Die Erben des Viktor Szilagyi

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Eine neue Ära hat begonnen.

Eine Floskel, die im Sport-Journalismus gerne dann zum Einsatz kommt, wenn ein neuer Trainer seine Arbeit aufnimmt.

Bei der österreichischen Handball-Nationalmannschaft saß beim 27:24-Auftaktsieg in der WM-Qualifikation über Rumänien mit Patrekur Johannesson zwar der gleiche Teamchef wie schon die letzten vier Jahre auf der Bank, die Floskel hatte dennoch Gültigkeit.

„Es hat sich wie ein erstes Länderspiel angefühlt“, konnte sich der Isländer selbst diesen Eindrucks nicht erwehren.

Es war nämlich reichlich ungewohnt, wie sich die ÖHB-Sieben in der Südstadt präsentierte. Ungewohnt weniger im Hinblick auf die Leistung, sondern vielmehr in puncto Namen und Spiel-Anlage.

Der schon so oft angekündigte Umbruch. Nun ist er da.

Neue Gesichter

Vytas Ziura, Roland Schlinger, Max Wagesreiter. Alles alte ÖHB-Haudegen, die am Mittwoch ebenfalls in der Südstadt waren. Jedoch nur als Zuseher wohl gemerkt. Sie schauten ihren Nachfolgern auf die Beine, respektive Hände.

Was sie da zu sehen bekamen, war kurz gesagt: neu.

Gerald Zeiner und Nikola Bilyk über weite Strecken gemeinsam im Rückraum, dazu ein sehr wurfsicherer Sebastian Frimmel auf dem linken Flügel sowie Tobias Wagner und Wilhelm Jelinek, die sich die Spielzeit am Kreis aufteilten.

Das routinierte und einmal mehr starke Torhüter-Gespann Nikola Marinovic und Thomas Bauer einmal ausgeklammert, bestand die ÖHB-Truppe auf dem Court oft zur Hälfte aus ehemaligen Spielern des 94er-Teams. Die Zukunft hat begonnen.

Auch, was das Spielsystem betrifft: Eine offensive 3:2:1-Deckung der Österreicher nahm den Rumänen den Rhythmus im Aufbau.

Gruppe 2 # Tore Punkte
1. Italien
1 27:19 2
2. Österreich
1 27:24 2
3. Rumänien
1 24:27 0
4. Finnland
1 19:27 0

Duo kristallisiert sich heraus

„Ich will im kommenden Jahr sehen, welche Spieler wirklich wollen“, denkt Johannesson langfristig in Richtung der Heim-EM 2020, die Österreich gemeinsam mit Schweden und Norwegen austrägt. Im nächsten Jahr wolle er einen Stamm zusammen haben. Danach werde es für Neue wieder schwieriger, in den Kader zu kommen.

Eine der Kernfragen im Zuge des Umbaus ist freilich die Mitte-Position. Oder anders: Wer tritt in die Fußstapfen von Viktor Szilagyi?

Der 37-Jährige sagte verletzungsbedingt für das Rumänien-Spiel ab. Oft wird man Österreichs erfolgreichsten Handballer aller Zeiten, der alle europäischen Klub-Bewerbe gewonnen hat, im ÖHB-Trikot schätzungsweise aber ohnedies nicht mehr sehen, weshalb die Frage eine schlagende wird.

Gegen Rumänien wurde die Mitte-Position auf mehrere Schultern aufgeteilt. Nikola Bilyk und Gerald Zeiner mimten zu einem Löwenanteil diesen Part. Dazu noch Alex Hermann sowie Dominik Schmid, die als linker Rückraum reinrotierten.

„Viktor kann ein Spiel alleine entscheiden. Einen Spieler dieser Qualität haben wir momentan nicht, weshalb wir das nun im Kollektiv abfedern müssen“, meint Zeiner, den Johannesson viel Spielzeit auf der Mitte gab. Der Harder zahlte das Vertrauen zurück, bewies gute Übersicht.

Bilyk hatte zu Beginn indes leichte Schwierigkeiten, nahm einige erfolglose Würfe, wollte es manchmal förmlich erzwingen. Der 18-Jährige, der nächsten Sommer zum THW Kiel wechseln soll, gewann mit Fortdauer an Sicherheit und übernahm gerade in der Schlussphase, als Rumänien nach -8 noch einmal herankam, erfolgreich Verantwortung, antizipierte bei zwei Steals in der gegnerischen Hälfte gut.

Kein Nachteil

Zeiner und Bilyk scheinen bei der Besetzung der Mitte derzeit in der Gunst des Teamchefs weit vorne zu liegen. Generell ließ Johannesson aber viel rotieren, was mitunter freilich der intensiven Deckungs-Variante geschuldet war.

Aber egal, wer letztlich gegen Rumänien gerade auf dem Court stand, die ÖHB-Sieben ging in der Offensive hohes Tempo, schneller als etwa mit Szilagyi.

Das Gastspiel am Samstag (16 Uhr) in Finnland wird zeigen, ob sich diese Trends fortsetzen oder ob Johannesson aufgrund der Gegner-Charakteristik eine völlig andere taktische Marschroute ausgibt.

Aufgrund des Umbruchs scheint es jedenfalls nicht als Nachteil, die Qualifikation spielen zu müssen. Die EM-Teilnehmer steigen ja erst in den Playoff-Spielen ein. So bekommt Rot-Weiß-Rot in Pflichtspielen gegen schlagbare Gegner die Chance, sich zu finden.

„Im Zusammenspiel funktionieren einige Dinge schon ganz gut. Es ist aber noch viel Verbesserungs-Potenzial“, will Zeiner mit dieser jungen Mannschaft noch weiter wachsen. Auch Bilyk spricht von einer neuen Generation: „Gegen Rumänien hat es irre viel Spaß gemacht!“

Klingt, als könnte da etwas Großes entstehen. Eine neue Ära halt.

 

Reinhold Pühringer

 

Gruppe 2
4.11. Österreich - Rumänien 27:24
7.11. Finnland - Österreich -:-
6.1. Italien - Österreich -:-
9.1. Österreich - Italien -:-
14.1. Rumänien - Österreich -:-
17.1. Österreich - Finnland -:-
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