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Magnus Andersson nicht mehr ÖHB-Coach

Die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern, nun ist es Gewissheit:

Magnus Andersson ist nicht mehr Trainer der Österreichischen Handball-Nationalmannschaft.

Der Schwede und der ÖHB trennen sich nach der verpassten EM-Qualifikation einvernehmlich.

"Wir möchten in die Zukunft investieren und einen Teamchef, der mit jungen Talenten das ganze Jahr über in Österreich arbeitet, engagieren", so Verbands-Präsident Gerhard Hofbauer.

Andersson hatte das Amt im Sommer 2010 von Dagur Sigurdsson übernommen, konnte die erfolgreiche Arbeit des Isländers (Platz neun bei der Heim-EM) aber nicht weiterführen.

Zwei starken Spielen kurz nach Amtsantritt gegen Deutschland (26:26) und Island (28:23) folgte eine ernüchternde Weltmeisterschaft in Schweden, wo das ÖHB-Team nur den 18. Platz belegte.

"Andersson hat Glauben verloren“

Vor allem die Art und Weise, wie die Nationalmannschaft in Skandinavien auftrat, hatte damals die ersten Kritiker auf den Plan gerufen. Andersson konnte den Spielern seine Philosophie des Handballs nicht vermitteln, die ÖHB-Sieben wirkte oft kopf- und ideenlos.

Der 45-jährige ehemalige Weltklassespieler, der ursprünglich Vertrag bis 2013 gehabt hätte, wirkte auf der ÖHB-Bank des öfteren überfordert und ließ nur selten eine klare taktische Linie erkennen.

"Ich hatte das Gefühl, dass er irgendwann emotional nicht mehr dabei war. Er ist ein fantastischer Handballer, aber es wirkte, als ob er den Glauben verloren hat“, analysiert der ehemalige ÖHB-Teamchef Roland Marouschek die Amtszeit des Schweden.

"Fehler liegt bei den Spielern“

Der Negativ-Trend der WM setze sich nämlich in der EM-Qualifikation fort und fand seinen Höhepunkt in der 29:44-Niederlage auf Island, die neben einem sportlichen Debakel auch die verpasste EM-Qualifikation mit sich brachte.

Nun hat der ÖHB die Reißleine gezogen und die Zusammenarbeit mit Andersson vorzeitig beendet.

Eine Tatsache, die ÖHB-Kapitän Viktor Szilagyi bedauert.

"Es ist immer eine komische Situation, denn wir Spieler sind mitverantwortlich und für die Mannschaft ist es immer ein Armutszeugnis, wenn es mit dem Trainer nicht klappt. Eine sehr traurige Situation, aber man muss damit umgehen können und versuchen, das Beste für den österreichischen Handball zu tun.“

Der Flensburg-Legionär war von den Fähigkeiten des ehemaligen Weltklasse-Spielers überzeugt und sieht den Fehler eher bei den Spielern, als beim Trainer.

"Ich glaube, dass es von den Spielern ausging, die für seine Ideen nicht offen waren. Vom taktischen Verständnis und seinem Wissen über diesen Sport gibt es wenig Bessere. Er ist ein Trainer, der uns sehr gut eingestellt hat. Ob er die richtigen Worte in den entscheidenden Situationen gefunden hat, ist im Nachhinein schwer zu beantworten“, so der Kapitän des ÖHB-Teams.

Chemie hat gestimmt

Auch sein Mannschaftskollege Konrad Wilczynski sieht die Verfehlungen nicht bei Andersson sondern in erster Linie bei den Akteuren selbst.

"Im Endeffekt haben wir Spieler die Leistung nicht gebracht. So ist es halt im Sport, denn die ganze Mannschaft kann man nicht austauschen. Dann trifft es halt den Trainer. Mir persönlich tut es sehr leid, weil es eine schöne und teilweise erfolgreiche Zeit mit Magnus Andersson war.“

Für den Neo-West-Wiener war die Kombination Andersson und ÖHB-Team eigentlich eine gute.

"Die Chemie hat unglaublich gestimmt, nur konnten wir seine taktischen Forderungen nicht umsetzen. Da müssen wir Spieler uns selbstkritisch hinterfragen. Er hat viel auf sich genommen und hatte keine leichte Zeit. Wir haben immerhin in der EM-Qualifikation sieben Punkte erreicht, was uns im Vorfeld sicher niemand zugetraut hätte. Man muss die Kirche im Dorf lassen und darf nicht alles schlecht reden. Er hat dem Team schon auch seinen Stempel aufgedrückt.“

Wer folgt Andersson nach?

Nun geht die Suche nach einem Nachfolger los, wobei sich der ÖHB genügend Zeit nehmen will, um den richtigen Mann zu finden.

Ex-Teamchef Marouschek hat eine genaue Vorstellung wie der neue Chef auf der ÖHB-Kommandobrücke aussehen muss.

"Was wir nun brauchen, ist jemand, der langfristig arbeiten möchte und sich in diese Mannschaft verliebt. Man muss dieses Team im Herzen tragen und über Jahre entwickeln und sich emotional in die Spieler hineindenken wollen. Es müsste jemand sein, der handballerisch und menschlich qualifiziert ist und sich die Zeit nimmt, mit dem Team zu arbeiten.“

Die fehlende Zeit ist für Marouschek ein wichtiger Faktor, wenn man die Arbeit von Magnus Andersson beim ÖHB bewertet.

"Ich denke Magnus hatte nie die Zeit, die Spieler so kennenzulernen, um zu wissen, wer in gewissen Situationen der richtige Mann ist. Korrekte Coaching-Entscheidungen trifft man im Bauch, dazu muss man die Spieler sehr gut kennen. Das läuft nicht im Kopf ab, sondern ist sehr viel Instinkt.“

Ziel ist die EM 2014

Nun gilt es einen neuen Mann zu finden, der Österreich wieder zurück auf die Erfolgsspur bringt.

Als Ziel für die kommenden Jahre wird die Qualifikation für die Europameisterschaft 2014 ausgegeben.

"Die Belohnung für die Leistung, welche wir in den letzten zwei Jahren erbracht haben, kommt mit der nächsten EM-Qualifikation, wo wir dann in Topf zwei sind und eine realistische Chance besteht, sich für die EM 2014 zu qualifizieren. Bis dahin müssen wir wieder eine voll funktions- und international wettkampffähige Mannschaft stellen können.“

Die Suche nach dem Mann, der dies bewerkstelligen kann, hat mit dem heutigen Tag begonnen.

Sebastian Rauch

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