Zwischen Anspruch und Realität

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DHB-Team wird dem Ruf nicht gerecht

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Deutschland ist eine Handball-Nation. Das behaupten zumindest unsere Nachbarn von sich selbst.

Ein Blick auf die Liga, die wohl die beste der Welt ist, bestätigt das.

Mannschaften wie der THW Kiel, aber auch Flensburg, die Rhein-Neckar Löwen oder der HSV haben in den letzten Jahren bewiesen, dass sie nicht nur national, sondern auch auf internationalem Parkett, das Maß aller Dinge sind.

Nationalmannschaft als „Sorgenkind“

Handball boomt nach wie vor in Deutschland. Spätestens seit dem Weltmeistertitel im eigenen Land 2007 ist der Deutsche Handball-Fan und der Sport hat in den letzten Jahren kaum von seiner Popularität eingebüßt. Die Hallen sind weiterhin voll, die Medienpräsenz ist groß und ein jeder Handballer, vielleicht mit Ausnahme der Spanier, träumt davon, in der HBL zu spielen.

Deutschland ist also definitiv eine Handball-Nation. Doch die Nationalmannschaft hinkt seit Jahren den Erwartungen, die diese Reputation mit sich bringt, hinterher.

Seit Jahren klafft die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Seit dem Weltmeistertitel geht die Entwicklung der DHB-Auswahl in die falsche Richtung. Spieler-Persönlichkeiten wie Markus Bauer, Christian Schwarzer, Thorsten Jansen oder auch Florian Kehrmann konnten nach ihren Rücktritten nicht ersetzt werden.

Heuberger braucht mehr Charisma

Ebensowenig wie Mr. Handball Heiner Brand. Der ehemalige Bundestrainer hinterließ ein schweres Erbe, Nachfolger Martin Heuberger fehlt es vor allem an Charisma. Die fachliche Kompetenz wird dem Baden-Württemberger von allen Seiten bestätigt, an seinem Auftreten scheiden sich jedoch die Geister.

„Er muss es eben rüberbringen und die Mannschaft auch mal an den Eiern packen, wenn es schwierig wird. Er muss laut werden und noch mehr Profil entwickeln“, fordert Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar gegenüber SPORT1.

Die Qualitäten von Christophersen sind gefragt

Leistungsträger fallen aus

Diese Chance hat der introvertierte Bundestrainer bereits am 12. Jänner, wenn die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Spanien im Auftaktspiel Brasilien gegenübersteht.

Die Voraussetzungen für die Rehabilitierung des guten Rufs der deutschen Auswahl sind aber nicht die besten.  Leistungsträger wie Uwe Gensheimer, Holger Glandorf oder Lars Kaufmann fallen aus, Debütanten müssen in die Bresche springen.

Außerdem muss Talenten wie Sven-Sören Christophersen von den Füchsen Berlin endlich der große Wurf gelingen. Bei den Hauptstädtern in der Liga und auch international eine feste Größe, lässt er in der Nationalmannschaft noch einiges vermissen. Die erste Option Heubergers auf der Königsposition muss Verantwortung übernehmen und aus dem Schatten treten.

Das alte Lied vom Kollektiv

Ansonsten werden sich die Deutschen auf ihre Torhüter und das Kollektiv verlassen müssen. Aber auch diese Parole ist im Lager des DHB-Teams nichts Neues. Seit Jahren fehlen die überragenden Einzelkönner und vor allem die Kreativität im Angriff. Die Mehrheit der deutschen Nationalspieler sind brave und solide Handball-Arbeiter, überraschende oder gar geniale Moment sind eher selten.

In einen Rausch spielen

Zumindest die Auslosung bei der WM in Spanien hat es mit der DHB-Mannschaft gut gemeint. Dem Auftakt gegen Brasilien folgt das Spiel gegen Tunesien. Beide Gegner sollten für die Heuberger-Truppe kein großes Hindernis darstellen. Auch das dritte Gruppenspiel gegen Argentinien fällt in die Kategorie Pflichtsieg.

In diesen drei Spielen kann sich die Mannschaft an das Turnier und die Debütanten an das internationale Parkett gewöhnen. In dieser Phase muss eine Dynamik und ein Hunger entstehen, um in den weiteren und entscheidenden Spielen gegen Montenegro und Frankreich bestehen zu können.

Sollte es den Deutschen gelingen, sich während dieser Anfangsphase zu finden und den Teamgeist heraufzubeschwören, auf den die Handball-Nation hofft, so könnte man den Abwärtstrend der letzten Turniere eventuell stoppen.

Der ganz große Wurf wird dieser Mannschaft aber wohl verwehrt bleiben. Mit einem guten Ergebnis könnte man die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit aber wieder ein wenig kleiner werden lassen, um dem Ruf der Handball-Nation auch mit der Nationalmannschaft wieder etwas mehr gerecht zu werden.

Sebastian Rauch

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