Ein historisches "Zerwürfnis"

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Historischer Doppelsieg steht bevor

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Das gab es noch nie.

Mit Robert Weber und Raul Santos werden am Freitag erstmals zwei Österreicher die Torschützenliste in der deutschen Handball-Bundesliga, die gemeinhin als stärkste weltweit gilt, für sich entscheiden.

Die Flügelzange des rot-weiß-roten Nationalteams liegt einen Spieltag vor dem Ende mit einem beruhigenden Polster auf die Verfolger auf den ersten beiden Plätzen.

Geht es mit normalen Dingen zu, wird sich Weber die Krone vor Santos sichern. Der Links-Händer führt mit 268 Toren souverän vor seinem Pendant (245). Der erste nicht-österreichische Verfolger hat mit Ole Rahmel (224) bereits einen Respektsabstand.

Damit wird Weber nach Konrad Wilczynski (2008/237 Tore) erst der zweite Österreicher, dem dieses Kunststück gelingt. Praktisch selbstredend, dass es vor sieben Jahren keinen ÖHB-Doppelsieg gab.

Im dritten Anlauf

In Deutschland zählt Weber seit Jahren zu den Scharfschützen der Liga. In mittlerweile sechs Spielzeiten im Trikot des SC Magdeburg brachte es der Vorarlberger stets auf über 100 Tore. 2011 und 2014 schrammte er mit jeweils 242 Volltreffern knapp am Gewinn der Torjäger-Krone vorbei. Heuer klappt es endlich.

Im Schnitt traf der 29-Jährige heuer 7,66 Mal pro Partie. Seine Wurf-Quote von knapp über 80 Prozent versetzt auch ÖHB-Teamchef Patti Johannesson ins Staunen. „Dass die zwei heuer so viele Tore geschossen haben, ist einfach super! Ich als Trainer schaue aber immer sehr genau auf die Quote – und die ist bei beiden sehr beachtlich (Santos hat 75,4%; Anm.)“, so der Isländer.

Bei der WM in Katar hatte das Duo jeweils eine Partie dabei, in welcher es für einen nicht nach Wunsch lief. Johannesson: „Ich habe die WM noch einmal genau durchanalysiert. Im Endeffekt bin ich aber auch dort zu dem Schluss gekommen, dass die beiden auf den Außenpositionen absolute Topklasse sind.“

Ein Wermutstropfen

Webers Tore haben zum Magdeburger Höhenflug in dieser Saison erheblich beigetragen. Der Traditions-Klub aus Sachsen-Anhalt wird die Spielzeit auf dem für ihn guten vierten Tabellenplatz beenden.

Torschützenliste Verein Tore
<span style=\'color: #ff0000;\'>1. Robert Weber Magdeburg 268
<span style=\'color: #ff0000;\'>2. Raul Santos Gummersbach 245
  1. Ole Rahmel
Erlangen 224
  1. Marcel Schiller
Göppingen 211
  1. Uwe Gensheimer
RN Löwen 206

Veredelt hätte die Saison mit dem Pokal-Sieg werden können. Allerdings unterlag Magdeburg erst im Finale Flensburg-Handewitt denkbar knapp mit 31:32. Ausgerechnet da hatte der ansonsten so sichere Weber den entscheidenden Siebenmeter nicht verwerten können.

Etwas, das ihn heute noch sehr wurmt, wie er jüngst gegenüber der „Sportwoche“ zugab: „Das tut immer noch weh.“

Körperlichen Sprung gemacht

Santos stellte in seiner zweiten vollen Saison in Deutschland unter Beweis, dass er auch dieser Bühne seinen Stempel aufdrücken kann.

Gummersbach steht mitunter dank der vielen Tore des 23-Jährigen, der mit bislang 36 Steals zu den Besten der Liga gehört, auf einem Platz im oberen Mittelfeld.

„Bei Raul merkt man vor allem, welche Entwicklung er im physischen Bereich seit seinem Wechsel gemacht hat“, lobt Johannesson den wieselflinken Rechtshänder, der sich beim Traditionsklub sehr wohl fühlt. Mitte der Saison hatte er seinen Vertrag beim VfL vorzeitig um zwei weitere Jahre verlängert. „Die Größe der Stadt passt sehr gut“, meint Santos. Im Vergleich zu Leoben, wo er aufgewachsen ist, sieht er die 50.000-Seelen-Stadt im Oberbergischen auch von der Größe her als den „nächsten Schritt“.

Szilagyi und Marinovic fehlen

Geht es nach Johannesson, soll das Duo seine Tor-Gefahr auch in der Schlussphase der Qualifikation für die EM-Endrunde 2016 in Polen einmal mehr unter Beweis stellen. Dort kämpft die ÖHB-Auswahl vor den beiden finalen Matches gegen Spanien (am Mittwoch in Innsbruck) und Deutschland (am 14. Juni in Kiel) noch um eine verbliebene Rest-Chance.

Selbst zwei Siege könnten dem rot-weiß-roten Dritten der Gruppe 7 nicht reichen, sich noch unter die besten Zwei zu schieben. Kleiner Hoffnungsschimmer: Auch der beste Drittplatzierte darf nach Polen.

Ein schwieriges Unterfangen, zumal Österreich mit Nikola Marinovic und Viktor Szilagyi auf zwei Stützen verletzungsbedingt verzichten muss.

Gruppe 7 Spiele Punkte
  1. Spanien
5 8
  1. Deutschland
5 8
<span style=\'color: #ff0000;\'>3. Österreich 5 4
  1. Finnland
5 0

Ein Großer tritt ab

Bevor die gefährlichste Flügelzange der Welt aber im Kopf auf Nationalteam-Modus umschalten kann – am Sonntag stoßen sie in Innsbruck zum Rest der Mannschaft – heißt es noch ein letztes Mal volle Konzentration in der Liga.

Magdeburg empfängt am Freitag um 20 Uhr die zweitplatzierten Rhein-Neckar Löwen und Gummersbach muss zeitgleich nach Hamburg.

Dann geht auch eine der größten Karrieren im internationalen Handball zu Ende: Kroatiens Altstar Ivano Balic zieht mit dem Heimspiel Wetzlars gegen Göppingen einen Schlussstrich. „Man muss wissen, wann es Zeit ist, zu gehen. Mein Körper schmerzt überall, und ich habe gemeinsam mit meiner Familie und meinen Freunden lange gesprochen. Danach stand mein Entschluss fest, aufzuhören“, meint der 36-Jährige, der in 198 Länderspielen unter anderem Olympia-Gold und den Weltmeister-Titel holte.

In den vergangenen beiden Partien musste der zweifache Welthandballer wegen Rückenproblemen passen, doch gegen Göppingen will er auf alle Fälle auflaufen: „Es ist das letzte Spiel meiner Karriere, da muss ich dabei sein.“

Reinhold Pühringer

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