Mit neuem Selbstbewusstsein zum Auswärtssieg

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Wenn Österreichs Männer-Handballer am Donnerstag (17.00 Uhr/live ORF Sport +) in Visoko nördlich von Sarajevo das möglicherweise vorentscheidende EM-Qualifikationsspiel gegen Bosnien-Herzegowina bestreiten, ist die Truppe von Patrekur Johannesson Favorit. Das war nicht immer so, schon gar nicht auswärts.

Was Österreichs Fans und wohl auch den Gegner Anfang April besonders beeindruckte, war der 31:28-Heimsieg über Serbien sowie das 30:30-Auswärtsemis wenige Tage später.

"Mental sehr wichtig"

Ein klares Zeichen für die Reife des Teams, das sich auch in der hitzigen Atmosphäre beim Vize-Europameister nicht aus der Ruhe bringen ließ.

"Da war die Weiterentwicklung klar zu sehen", konstatierte Johannesson. "Das hat mich sehr gefreut. Denn zu Hause hat Österreich immer wieder gegen starke Gegner gewonnen, aber auswärts ... Es war mental sehr wichtig, zu zeigen, dass man das auch schaffen kann."

Sieben Legionäre

Verantwortlich für das neue Selbstbewusstsein ist auch die hohe Anzahl an Legionären, die in der ÖHB-Auswahl zu Werke geht. Sieben werden es am Donnerstag in Bosnien sein, in der kommenden Saison stehen insgesamt neun Spieler in Diensten von deutschen Clubs - und das ausschließlich in der höchsten Spielklasse.

Das ist ein absolutes Novum, war bisher doch stets ein Teil der Fremdarbeiter in der zweiten Bundesliga engagiert.

"Ein richtiger Schritt für junge Spieler. Es ist enorm wichtig, jede Woche ein absolutes Topspiel zu haben. Ich hoffe, dass noch mehr folgen", meinte Johannesson, dem dieser Umstand nicht zuletzt bei seinen taktischen Überlegenungen zupass kommt. Denn die Kaderdichte ist gestiegen. "Ich habe auf vielen Positionen einige Auswahl, nur am Kreis ist es etwas anders."

Legionärsbeschränkung trägt Früchte

Der 40-Jährige, der Ende 2011 sein Amt übernahm, ist zudem überzeugt, dass sich auch die Arbeit der heimischen Vereine verbessert hat. "Das ist hundertprozentig ein Grund."

Auch die freiwillige Legionärsbeschränkung in der Handball Liga Austria (HLA), die nun schon seit gut zehn Jahren gilt, habe positive Auswirkungen gezeitigt - wenngleich noch Luft nach oben sei.

„In Island spielt maximal ein Ausländer im Verein, und das sind das Topleute, von denen man viel lernen kann. Genau deswegen haben wir in Island mit dem Nationalteam in den vergangenen 15 Jahren Erfolg gehabt." Wer Legionäre kauft, müsse sich im Klaren sein, damit die Schlagkräftigkeit des Nationalteams zu untergraben. „Auch wenn das einige vielleicht nicht hören wollen.“

Aufschwung fortsetzen

Im Hinblick auf die nächsten Aufgaben - das Auswärtsspiel in Bosnien und der Quali-Abschluss am Sonntag in Innsbruck gegen Russland (19.15/live ORF Sport +) sieht die Lage für Johannesson aber gut aus

War die Qualifikation für die Heim-EM 2010 unter Johannessons Landsmann und nunmehrigen Berlin-Coach Dagur Sigurdsson noch ein Selbstläufer, so kam das Ticket für die WM 2011 schon als klares Zeichen für den Aufschwung der Auswahl, die davor zuletzt 1993 an einer WM-Endrunde teilgenommen hatte.

Im Vorjahr verpasste Rot-Weiß-Rot erst im Play-off gegen Mazedonien relativ knapp die WM-Quali, nun ist man drauf und dran, sich zur EM im kommenden Jänner in Dänemark zu schießen - zum ersten Mal wäre das ein Ticket für die kontinentale Endrunde aus eigener Kraft.

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