Im WM-Turnier angekommen

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Das „Wie“ ist nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass gewonnen wurde.

Das besagt zumindest eine der am inflationärsten benutzten Sportler-Floskeln.

Österreichs Handballer sehen das am Tag nach dem 23:21 gegen Bosnien und Herzegowina, dem ersten Sieg in der WM-Vorrunde in Katar, wohl ausnahmslos genauso.

Dabei waren es alles andere als einfache zwei Punkte. Vielmehr war es ein „Ugly Win“. Hässlich weniger wegen der vielen Fehlwürfe, sondern in erster Linie wegen der vielen Nicklichkeiten. Die Spieler beider Mannschaften drohten einander auf dem Court der Ali Bin Hamad Al-Attiyah Arena Schläge an.

Viktor Szilagyi (Eisenbahner in den Oberschenkel) bekam die harte Gangart der Partie am eigenen Leib zu spüren. „Das ist nun mal keine Wohlfühlgruppe, hier musst du deinen Mann stehen“, weiß ÖHB-Generalsekretär Martin Hausleitner, was es geschlagen hat.

Der Lohn dafür ist neben den zwei Punkten ein gehöriger Schuss Selbstvertrauen. Oder wie es Nikola Bilyk auf den Punkt bringt: „Jetzt sind wir im Turnier drinnen.“

Chronisches gleich zu Beginn

Dabei geriet der ÖHB-Motor in der Anfangsphase ein weiteres Mal ins Stottern. Die schwachen bis durchwachsenen ersten Minuten ziehen sich allmählich wie ein roter Faden durch die Nationalteam-Spiele. „Das ist schon fast chronisch“, bestätigt Raul Santos. „Wir brauchen anscheinend immer ein paar Minuten, um warm zu werden.“

Woran das liegt, kann aber auch der Linksaußen des VfL Gummersbach nicht so recht erklären: „Vielleicht, weil wir uns in der Anfangsphase zu sehr darauf konzentrieren, ja keine Fehler zu machen.“

Dass die Bosnien-Partie zu einem Knotenlöser in dieser Hinsicht wird, wünscht sich der 22-Jährige zwar, hält er aber für unwahrscheinlich. Schließlich wisse man schon länger, dass man auch starke Teams schlagen könne.

Vorne fehleranfällig

Der Eindruck, dass Österreich gegen Bosnien zunächst auf Sicherheit bedacht war, täuschte nicht. Teamchef Patrekur Johannesson verzichtete deswegen auf die gängige Offensiv-Defensiv-Auswechslung. „Damit wir schnell in die Abwehr kommen und sicher stehen“, erklärt der Isländer seinen Hintergedanken.

Das klappte auch ganz gut. Allerdings fielen Österreichs Abschlüsse zu schwach aus. Ein Problem, welches uns am Samstagabend aber mit den Bosniern einte. Ein zu stark aufgepumpter Ball, was sich negativ auf das Wurfgefühl auswirkt, soll seinen Teil dazu beigetragen haben.

Nichtsdestoweniger zog die ÖHB-Sieben in der zweiten Hälfte auf bis zu sechs Tore (22:16) davon und überholte als neuer Tabellendritter die punktegleichen Bosnier, die zum Auftakt den Iran 30:25 schlugen.

„Bosniens Ergebnisse der letzten Monate verdeutlichen, was für ein wichtiger und schöner Sieg das für uns ist“, meint Johannesson, der in seiner Handball-verrückten Heimat dafür viel Lob bekommen hat. Zur Erinnerung: Island war im WM-Quali-Playoff an Bosnien gescheitert.

Nächtliches Videoschauen

Recht viel mehr Worte möchte der Teamchef über das geschlagene Match nicht mehr verlieren. Zu präsent ist in seinem Kopf bereits die anstehende Partie am Montag (19 Uhr MEZ) gegen Tunesien.

Im Kopf des 42-Jährigen bleibt während dieser Tage nicht viel Platz für andere Dinge außer Handball. Oft nicht einmal für Schlaf.

Ein Mix aus Emotionen über den Sieg und Gedanken an die Tunesier muss es letztlich gewesen sein, der ihn von Samstag auf Sonntag bis vier Uhr früh nicht einschlafen hat lassen. „Ich habe deshalb die Zeit genutzt und das Video von Tunesien gegen Mazedonien (25:33; Anm.) studiert“, schildert er bei einer Tasse Kaffee.

Die Nordafrikaner stehen nach zwei Niederlagen bereits unter Zugzwang. Ob sie das gefährlicher mache, interessiert Johannesson nicht: „Schließlich habe ich keinen Einfluss darauf.“ Viel lieber stellt er seine Verteidigung auf einen wurfgewaltigen Rückraum, mit einem physisch starken Kreisspieler und einer beweglichen Offensive ein.

Deren Trainer Sead Hasanefendic hofft nach der ansprechenden Leistung seines Teams beim 25:28 am Samstag gegen Kroatien auf ein Prolongieren des Aufwärtstrends gegen Österreich.

Und wohl auch auf einen ersten – wenn auch hässlichen – Sieg.

 

Aus Doha berichtet Reinhold Pühringer

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