Frisbee kann sich warm anziehen

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Österreichs Handball-Herren stehen in der K.o.-Phase einer Weltmeisterschaft. Das gab es noch nie.

Was aktuell Patrekur Johannesson und seine wackeren Mannen im sandigen Katar fabrizieren, fällt unter die Kategorie „österreichische Sportgeschichte“.

Das klingt nach Erfolg, Ausgelassenheit, vielleicht ein klein wenig Stolz, aber vor allem: Freude.

Blickt man in die Miene von Martin Hausleitner, Generalsekretär der heimischen Handballer-Zunft, bemerkt man davon aber nicht viel. Nach dem 38:26 am Mittwoch über den Iran ist zwar ein leichtes Lächeln auszumachen, doch von sporthistorischen Dimensionen ist dieses soweit weg wie Doha von Wien. Und das hat seinen Grund.

Gleich die nächste Marke

Auf die Frage, was der Achtelfinal-Einzug für den ÖHB bedeute, entkommt Hausleitner nur ein leichtes Achselzucken. Es sei nur ein Zwischenschritt, wie er meint, mehr nicht. Und von Euphorie wolle der Tullner schon gar nichts hören.

Die Kriterien machen es für die Handballer, die beispielsweise hinter Frisbee (32.) oder Curling (36.) liegen, äußerst schwierig unter die besten 25 zu kommen, die einen Bonus erhalten. Zum Vergleich: Die Qualifikation für die WM-Endrunde bringt dem ÖHB ebenso viele Punkte, wie ein österreichischer Tennis-Profi, der in der ersten Runde der Australian Open lediglich dabei ist, erhält. Alleine in Melbourne waren es gerade deren vier.

Insofern hat Hausleitner nicht Unrecht, wenn er sagt: „Für die Geschichtsbücher ist der Achtelfinal-Einzug ganz nett, mehr aber nicht.“ Aber vielleicht bietet sich in Doha ja noch die Gelegenheit für ein wenig mehr Euphorie.

Aus Doha berichtet Reinhold Pühringer

„Heute ist kein Tag zum Feiern“, rückt er mit Verweis auf das bevorstehende Spiel am Freitag gegen Mazedonien zunächst einmal den sportlichen Aspekt in den Vordergrund. Ein Sieg im abschließenden Gruppenmatch würde Rang zwei in Pool B und einen zumindest von der Papierform her leichteren Achtelfinalgegner bringen.

„Wenn wir uns heute freuen, dann fliegen wir sicher im Achtelfinale raus“, scheint es, als ob der Funktionär den Spielern keinen Spannungsabfall vorleben möchte. Schließlich soll nach Erreichen der einen Bestmarke gleich die nächste fallen.

Ein Seitenhieb

So weit, so gut, so weit, so ehrlich. Doch Hausleitner wäre wohl nicht Hausleitner, wenn er dem Ganzen nicht noch eine etwas andere Note mit auf den Weg geben würde.

„Warum sollte sich der Verband freuen, wenn wir unter den besten 16 der Welt sind? Das bringt dem ÖHB nichts. Das österreichische Fördersystem ist schließlich so aufgebaut, dass nur ein Platz unter den besten Acht etwas zählt“, lanciert er einen Seitenhieb in Richtung des vom Bundessport-Förderungsfonds (BSFF) erstellten Verbandsrankings (Hier geht's zum Ranking).

Die Erfolgskriterien dieses neu installierten Gremiums wiesen den ÖHB nur an 37. Stelle unter den 60 österreichischen Fachverbänden aus. Ein Schlag ins Gesicht für den unter den Mannschaftssportarten als Vorzeige-Modell geltenden ÖHB, der damit zehn Prozent der Grundförderung verliert.

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