"Wie der Junge, der ständig Wolf schreit"

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Am Freitag kämpfen die Fivers in Hard um den zweiten Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Das erste Duell der „Best-of-Three“-Serie wurde in Hard zwar mit 25:28 verloren, das Heimspiel in der Hollgasse allerdings mit 27:25 gewonnen.

Somit kommt es nun zum finalen Showdown zwischen den beiden Kontrahenten. Der Sieger der Partie am Freitag darf sich österreichischer Meister 2013/14 nennen.

Die beiden bisherigen zwei Partien haben einige Diskussionen in Handball-Österreich und vor allem eine Kontroverse über die Härte in der heimischen Liga ausgelöst. (Hier geht’s zum Artikel)

LAOLA1 hat daher vor dem entscheidenden Spiel mit Fivers-Coach Peter Eckl gesprochen, der ausführlich über die körperliche Gangart, Provokationen sowie das Hauptaugenmerk seines Teams vor dem Entscheidungsspiel spricht. Außerdem stellt er klar, dass die Rivalität zwischen Hard und den Fivers rein sportlicher Natur ist und distanziert sich deutlich von Begriffen wie Hass oder Erzfeind.

LAOLA1: Nach dem zweiten Finalspiel gab es viele Stimmen, die die übertriebene Härte im Spiel angeprangert haben. Wie siehst du als Fivers-Trainer die ganze Diskussion und wie beurteilst du die Schiedsrichterleistung?

Peter Eckl: Es schlägt immer nur dann aus, wenn beide Mannschaften sehr hart spielen. Im ersten Finale ging das nur von einer Mannschaft aus und das waren nicht wir. Es ist ein schwieriger Job für die Schiedsrichter, die 14 Spieler plus die zwei Ersatzbänke beobachten müssen. Es gibt viele kleine Mätzchen, die bereits im ersten Finale aufgetreten sind. Beide Mannschaften wollen gewinnen und es wird jeder alles versuchen, um den Sieg zu holen. Man weiß auch, dass die Harder Seite sehr oft am Boden liegt und damit provoziert. Da ist es dann für die Schiedsrichter schwierig zu beurteilen, was ein Foul ist und was nicht. Das rächt sich dann halt. Das ist wie der Junge, der dauernd Wolf schreit. Ich bin der Meinung, es sollte aber der Sport im Vordergrund stehen und es versuchen ja auch beide Seiten durch spielerische und taktische Elemente zum Erfolg zu kommen.

Eckl lebt an der Linie immer voll mit

Beide Mannschaften kämpfen um jeden Zentimeter, das will auch das Publikum sehen. Das gibt auch der Sport her. Der Kampf Mann gegen Mann - doch es sollte dennoch fair bleiben. Das Wichtigste ist, dass sich niemand verletzt. Es muss ein Gentlemen-Agreement herrschen, dass man zum Beispiel nicht in die Wurfhand greift. Daraus resultieren dann nämlich Verletzungen, die können zu längeren Ausfällen führen. Das war zum Glück nicht der Fall und das soll auch so bleiben. Der Griff in die Wurfhand oder auch das Stoßen in der Luft sind Dinge, die ich nicht sehen will. Auch von meiner Mannschaft nicht. Ich glaube auch, dass man das von uns nicht sieht. Dass von vorne hart angegangen wird, gehört zum Sport dazu. Ich wünsche mir, dass es keine Mätzchen, Schauspielerei, Untergriffe und harte Schläge gibt, die unnötig sind und die Schiedsrichter gar nicht sehen kann. Die nur die Leute provozieren und keinen Sinn haben.

LAOLA1: Du sprichst Mätzchen und Provokationen an. Im ersten Spiel ist Herbert Jonas von Harder Seite zum besten Spieler gewählt worden. Er hatte in der entscheidenden Phase dreimal freistehend verworfen. Hat man das auf eurer Seite als Provokation aufgefasst?

Eckl: Ich weiß nicht, wie das von Außen gesehen wurde?! Wir haben uns natürlich schon gefragt, was das für ein Signal an Herbert Jonas ist, einen Spieler der lange Jahre in der HLA spielt und sich über 15 Jahre im Handball etabliert hat. Er war natürlich enttäuscht nach so einem Spiel und dann ist das natürlich eine Reaktion, über die sich jeder selber eine Meinung bilden muss. Wir haben uns davon aber nicht irritieren lassen. Das sind Dinge, die geschehen abseits des Spielfeldes und das tangiert mich nicht. Das mag ein Fehler sein, dass ich mich darum nicht kümmere, weil ich weiß, dass im Handball-Sport in Österreich viele Dinge abseits des Spiels entschieden werden. Aber das ist für mich uninteressant und ich lasse mich nicht extra provozieren.

LAOLA1: Sprich bei euch war das vor dem zweiten Finale kein Thema?

Eckl: Es darf kein Thema sein und wenn es der Wunsch war, uns damit zu provozieren, dann ist es fehlgeschlagen. Ich kann nicht beurteilen, wie das andere sehen. Ich finde es nicht in Ordnung, aber es muss sich jeder seine eigene Meinung bilden. Die Idee des „Best-Players“ ist eine gute und ist im Publikum angenommen worden. Wer der beste Spieler der Partie ist, ist für das Publikum interessant und das ist doch auch der Grund, warum wir spielen. Wir wollen eine Show bieten und das ist die Idee dahinter. Mit der Wahl sollte man der Idee auch halbwegs Rechnung tragen. Es ist auch okay, wenn das nicht immer der Trainer entscheidet (im ersten Finalspiel haben Funktionäre des HC Hard den Best-Player gewählt, Anm.). Fünf Sekunden nach dem Spiel ist es oft nicht leicht den besten Akteur des Gegners zu bestimmen. Da verstehe ich, dass Markus Burger gesagt hat, er wolle diese Entscheidung nicht treffen. Aber die Verantwortlichen sollten die Entscheidung mit Bedacht treffen.

