"Ich nehme die Angriffe nie persönlich"

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Michael Knauth ist ein Spieler der polarisiert. Der Flügel des HC Hard wurde im zweiten Spiel der Finalserie gegen die Fivers in der Hollgasse gnadenlos ausgepfiffen.

Ein Umstand, der den 31-Jährigen nicht sonderlich aus der Fassung bringt, ist er sich seiner Rolle und seiner provokanten Spielweise auf dem Parkett doch sehr wohl bewusst.

Im Interview mit LAOLA1 spricht der ehemalige Nationalspieler vor dem entscheidenden Finalspiel am Freitag in Hard über sein Verhältnis zu den gegnerischen Fans, seine provokante Art, seine ihm vorgeworfene „Fallsucht“ sowie die Härte, die in den Duellen zwischen Hard und Fivers mittlerweile zur Normalität gehört.

LAOLA1: Du bist ein Spieler, der polarisiert und die Zuschauer reagieren auswärts meist auf deine Körpersprache nicht sehr wohlwollend. Wie gehst du damit um, dass du von einer kompletten Halle aufgrund deiner Spielweise ausgepfiffen wirst?

Michael Knauth: Wenn man in diesem Flow ist, bekommt man diese Dinge, vor allem das Negative,  gar nicht so mit. Wenn doch, versucht man es einfach auszublenden. Außerdem ist es eine zusätzliche Motivation, denn du willst diesen Leuten, die nicht hinter dir stehen und dir in dem Moment nur Schlechtes wollen, zeigen, dass du immer noch über ihnen und dem ganzen Druck stehen kannst.

LAOLA1: Du freust dich also auf solche Situationen?

Knauth: Vor eigener Kulisse freust du dich sowieso immer zu spielen. Die Fans feuern dich an und wollen mit ihrer Unterstützung, dass du über dich hinauswächst. Das pushst dich, auch wenn du in der 50. Minute platt bist. Mit diesen Fans, die wir in Hard haben, kannst du jede Müdigkeit ausblenden und bekommst die zweite Luft. Auswärts ist so etwas für junge Spieler sicher nicht einfach, aber mit der Zeit lernt man aus solchen Situationen und entwickelt sich so weiter, dass man dies ins Positive für einen selbst übertragen kann.

Knauth provoziert gerne mit seinen Gesten

LAOLA1: Warum glaubst du, dass Fans so auf dich als Person reagieren?

Knauth: Ich glaube, die Zuschauer merken, dass diese Spielweise Mannschaften kaputt machen kann und ich an entscheidenden Szenen, wie bei meinem Siegtreffer im Halbfinale gegen Krems, immer wieder beteiligt bin. Auf der einen Seite ist es vielleicht ein bisschen Neid, auf der anderen Seite verspüren sie sicher auch eine Art Angst, dass du ihnen wieder schaden könntest.

LAOLA1: Du trägst aber auch deinen Teil dazu bei. Du ziehst mit provokanten Gesten immer wieder den Unmut der Fans auf dich. Bist du dir dessen bewusst?

Knauth: Ja, absolut. Aber das ist meine Spielweise und die hatte ich schon immer. Für die gegnerischen Fans ist das natürlich eine Provokation und animiert sie gegen mich zu pfeifen. Ich kann aber sehr gut damit umgehen, denn ich muss nach dem Spiel nicht mit ihnen auf ein Bier gehen oder deren bester Freund sein. Ich kann nach dem Spiel abschalten und nehme keinen der Angriffe, egal wie schlimm sie sind, persönlich.

LAOLA1: Wie sieht das mit den Spielern der Fivers aus? Aufgrund der vielen Final-Duelle der letzten Jahre ist eine sehr große Rivalität entstanden. Gibt es diese nur auf dem Spielfeld oder auch abseits der Halle?

