Video killed the Handballstar

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Bestens vorbereitet in die WM

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Der emotionale Level bewegt sich innerhalb des österreichischen Handball-Teams vor dem Auftaktspiel bei der WM in Katar in recht unterschiedliche Richtungen.

Während Tormann Nikola Marinovic nach den ersten Trainings-Einheiten in der Duhail-Halle, in der Österreich am Freitag (17 Uhr MEZ) auf Gruppen-Favorit Kroatien trifft, von „ansteigender Spannung“ spricht, wirkt Teamchef Patrekur Johannesson regelrecht entspannt.

Der Schein trügt nicht. „Jetzt bin ich lockerer als am Anfang der Vorbereitung“, meint der im Rahmen der Abschluss-Pressekonferenz zu Scherzen aufgelegte Isländer. Die Ursache dafür ist recht einfach. „Im Gegensatz zum Beginn der Vorbereitung weiß ich jetzt ganz genau, was wir spielen wollen und jeder im Team kennt seine Aufgabe.“

Aus Sicht des 42-Jährigen sind alle Rahmenbedingungen erfüllt, damit seine Schützlinge das anvisierte Achtelfinale erreichen. „Es kann losgehen“, nickt er. Das Unternehmen WM – ein lange vorbereitetes.

Das System Johannesson 

Das 28:30 im letzten Test am Montag in Paris gegen Olympiasieger Frankreich habe der ÖHB-Auswahl noch einmal Selbstvertrauen gegeben. Die Frage, ob man dort schon Dinge für den Ernstfall Kroatien geprobt hat, schmeckt Johannesson nicht so ganz: „Weil wir uns in erster Linie auf uns selbst konzentrieren.“ Also auf das eigene System. Auf das System Johannesson, wenn man so will.

Und dieses gründet in erster Linie auf fast peinlich genauer Analyse. Johannesson und Co-Trainer Erwin Gierlinger nehmen mittels des Video-Systems „Sideline“ die gegnerischen Spiele Szene für Szene auseinander. „Wir schauen, was sie gut und oft machen und wo mögliche Schwachpunkte liegen“, erklärte Johannesson, als er vergangenen Herbst einer Reihe Journalisten seine Arbeitsweise vorgeführt hatte.

Zu den Ansatzpunkten werden mögliche Angriffs-Varianten gesucht und den Spielern weitergegeben. Die ausgearbeiteten Clips sowie typischen Szenen der jeweiligen Gegenspieler werden den ÖHB-Akteuren auf einem Server bereitgestellt. Damit sehen die Spieler die Szenen schon bereits vor Länderspielen und kommen somit schon voll gebrieft zur ersten gemeinsam Team-Zusammenkunft.

Pausen werden zur Analyse genutzt 

Bei der WM, bei der mehrere Spiele binnen kürzester Zeit stattfinden, brauche das freilich etwas mehr Vorlaufzeit und auch wesentlich mehr Arbeit. Auch für Spieler bedeutet das Großereignis, eine große Hülle an Informationen.

„Das ist eine wirklich große Menge an Informationen, die da für uns parat steht“, nickt ÖHB-Kapitän Viktor Szilagyi zustimmend. In den Trainings- und Spiel-Pausen wird fleißig geschaut, um die Spielsituation zu verinnerlichen.

"100 Prozent - mehr verlange ich nicht"  

Für die Betreuer ist ein Teil ihrer Arbeit damit schon erledigt. Die Spielpläne für die Partien liegen parat, die Akteure sind eingestimmt und alle sind fit, womit eine gewisse Anzahl an Eventualitäten unter Kontrolle gebracht zu sein scheint.

Ein wesentlicher Faktor ist freilich die Psyche der Spieler. Hierbei kommt die mitunter unaufgeregte Art Johannessons zum Tragen. Gerne spricht er von „positivem Selbstvertrauen“, womit er meint, aus positiven Dingen auch die richtigen Schlüsse mitzunehmen. Wie etwa gegen Frankreich, als man nach dem 28:30 für die Leistung gelobt wurde. „Diese Anerkennung soll uns helfen, darf uns aber nicht übermütig werden lassen.“

Gleichzeitig will er seinen Spielern keinen Druck auferlegen. Er erwarte von ihnen keine Wunderdinge, „nur dass sie 100 Prozent geben, mehr verlange ich gar nicht.“

 

Aus Doha berichtet Reinhold Pühringer

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