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"Ich will etwas gewinnen"

Österreichs Herren-Nationalteam hat einen neuen Teamchef und, wie könnte es anders sein,  schenkt der ÖHB weiterhin einem Nordländer das Vertrauen.

Nach Dagur Sigurdsson (ISL) und Magnus Andersson (SWE) übernimmt nun der Isländer Patrekur Johannesson als Übungsleiter die Geschicke beim Österreichischen Handballbund.

Johannesson, seines Zeichens ehemaliger isländischer Nationalspieler und Wegbegleiter des ehemaligen ÖHB-Coaches Dagur Sigurdssson, trainierte zuletzt den deutschen Zweitligisten TVE Ensdetten und verfügt als ehemaliger Bundesliga-Spieler über eine große Erfahrung.

"Wir haben in den letzten Jahren mit den Isländern, in personam Dagur Sigurdsson, sehr gute Erfahrungen gemacht und hoffen mit "Pati" den erfolgreichen Weg fortsetzen zu können“, präsentiert ÖHB-Präsident Gerhard Hofbauer den neuen starken Mann auf der Trainerbank des österreichischen Handballbundes.

Einer wie Dagur

In den einführenden Worten des Präsidenten schwingt deutlich mit, worauf man bei der Teamchefsuche besonders Wert gelegt hat.

Einen ausländischen Trainer mit entsprechender Erfahrung, der ähnliche Philosophien und Wesenszüge wie Sigurdsson hat und der deutschen Sprache mächtig ist.

Schon Andersson erfüllte eben dieses Anforderungsprofil, eine Komponente wurde damals aber außer Acht gelassen.

Andersson ist, im Gegensatz zu Sigurdsson, ein Trainer von ruhigem Schlag. Nur selten fährt der Schwede aus der Haut. Sigurdsson hingegen gilt als Temperamentbündel auf der Bank, der nicht zuletzt durch sein Motivationsgeschick die Mannschat anstacheln kann.

Johannesson (l.) war ein gefürchteter Abwehrspieler

Vergleiche sind ganz normal

Genau diese Fähigkeit, Spieler zu begeistern und ein gewisses Feuer in einer Mannschaft zu entfachen, sagt man auch Johannesson nach.

"Ich bin organisiert und weiß, was ich als Trainer will. Ich verlange viel von meinen Spielern und auch von mir selbst. Wer alles gibt, darf auch Fehler machen, auch ich bin nicht perfekt. Meine Spieler müssen hart arbeiten und alles für den Erfolg der Mannschaft geben. Wenn ein Spieler nicht das Maximale gibt, bin ich nicht zufrieden. Das ist ganz einfach“, beschreibt der Isländer seine Auffassung von Training.

Angst vor dem Vergleich mit Sigurdsson hat der passionierte Golfspieler keine:

"Mir ist zu 100 Prozent bewusst, dass ich mit ihm verglichen werde. Das ist ganz normal. Er hat lange bei Bregenz und als Nationaltrainer gute Arbeit geleistet. Ich habe meinen eigenen Stil und werde meinen eigenen Weg gehen, da habe ich keine Angst. Dagur ist mein Freund und ich sehe es als Vorteil, dass er so gut gearbeitet hat. Dadurch kann ich von ihm wichtige Informationen bekommen.“

Zielsetzung klar formuliert

Präsident Hofbauer gibt zu, dass die Freundschaft zu Sigurdsson ein Kriterium für die Auswahl des neuen Teamchefs war.

"Dagur hat uns über "Pati" informiert und es hat unterbewusst unsere Entscheidung bestimmt beeinflusst, da ich der Meinung bin, dass Dagur seinen Wissensstand das ÖHB-Team betreffend auch vorbehaltlos an Patti weitergibt. Das kann nur positiv sein.“

Zielsetzung für den Neuen auf der ÖHB-Kommandobrücke ist zunächst die erfolgreiche Vorqualifikation für die WM 2013 in Spanien, in der das Team um Kapitän Viktor Szilagyi im Jänner auf Israel und Großbritannien trifft.

"Es ist meine Aufgabe eine Mannschaft zu formen, die intakt ist. Ergebnistechnisch muss im Januar gewonnen werden und das ist auch realistisch. Mein langfristiges Traumziel ist es, etwas zu gewinnen“, will Johannesson auf Dauer auch einen Titel in seinen Händen halten.

ÖHB-Generalsekretär Martin Hausleitner ergänzt den Aufgabenbereich des Isländers noch um eine weitere Komponente.

"Es gilt eine Mannschaft zu entwickeln, die konkurrenzfähig ist. Der Kader hat einen Altersschnitt erreicht , wo man langsam einen Schnitt machen muss und wir wollen in der Breite besser aufgestellt sein. Junge Spieler sollen an das Niveau herangeführt und integriert werden.“

Ein System, das zu den Spielern passt

Um zu verhindern, dass Johannesson, bei entsprechendem Erfolg von einem Klub angeworben wird, hat der ÖHB in seinem Zweijahresvertrag festgelegt, dass der Isländer keine Doppelfunktion ausüben darf.

Erstmals trifft der neue Teamtrainer Mitte September im Rahmen eines Trainingslehrgangs mit seinen neuen Schützlingen zusammen.

Dort kann sich der ehemalige Nationalspieler ein Bild von seinen Spieler machen, um in weiterer Folge seine künftige Marschroute festlegen zu können.

„Jeder Trainer will mit einer stabilen Abwehr schnell nach vorne spielen. Aber ich sehe das anders: ich möchte mir zuerst einen Überblick verschaffen, was für Spielermaterial ich zur Verfügung habe und dann muss ich ein System finden, das zu meinen Spielern passt“, will sich der ehemalige Bundesliga-Profi taktisch natürlich noch nicht festlegen.

Dennoch fügt er hinzu:

„Ich erwarte, dass meine Spieler in der Defensive an die Grenzen gehen und sehr hart spielen. Die Abwehr ist das wichtigste und da gewinnt man die Spiele.“

Und das ist bekanntlich das, woran ein Trainer gemessen wird.

Sebastian Rauch

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