"Eine undankbare Gruppe"

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"Eine undankbare Gruppe"

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Am Freitag ist es soweit. Österreichs Handball-Nationalteam startet in die Weltmeisterschaft in Katar.

Das erklärte Ziel heißt Achtelfinale, wozu ein Platz unter den besten Vier der sechs Teams umfassenden Vorrunden-Gruppe notwendig ist. Eine Rechnung, die auf den ersten Blick schaffbar wirkt, bei genauerer Betrachtung jedoch ihre Tücken aufweist.

„Der Aufstieg wird gerne als Selbstläufer hingestellt. Das ist er aber keinesfalls“, warnt auch Conny Wilczynski in seiner LAOLA1-Kolumne. Rückraum-Bomber Robert Schlinger weiß bestens um die bevorstehenden Aufgaben und hält daher „zwischen Platz zwei und fünf“ alles für möglich.

Flügel-Ass Robert Weber geht sogar noch ein wenig weiter und spricht angesichts der Erwartungshaltung sogar von einer „undankbaren Gruppe“.

Die Partien im Detail:


Kroatien – Österreich

Freitag, 16. Jänner, 17 Uhr

Der zweifache Olympiasieger (1996, 2004) ist der Favorit der Gruppe B. „Es ist gut, sie gleich am Anfang zu haben“, begrüßt Schlinger den Spielplan der ÖHB-Truppe. Schließlich ist es zwar unumstritten, dass Kroatien mit Duvnjak (Welthandballer 2013), Gojun oder Kopljar absolut Medaillen-würdige Qualität in seinen Reihen hat, die Hoffnung ist jedoch, den zweifellos hochklassigen Gegner kalt zu erwischen. Das Head-to-Head spricht mit 1:12 ohnehin ein klare Sprache.

An das Niveau konnte sich die rot-weiß-rote Sieben mit dem letzten Testspiel am Montag in Paris gegen Olympiasieger Frankreich einstellen. Die Leistung war beim 28:30 sehr ansprechend.

Viktor Szilagyi glaubt nicht, dass Kroatien Österreich unterschätzt.

 

Österreich - Bosnien-H.

Samstag, 17. Jänner, 19 Uhr

Bosnien lieferte eine der großen Überraschungen des WM-Quali-Playoffs, indem sie Island ausgeschalteten. Nach dem 29:29 zu Hause gelang das Kunststück, auf Island mit 33:32 zu gewinnen. Ein Sieg, der international für Aufsehen gesorgt und der Mannschaft von Coach Dragan Markovic Respekt verschafft hat. Österreich ist gewarnt.

„Es ist kein Vergleich mehr zu früher“, spielt Schlinger auf die zwei ÖHB-Siege in der Quali für die EM 2014 an. Für Österreich wird es nach dem Auftaktspiel gegen die höher eingeschätzten Kroaten das erste Match gegen ein Team, welches auf Augenhöhe eingestuft wird. Johannesson wird auf alle Fälle darauf aus sein, seine Landsleute zu rächen.

 

Österreich – Tunesien

Montag, 19. Jänner, 19 Uhr

Mit den Tunesiern hat Österreich kein Losglück bewiesen. Schlinger: „Das ist wohl der stärkste Gegner, den wir aus dem fünften Topf ziehen konnten.“ Handball-Kenner David Szlezak stellt die Nordafrikaner in der „Sportwoche“ sogar über die Österreicher: „Neben Kroatien sind sie der zweite Favorit in der Gruppe. Personelle sind sie top, sie haben Wissem Hmam reaktiviert.“ In zwei Testspielen konnte Russland zuletzt einmal geschlagen sowie ein Unentschieden abgetrotzt werden.

Hinzu kommt, dass die Tunesier von Sead Hasanefendic betreut werden. Der kroatische Handball-Lehrer kennt ÖHB-Schlüsselspieler Viktor Szilagyi aus der gemeinsamen Zeit beim VfL Gummersbach aus dem Effeff. Weiß über die Stärken und Schwächen des österreichischen Regisseurs bestens Bescheid. Johannesson: "Diese Mannschaft kann in der Verteidigung sehr offensiv spielen. Für mich als Trainer eine sehr reizvolle Aufgabe, weil man nie weiß, was einem erwartet."

 

Iran – Österreich

Mittwoch, 21. Jänner, 15 Uhr

Die Informationen über den Gruppen-Außenseiter sind rar. Im Vorjahr belegte die vom Slowenen Borut Machek trainierte Auswahl den dritten Platz bei den Asienmeisterschaften und qualifizierte sich erstmals für eine WM-Endrunde. Insofern ist es ein Vorteil, dass das ÖHB-Team den Iran erst im vierten Match hat, um sich ihn noch einmal genauer unter die Lupe nehmen zu können.

Wenn Österreich den Sprung in das Achtelfinale schaffen will, dann ist ein Sieg praktisch Pflicht. Das ist auch in den Köpfen der ÖHB-Spieler drinnen. „Diese Partie MÜSSEN wir einfach gewinnen. Ganz egal wie“, bestätigt Schlinger.

 

Mazedonien – Österreich

Freitag, 23. Jänner, 17 Uhr

Im letzten Vorrunden-Match bekommt es Österreich mit einem Gegner zu tun, gegen den es in den letzten Begegnungen Niederlagen setzte. „Es ist Zeit, Rache zu nehmen“, blickt Johannesson auf das mögliche Entscheidungsspiel voraus.

Mazedonien kann mit Kiril Lazarov einen echten Top-Star aufbieten. Der wurfgewaltige Rückraum-Spieler vom FC Barcelona hat bereits über 150 Länderspiele in den Knochen. Ihn kaltzustellen wäre bereits die halbe Miete. Johannesson: "Im Angriff spielen sehr diszipliniert, warten sehr lange, bis sie zu einer guten Möglichkeit kommen."

 

Voraus geschielt

Von der Papierform her ist die naheliegendste Marschroute für das Achtelfinale ein Sieg über Iran sowie einen zweiten über Bosnien, Tunesien oder Mazedonien. Punkte gegen Kroatien wären als absolute Überraschung zu werten. Allerdings ist der Aufstieg mit zwei Punkten nicht gewährleistet, da die Gruppe für einige Sensationen gut ist.

Weiter als das Achtelfinale wollen die ÖHB-Spieler nicht schauen. „Diesen Fehler haben wir schon bei der WM 2011 gemacht, als wir nach dem 34:24-Auftaktsieg über Brasilien schon vorauszurechen begonnen haben, dann aber im zweiten Match gegen Japan verloren haben“, erinnert sich Schlinger an eine seiner bittersten Stunden im Nationalteam.

Einen vorsichtigen Blick darauf werfen wir dann aber doch, schließlich würde die ÖHB-Auswahl mit einem Rang unter den besten Sieben weiter im Rennen um das Olympia-Ticket bleiben:

Die Gruppe B wird im Achtelfinale mit Gruppe A gekreuzt: Der B-4. gegen A-1., B-3. gegen A-2. usw.

Würde Österreich als Vierter weiterkommen, könnte in der Runde der letzten 16 Titelverteidiger Spanien drohen. Ein mächtig großer Brocken. Als Vorrunden-Dritter könnte der Achtelfinal-Gegner mit Slowenien oder Weißrussland schon etwas angenehmer ausfallen. Zumindest von der Papierform her.

Ebenfalls in der Gruppe sind Brasilien, Chile und Gastgeber Katar. Insbesondere bei den Brasilianern darf man mit Spannung erwarten, wie weit sie eineinhalb Jahre vor den Olympischen Heim-Spielen sind.

Reinhold Pühringer

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