Knauth: Man merkt natürlich, dass diese Rivalität sehr groß ist und auf dem Spielfeld viele Gehässigkeiten vorkommen. Ich sage, dass diese Art mehr von Seiten der Fivers kommt, weil sie eine gewissen Angst verspüren, da wir über die Saison gezeigt haben, dass wir sehr überlegen agieren können. Die einzige Chance ist dann, dass man versucht uns kaputt zu machen und die Spieler so zu schwächen, dass wir diese Dominanz nicht mehr aufs Spielfeld übertragen können. Privat ist das aber kein Problem. Wenn es nicht gerade um den Titel geht, kommt es auch vor, dass man nach der Partie ein Bier miteinander trinkt.

LAOLA1: Eure Spielweise ist aber auch nicht gerade zimperlich.

Knauth: Ich möchte hier überhaupt nicht das schwache Glied spielen und sagen, wir bekommen nur Schläge und es wäre unfair oder dergleichen. Wir können selbst auch ordentlich hinlangen. Die Fivers haben das in der Hollgasse intelligenter gemacht und haben unseren Aufbauspielern mit dieser Spielweise extrem zugesetzt. Wir konnten diesem Druck nicht standhalten und haben den Kopf verloren. Im letzten Spiel zu Hause müssen wir sofort reagieren und selbst schauen, wie weit wir gehen können. Es sollte im fairen Bereich bleiben, aber wir werden da nicht zurückstecken.

LAOLA1: Nach dem Spiel in der Hollgasse beschuldigten sich die Mannschaften gegenseitig, überhart gespielt zu haben und auch theatralisch zu fallen. Du gehörst auch zu den Spielern, denen man eine gewisse „Fallsucht“ nachsagt. Ist es teilweise Kalkül, dass du den Körperkontakt suchst, um zwei Minuten zu schinden?

Knauth: Mit diesen Vorwürfen bin ich schon des Öfteren konfrontiert worden. Auf der einen Seite ist es sicherlich teilweise taktisch. Auf der anderen Seite ist es aber auch immer so, dass ich dorthin gehe, wo es weh tut und da geht es dann schon zur Sache. Da ist es nicht selten, dass man ordentlich eine kassiert, aber das nehme ich auch in Kauf. Ich bin kein Spieler, der sich dadurch einschüchtern lässt und ich werde immer wieder in diese Räume vorstoßen. Wenn ich dann so hart attackiert werde, sehe ich es schon als berechtigt an, dass diese harten Fouls bestraft werden.

LAOLA1: Es gab Kritik an den Schiedsrichtern. Wie siehst du die Rolle der Unparteiischen in dieser Final-Serie?

Knauth: Da muss man jetzt natürlich aufpassen, was man sagt. Ich denke, dass das Duo Brkic/Jusufhodzic das im ersten Spiel gut gemacht hat und sich von keiner der beiden Mannschaften beeinflussen hat lassen. Sie ziehen ihren Stil durch und machen das sehr objektiv. Im zweiten Spiel denke ich, dass es Lajko/Seidler teilweise nicht im Griff hatten und die Fivers diese Grenzen von Anfang an ausgetestet haben. Dann ist ihnen das Spiel entglitten, weil sie nicht entsprechend reagiert haben. Ich werfe ihnen nicht vor, dass es bewusst oder mit Absicht passiert, aber dieses Duo war dieser Partie leider nicht ganz gewachsen.

LAOLA1: Am Freitag geht es um alles. Was erwartet ihr Spieler von dieser Partie? Wird es eine regelrechte Schlacht oder kehrt man zurück zu spielerischen Momenten, weil man weiß, dass der Fokus der letzten Spiele nur auf der Härte lag?

Knauth: Es wird sicher sehr hart, denn es geht um ein ganzes Jahr arbeitet. Das spielerische Element wird wohl eher etwas kürzer kommen. Das Spiel wird bis zum Schluss hart, aber hoffentlich auch fair geführt werden. Ich hoffe natürlich, dass wir das bessere Ende für uns haben. Wir waren über die komplette Saison die beste Mannschaft und es wäre für alle Beteiligten sehr schade, wenn man nach dieser guten und harten Arbeit über die gesamte Saison die Lorbeeren nicht einfahren könnte.

Das Interview führte Sebastian Rauch

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