sich an Barbara Csar? Die Salzburgerin hat es geschafft, den Zorn von halb Südkorea auf sich zu ziehen. Im Degenteam-Halbfinale der Damen hatte die Kampfrichterin der Deutschen Britta Heidemann gegen Sin A-Lam gleich vier Anläufe gewährt, bis dieser endlich der entscheidende Treffer zum Aufstieg unserer Nachbarin gelang. Dabei wurde die Wettkampfuhr jedes Mal wieder auf eine Sekunde gestellt. Dass diese Handhabung Shin gehörig die Stimmung verhagelte, beweist alleine die Tatsache, dass sie im Anschluss mit einem 45-minütigen Sitzstreik die Planche blockierte. Tränen gab es obendrein.

Kurios ging es auch am Badminton-Netz zu, wo vier Doppel aus China, Südkorea und Indonesien in der Vorrunde augenscheinlich um Niederlagen bemüht waren, um im weiteren Turnier-Verlauf stärkeren Gegnern aus dem Weg zu gehen. Nach dem Ausschluss von den Spielen wurden die vier Südkoreanerinnen sowie die zwei Indonesieriennen von ihren nationalen Verbänden gesperrt.

Zu sehr aufgeregt

Wir schreiben den 17. Juni, Tatort London. Im Finale von Queen's Club stehen sich David Nalbandian und Marin Cilic gegenüber. Beim Stand von 7:6 und 3:4 bringt der Argentinier einen Ball nicht mehr ins Feld und tritt wütend gegen eine kleine Werbebande. Dumm nur, dass das Ding nicht stabil ist und er es gegen das Schienbein des dahintersitzenden Linienrichters kickt. Der ältere Herr, der sogleich aufschreit, trägt eine blutende Wunde davon. Und Nalbandian? Dem 30-Jährigen hilft auch eine prompte Entschuldigung nichts. Er wird wegen Unsportlichkeit disqualifiziert, verliert die bereits erspielten 45.000 Euro Preisgeld sowie 150 Weltranglistenpunkte und wird obendrein auch noch zur Maximalstrafe von 10.000 Euro verdonnert.

Sieht so ein "Hass-Duell" aus?

Viel Haue und ein bisschen Schmusi-Schmusi

Er ist schon ein Früchtchen, dieser Dereck Chisora. Eigentlich dachte der gemeine Box-Fan, seit dem Kampf Wladimir Klitschko gegen David Haye bereits alle Mätzchen zu kennen. Doch Chisora setzte vor seinem Duell mit Vitali noch einen drauf. Zuerst die Watsch'n beim Faceoff, dann das Anspucken von Wladimir im Ring. Dass es dafür anschließend im Ring ordentlich auf die Fresse gab, ist selbstredend.

Das wahre "Highlight" folgte allerdings erst bei der Pressekonferenz danach. Es wirkte, als hätte der dort anwesende Haye um seinen Ruf als Box-Rüpel Nummer eins gefürchtet, weil dieser eine Auseinandersetzung mit Chisora provozierte. Diese gipfelte schließlich in einer handfesten Prügelei vor laufenden TV-Kameras. Sprüche wie "Ich werde dich erschießen" inklusive. Das geforderte und von Medien sowie Promotern hochstilisierte "Hass-Duell" im Ring ging durch K.o. an Haye. Dass sich nach dem letzten Gong beide freundschaftlich in die Arme fielen, mag zwar aus sportlicher Sicht durchaus vorbildhaft sein, legt aber den Schluss nahe, dass das ganze Tamtam davor tatsächlich nur Show war. Bret "The Hitman" Hart und der Undertaker hätten es wohl nicht besser hinbekommen.

"How do you do?"

David Alaba und der nicht so gut informierte Günther Platter

Fazit: Dagegen kann 2013 fast nur abstinken...

 

 

 

 

 

 

 

 

Reinhold Pühringer

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