LAOLA1: In Spiel drei in Hard kann alles passieren. Worauf liegt euer Fokus vor dem entscheidenden Duell?

Eckl: Das Wichtigste ist jetzt die Mannschaft, die funktionieren muss. Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir uns als Team zusammengerauft haben, obwohl wir schwierige  Phasen in dieser Saison zu überstehen hatten. Wir sind jetzt gemeinsam sehr stark. Abwehr und Deckung müssen ohnehin funktionieren, denn keine der Mannschaften darf sich jetzt Schwächen leisten. Das Gesamtpaket Mannschaft muss funktionieren und da sehe ich uns gut aufgestellt. Wir freuen uns auf den Harder Hexenkessel und glauben an unsere Chance, gewinnen zu können.

Eckl vertraut auf den Zusammenhalt

LAOLA1: Immer wieder wird davon gesprochen, dass sich die beiden Mannschaften nicht wirklich riechen können. Ist dies zusätzliche Motivation für euch, dass es ausgerechnet gegen den „Erzfeind“ Hard geht?

Eckl: Ich sehe das überhaupt nicht so, dass wir Hard nicht gut riechen können. Das ist ein ganz normaler Konkurrent vor dem wir Respekt haben und auf den wir sportlich reagieren müssen. Die Harder sind nicht zu Unrecht im Finale, denn sie haben eine gute Saison gespielt. Uns schweißt natürlich der Gegner zusammen, aber das hat nichts damit zu tun, ob dies Hard, Westwien, Krems oder eine andere Mannschaft ist.  Auch wenn es heißt, die Harder wären unser ewiger Rivale. In der Vergangenheit war dies eben Bregenz und jetzt ist es Hard. Das ist eine gesunde Rivalität und ich hoffe, es ist auch von Harder Seite kein Hass da, denn von unserer Seite ist es das mit Sicherheit nicht. Es geht nicht um Hass. Es ist Anspannung und wir wollen aggressiv dagegenhalten. Die Harder spielen eine sehr harte Deckung und da heißt es immer, wir spielen so hart. Ich hoffe, es wird halbwegs objektiv beurteilt, was auf dem Spielfeld passiert und es wird gesehen, dass die Mannschaften eben versuchen, um jeden Zentimeter zu kämpfen. Sollten wir dazu nicht bereit sein, werden wir gegen Hard untergehen. Ich höre das immer schon halb raus, bei den diversen Interviews, dass man uns in eine Ecke drängen will und das finde ich nicht richtig. Das ist nicht sehr fair und das habe ich gemeint mit dem Kampf außerhalb des Spiels. Ich will keine Publicity schieben oder über die Medien etwas verbreiten. Das ist für mich nicht interessant. Jeder kann sich seine Meinung bilden. Es ist ein Finalspiel und da geht es um alles. Danach aber eine Mannschaft an den Pranger zu stellen, finde ich einfach schlecht.

LAOLA1: Du hast teilweise im zweiten Finale mit fünf Eigenbauspielern gleichzeitig gespielt. Wie gehst du als Pädagoge mit jungen Spielern wie Nikola Bilyk oder Tobias Wagner um, damit diese in so einem wichtigen Spiel so befreit aufspielen können?

Eckl: Sie bekommen Vertrauen und das haben sie sich in der laufenden Saison in vielen Spielen erarbeitet. Das bekommen sie nicht geschenkt, sondern haben sich das hart erkämpfen müssen und das ist bei uns nicht leicht. Ich bin ein Trainer, der für viele Wechsel bekannt ist, um den einen eine Pause zu gönnen und den anderen eine Plattform zu bieten, sich zu präsentieren. Das macht sich bei den Jungen am Ende dann bezahlt. Der Weg über die Bundesliga-Mannschaft ist ebenfalls ein wichtiger Schritt. Da stehen noch weitere Talente wie Nikola Aljetic, Lukas Müller oder Mathias Nikolic in den Startlöchern, die allesamt in der HLA schon aufgezeigt haben. Diese Spieler lauern schon auf ihre Chance und pochen auf Einsätze. Das ist fast das größere Problem, als jenen die schon im Kader sind, das Vertrauen zu schenken. Ich bin in der tollen Position, als Trainer aus einem enormen Fundus an Spielern schöpfen zu können. Bereits seit vielen Jahren arbeiten wir an dieser Entwicklung und zum Beispiel Markus Kolar begleite ich bereits seit 18 Jahren. Bei uns ist es nicht eine tolle Generation, sondern es wird kontinuierlich gearbeitet. Von der Volksschule bis ins Greisenalter, wie man bei Sergej Bilyk sieht.

LAOLA1: Wie lange wird euer Routinier eigentlich noch weitermachen?

Eckl: Wenn er so weiterspielt, sicher noch ein paar Jährchen. Wir freuen uns, dass er noch dabei ist, denn er ist nicht nur am Spielfeld ein wichtiger Mann, sondern auch außerhalb ein wichtiger Ruhepol. Ein extrem erfahrener Spieler, der den großen Wunsch hegte, mit seinem Sohn in einer Mannschaft zu spielen. Auch das hat er sich hart erarbeitet, denn auch für ihn gibt es keine Geschenke.

Das Interview führte Sebastian Rauch

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