Wichtig, wichtiger, Katar-Spiel

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In den vergangenen Jahren gelang es nur wenigen österreichischen Sommersport-Verbänden, die eigenen Grenzen nach oben zu verschieben und neue Meilensteine zu schreiben.

Der Handball-Bund war so einer.

Die Qualifikation für vier Großereignisse in den letzten fünf Jahren sowie ein neunter Rang bei der Heim-EM 2010 setzten neue Maßstäbe.

Der kommende Sonntag ist nun wieder einer dieser Tage, an dem Österreichs Handballer ein weiteres Kapitel hinzufügen können.

Im Sportpalast Lusail Multipurpose Hall zu Doha fordert die von Teamchef Patrekur Johannesson betreute Auswahl um 16:30 Uhr MEZ im WM-Achtelfinale ausgerechnet Gastgeber Katar. Ein Sieg würde den Einzug unter die besten Acht und damit die beste Platzierung bei einer WM bedeuten. Die Silber-Medaille der WM 1938 einmal außenvorgelassen.

„Es ist das wichtigste Spiel in unserer aller Nationalteam-Karrieren“, bringt es Flügelspieler Robert Weber auf den Punkt. Doch damit nicht genug, geht es sogar noch um mehr.

Fünf Ringe für zwölf Teams

Abgesehen von der besten WM-Platzierung steht im sonntäglichen Achtelfinale die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio auf dem Spiel.

Die besten sieben Teams der WM bekommen die Chance, an den Olympia-Quali-Turnieren teilzunehmen. Sprich: Das Ticket wäre dann noch nicht in der Tasche, die erste Hürde aber genommen.

Am olympischen Handball-Turnier in Rio werden zwölf Teams teilnehmen. Gemäß den Quali-Richtlinien für 2012 setzt sich dieses Feld aus dem Gastgeber, dem Weltmeister, den kontinentalen Champions und eben jenen Nationen, die sich in den Quali-Turnieren durchsetzen, zusammen.

Würde der Sprung nach Rio gelingen, wäre das ein Novum für den ÖHB, der bislang nur im Feldhandball (Silbermedaille 1936) zu olympischen Ehren kam.

Weitermachen oder nicht?

Und für noch etwas wäre ein Sieg am Sonntag gut. Denn würde sich Österreich tatsächlich für Olympische Spiele qualifizieren, könnte das ein nicht unwesentlicher Faktor in der Karriere-Planung der alten ÖHB-Haudegen sein.

Der am Rande zur Sportlerpension stehende Viktor Szilagyi hatte schon anklingen lassen, dass Olympia einen Reiz auf ihn ausübt. In Rio stünde der Denker und Lenker kurz vor der Vollendung seines 38. Lebensjahres. Ähnliches gilt bei Vitas Ziura, der dann 37 wäre.

Andersherum könnte eine Niederlage am Sonntag gegen Katar bedeuten, dass die WM ihr letztes Großereignis im ÖHB-Dress war.

Johannesson weiß um die Besonderheit Partie. Der Isländer sagt zwar selbst von sich, dass er Druck-Situationen mag, seinen Schützlinge möchte er jedoch keinen zusätzlichen Rucksack aufbürden: „Auch wenn es das Achtelfinale ist, kann man deshalb nicht zu den Spielern ‚Du musst…‘ sagen. Jeder Trainer, der das machen würde, wäre kein guter Trainer.“

Die mentale Ausrichtung der Spieler sei deshalb positiv orientiert, wie etwa ein Gespräch mit Thomas Bauer belegt. „Es ist ein Spiel, um Geschichte zu schreiben“, meint der Tormann, der am Freitag seinen 29. Geburtstag feiert und gegen Katar sein 100. Länderspiel bestreitet.

Salzburgs Kicker als Daumendrücker

Obwohl in der 15.300 Zuschauer fassenden Lusail Multipurpose Hall die Hausherren – angefacht von den extra aus Spanien eingeflogenen 60 Stimmungsmachern – die Fan-Hoheit auf den Rängen haben werden, darf sich Österreich auf eine besondere Unterstützung freuen.

Die Kicker von Meister von Red Bull Salzburg, die sich gerade in Doha auf den Frühjahrsstart vorbereiten, haben ihr Kommen angekündigt.

Kurioses noch von Organisatorenseite: Um die Stimmung in den Hallen zu steigern, wurde dem polnischen Verband kurzfristig angeboten, dass 700 Fans auf Veranstalterkosten aus deren Heimat eingeflogen werden.

 

Aus Doha berichtet Reinhold Pühringer

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