Die Rückkehr eines Idols

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"Verhältnis zu Bregenz wurde distanzierter"

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Am Samstag startet die Handball Liga Austria in die neue Saison und die oberste Spielklasse erstrahlt in neuem Glanz.

Zahlreiche Veränderungen sind vorgenommen worden. Neben einem neuen Präsidenten und einem neuen Geschäftsführer gibt es ein Live-Stream-Angebot und mit St. Pölten auch einen neuen Klub in der Liga.

Außerdem haben einige neue Spieler den Weg in die heimische Liga gefunden, allen voran Nationalspieler Roland Schlinger. Der 31-Jährige kehrt nach vier Jahren in Diensten von Balingen aus der deutschen Bundesliga zurück und soll dem HC Hard dabei helfen, den Titel zum vierten Mal en suite an den Bodensee zu holen.

Wichtiges Gesicht für die Liga

Der „Bomber der Nation“ ist der Star der HLA und nach den Rücktritten ehemaliger Aushängeschilder wie Patrick Fölser, Faxe Lint, Christoph Edelmüller oder Conny Wilczynski braucht die Liga solche Protagonisten mehr denn je.

Mit dem amtierenden Meister hat sich der gebürtige Wiener, der bereits in Diensten von Bregenz sechs Meistertitel feiern konnte, hohe Ziele gesetzt und möchte seinen Teil zum Erfolg der „Roten Teufel“ beitragen.

Im Gespräch mit LAOLA1 erklärt er, warum seine Wahl auf Hard und nicht auf Bregenz gefallen ist. Wie er seine Rolle im Harder System sieht und warum er die Bundesliga verlassen hat.

LAOLA1: Du bist nach vier Jahren in Deutschland zurück in Österreich. Wie ist der Kontakt zu Hard entstanden?

Schlinger: Ich hatte noch ein Jahr Vertrag in Balingen und wollte eigentlich noch nicht zurück nach Österreich. Doch die Situation im Verein war keine leichte, da wir nicht wussten, ob wir den Klassenerhalt schaffen würden. Bei einem Abstieg, hätte ich keinen gültigen Vertrag mehr gehabt. Bis Mai wusste ich nicht, was ich machen soll. Aber Hard hat sich seit Februar um mich bemüht und Trainer Markus Burger hat mich sogar in Balingen besucht. Sie haben nicht locker gelassen und so wurde es immer realistischer. Dann habe ich im Mai die Entscheidung getroffen und bin heilfroh, denn das passt sehr gut für mich. Das Konzept in Hard hat mich überzeugt. Vom Trainer angefangen über die Vereinsführung bis hin zur Mannschaft und den Fans passt einfach alles.

LAOLA1: Die Erwartungen in deine Person sind groß. Jeder glaubt, du wirst die Liga zerschießen. Wie siehst du das?

Schlinger: Druck ist natürlich da. Anders würde ich es aber gar nicht haben wollen. Ich habe nicht den Druck, die Liga zu zerschießen, sondern will die Mannschaft stärker machen, und dafür muss ich meine Leistung bringen. Die Rolle des Shooters ist seit längerem schon nicht mehr so meine. Ich lege viel mehr Wert auf das gesamte Spiel. Ich möchte auch in der Defensive eine wichtige Rolle einnehmen, um mit meiner Leistung das Niveau der Mannschaft eine Stufe höher zu heben.

LAOLA1: Balingen ist sportlich abgestiegen, damit warst du vertragsfrei. Doch durch die finanziellen Probleme des HSV haben sie nun doch den Klassenerhalt geschafft. Sind dadurch noch Probleme entstanden bzw. finanzielle Forderungen an Hard eingegangen?

Schlinger: Ich hab Anfang Mai die Entscheidung getroffen und dem Verein gesagt, ich möchte den Vertrag auflösen, egal ob Balingen doch in der ersten Liga bleibt oder nicht. Sie haben damals eingewilligt, dadurch war ich ablösefrei.

LAOLA1: Mit Hard hast du dich für das beste Team der letzten Jahre entschieden. Wie ist dein Eindruck von der Mannschaft und wie war die Vorbereitung?

Schlinger: Der Kader ist stark und für österreichische Verhältnisse sehr tief besetzt. In der Vorbereitung hatten wir mit vielen Verletzungen zu kämpfen und uns sind teilweise bis zu zehn Spieler ausgefallen. Bei Turnieren sind wir teilweise mit einer U21-Mannschaft angetreten. Nach und nach sind die Leute wieder zurückgekommen, aber das Zusammenspiel ist noch nicht annähernd so, wie es sein sollte. Das macht das Ganze schwierig und bereitet uns Kopfzerbrechen im Bezug auf die Champions-League-Qualifikation. Wir müssen die kommenden Spiele über den Kampf gewinnen, denn sportlich dürfen wir uns nicht allzuviel erwarten. Wir müssen die ersten Meisterschaftsspiele noch nützen, um uns zu finden.

LAOLA1: Im letzten Jahr hast du noch in Kiel, Hamburg oder bei den Rhein-Neckar Löwen gespielt. Jetzt sind die Hallen um einiges kleiner und die Zuschauer viel weniger. Ist es da nicht schwer, sich voll zu motivieren und das Letzte aus sich rauszuholen?

Schlinger: Ich war vier Jahre weg, aber ich weiß schon noch wie es in der HLA ist. Ich war ja nicht zwölf Jahre im Ausland. Der Zuschauer-Andrang ist natürlich ein anderer als in Deutschland, aber ich habe keine Probleme, mich zu motivieren, denn ich will einfach jedes Spiel gewinnen. Ich komme von einer Mannschaft, die in Deutschland viel mehr verloren als gewonnen hat und das will ich einfach nicht mehr. Ich fühle mich wohl, dass wir in der Favoritenrolle sind und ich will alles gewinnen, was es zu gewinnen gibt.

LAOLA1: Du hast sieben Jahre in Bregenz gespielt und hast fast Legendenstatus in der Landeshauptstadt. Dennoch hast du beim Lokalrivalen Hard unterschrieben. Wie ist das zu vereinbaren?

Schlinger: Am Anfang und all die letzten Jahre war es schwer vorstellbar, nach Hard zu gehen, denn ich war sieben Jahre in Bregenz und quasi ein Ur-Bregenzer. Sechs Meistertitel, es war die goldene Zeit von Bregenz und ich mittendrin. Durch verschiedene Dinge ist das Verhältnis zu Bregenz aber distanzierter geworden. Ich denke trotzdem extrem gerne zurück, aber der Wechsel zu Hard ist die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

LAOLA1: Was erwartest du von deiner Rückkehr in die Sporthalle Rieden, wenn du am 19. September erstmals in Rot gegen die Schwarz-Gelben aufläufst?

Schlinger: Das erste Derby wird interessant und spannend. Ich würde lügen, wenn ich sage, es geht mir am A… vorbei. Es wird sich danach aber auch wieder einpendeln, doch das erste Spiel in Bregenz ist sicher etwas ganz Besonderes. Ich freue mich drauf.

Das Interview führte Sebastian Rauch

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