“Unsauberes” bei Katar-Sieg

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Gastgeber Katar steht im WM-Halbfinale

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Nach Österreich hat Katar bei der Handball-WM nun auch Deutschland ausgeschaltet.

Der Gastgeber bahnt sich mit einem 26:24-Erfolg den Weg in das Halbfinale, in dem am Freitag Polen, das 24:22 gegen Kroatien gewinnt, wartet.

Auch wenn die von Dagur Sigurdsson betreute Truppe nicht ihren besten Tag erwischte, hagelte es nach der Schlusssirene erneut Vorwürfe bezüglich einer Bevorzugung Katars durch die Schiedsrichter.

Einer, der stets kein Blatt vor dem Mund nimmt, ist Silvio Heinevetter. “Wir haben nicht unser bestes Spiel gemacht. Aber wir konnten einfach nicht gewinnen. Das weiß jeder. Wir sind hier nur Gäste…”, so der Goalie, der nach seiner Einwechslung mit elf gehaltenen Würfen (41 Prozent) glänzte.

Fehlerhafte Deutsche

In einer fast vollen Lusail-Halle begann die DHB-Sieben nervös. Fünf Fehlversuche in den ersten zehn Minuten spielten den Gastgebern in die Karten, die zwischenzeitlich auf 16:9 davonzogen. “Wir haben ungewöhnlich viele Fehler produziert. Mehr als in den Spielen zuvor”, räumte Aufbauspieler Martin Strobel ein.

Bei Katar war insbesondere Kreisläufer Borja Vidal, der vier Tore erzielte, in den ersten 30 Minuten nicht zu halten. Deutschland fing sich und konnte bis zur Pause auf 14:18 verkürzen. Nach dem Seitenwechsel gaben die vom achtfachen Torschützen Rafael Capote und von einem überragenden Danijel Saric im Tor angeführten Katari die Führung jedoch nicht mehr aus der Hand.

“Wir haben leider auch einige Chancen ungenützt gelassen”, spricht Steffen Weinhold eine Handvoll ausgelassener Sitzer in der Schlussphase an.

“Unsaubere Arbeit”

“Wir sind alle sehr traurig, dass der Traum nicht weitergeht”, fasste DHB-Funktionär Bob Hanning die Stimmung in der Kabine zusammen. Auch aus Sicht des Füchse-Geschäftsführers wurden die eigenen Chancen zu wenig konsequent genützt.

Während sich Teamchef (“Wie immer kein Kommentar zu den Schiedsrichtern.”) sowie das Gros der Spieler mit Aussagen über die Refs zurückhielten, wollte Hanning sehr wohl sein Unverständnis zum Ausdruck.

“Wir müssen am Kreis offenbar etwas unsauber gespielt haben, weil sonst hätten wir nicht so viele Offensiv-Fouls bekommen”, sprach er in selbstkritischer Form eine bereits aus dem Achtelfinale gegen Österreich bekannte Auffälligkeit an.

Bei der Regelauslegung habe Kreisläufer Patrick Wiencek laut Hanning gar keine Chance gehabt, einen Rhythmus zu finden. “Für uns gilt es jetzt erst einmal, Spieler wie ihn aufzubauen. Drei bis vier Stürmerfouls musst du erst einmal verdauen.”

Titelchancen werden reeller

Patrekur Johannessons süffisante Aussage nach dem Achtelfinale, wonach Katar für ihn Favorit auf den Weltmeistertitel wäre, gewinnt somit weiter an Bedeutung.

“Ich traue Katar alles zu. So kann man das schon sagen”, meinte Hanning. Ein nach dem Match etwas kurz angebundener Sigurdsson wollte nicht näher auf das Statement seines isländischen Landsmannes eingehen, sagte lediglich: “Jetzt sind sie soweit, dass sie gegen jeden gewinnen können.”

Für Deutschland geht es in den Platzierungsspielen noch um die Teilnahme an den Olympia-Qualiturnieren.

Nächster Gegner Polen

Katar trifft im Halbfinale nun auf Polen, das sich gegen Kroatien überraschend mit 24:22 durchsetzt.

Spanien und Frankreich komplettieren die Runde der besten Vier.

Titelverteidiger Spanien fixiert den Semifinal-Einzug in einer bis zum Schluss knappen Partie gegen Dänemark erst mit der letzten Aktion. Canellas besorgt das entscheidende 25:24.

Weniger Mühe hat dagegen Olympiasieger Frankreich, das sich gegen Slowenien mit 32:23 durchsetzt.

Aus Doha berichtet Reinhold Pühringer

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