Die Prophezeiung und die Forderung

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"Katar wird Weltmeister."

Als Patti Johannesson diese Aussage nach Österreichs verlorenem Achtelfinale gegen Gastgeber Katar (27:29) tätigte, wurde er milde belächelt.

Schließlich kam sie aus dem Mund eines Mannes, dessen Team gerade von den Schiedsrichtern offensichtlich benachteiligt wurde. Insofern hatte der Isländer nur die Flucht nach vorne in einen süffisanten Sarkasmus angetreten. Weil offene Kritik an Schiedsrichtern ist für viele Coaches ein Tabu.

So gesehen war Johannessons Reaktion nur allzu verständlich, zudem noch durchaus kreativ. Weshalb man sie letztlich schnell als „nicht ganz ernst gemeint“ beiseiteschob. Denn: Katar und Handball-Weltmeister? Pfff… unvorstellbar!

Knapp eine Woche später muss man Johannessons Prophezeiung noch einmal hervorkramen, denn tatsächlich spielt Katar am Sonntag (17:15 Uhr MEZ) gegen Frankreich im Finale um den Titel. Ein Albtraum für viele Fans.

Die gleiche Leier

Katar ist damit die erste nicht-europäische Mannschaft überhaupt, die es schafft, ins WM-Endspiel einzuziehen.

Es ist also schon jetzt ein großer Erfolg für das kleine Land am Persischen Golf. Allerdings einer, der für heftige Diskussionen sorgt. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt.

Zum einen wäre da das Thema der Katar-freundlichen Schiedsrichter-Pfiffe, welches nicht zur Ruhe kommt. Speziell seit dem Beginn der K.o.-Phase ist es DAS bestimmende Thema des Turniers – egal, ob gegen Österreich, Deutschland oder gegen Polen.

Applaus, Applaus

Obwohl bei den drei letzten Katar-Gegnern ihre Niederlagen auch an eigenen Mängeln festgemacht werden könnten, schaukelt sich die Referee-Kritik immer mehr auf. Nach dem 29:31 im Halbfinale spendeten etwa die polnischen Spieler dem Schiedsrichtergespann noch minutenlang höhnischen Applaus.

Mit Blick Richtung Finale machen bereits mitunter recht abenteuerliche Verschwörungstheorien die Runde. Gemäß einer sollen etwa die kroatischen Schiedsrichter Matja Gubica und Boris Milosevic, die sich nach ihrer Leistung nach Österreich gegen Katar praktisch schon auf der Heimreise befanden, vom Weltverband (IHF) am Flughafen noch abgefangen und zurück ins Referee-Hotel gebracht worden sein. Demnach würden sie für die Leitung des Finales infrage kommen. Die Endspiel-Schiedsrichter werden erst am Spieltag bekannt gegeben.

Zumindest die Wettbüros zeigen sich von alledem unbeeindruckt. "Interwetten" etwa zahlt bei einem Sieg Frankreichs das 1,3-Fache und bei einem Heim-Weltmeister das 4,5-Fache des Einsatzes.

Umdenken, einlenken

Der zweite Grund, die es neutralen Fans diesmal schwer macht, sich mit dem Underdog zu freuen, ist die Mannschaft. Dass nur vier „echte“ Kataris im Kader des spanischen Trainers Valero Rivera, der zum zweiten in Folge in einem WM-Finale steht, wurde rund um die WM bereits ausgiebig thematisiert.

Mit fortschreitendem Erfolg der Kataris werden nun die Stimmen lauter, die eine Änderung der Einbürgerungs-Regelung des Handball-Weltverbandes (IHF) fordern. Demnach muss für einen Nationenwechsel eine dreijährige Länderspielsperre in Kauf genommen werden, ehe man für seine neue Heimat spielberechtigt ist.

Das offensive Abwerben Katars, das manchem Spieler angeblich bis zu zwei Millionen Euro geboten hat, höhlt diesen Paragraphen jedoch aus. Der frühere deutsche Welthandballer Daniel Stephan spricht sich nun öffentlich für Änderung aus.

„Wenn man ein A-Länderspiel für eine Nation absolviert hat, sollte man den Verband nicht mehr wechseln dürfen. Da wäre der Fußball ein gutes Vorbild“, wünscht sich der 41-Jährige.

Ob die IHF tatsächlich darauf reagiert, bleibt abzuwarten. Schließlich ist Katars Emir Tamim bin Hamad al Thani Schatzmeister des Weltverbandes. Sein Verhältnis zu IHF-Präsident Hassan Moustafa sei ein sehr gutes.

Aus Doha berichtet Reinhold Pühringer

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