"Kein Spieler ist ersetzbar"

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Christoph Edelmüller ist das Herzstück der Fivers. Der derzeit beste Kreisspieler Österreichs trägt nicht nur die Nummer 5, sondern ist auch Kapitän des amtierenden Cupsiegers und  einer der absoluten Leistungsträger. Eigentlich ist der 31-Jährige nicht zu ersetzen.

Und dennoch muss Trainer Peter Eckl im zweiten Finalspiel gegen den amtierenden Champion aus Hard (Samstag, 18:35 Uhr) ohne seinen Spielführer auskommen.

Aufgrund eines Fouls gegen Keeper Golub Doknic wurde Edelmüller in den letzten Sekunden des ersten Finales mit der Roten Karte bedacht und daraufhin für ein Spiel aus dem Verkehr gezogen.

Im LAOLA1-Interview spricht der praktizierende Jurist über seine Sperre, wie man seinen Ausfall kompensieren möchte, die immer wieder aufkommende Diskussion um die Härte der Fivers und den Finalgegner aus Vorarlberg.

LAOLA1: Du bist für das zweite Spiel gesperrt worden. Wie hast du die Nachricht aufgenommen?

Christoph Edelmüller: Für mich persönlich ist das natürlich sehr bitter. Man trainiert das ganze Jahr, um Meister zu werden. Nun haben wir auch noch die Möglichkeit vor heimischer Kulisse den Titel zu holen. Wenn man da dann nicht dabei sein kann, ist das schon hart und die Umstände machen es nicht gerade einfacher.

LAOLA1: Du sagst die Umstände machen es nicht einfacher. Kannst du die Situation, die zum Ausschluss geführt hat, aus deiner Sicht nacherzählen?

Edelmüller: Es war von mir taktisch unklug, in den Zweikampf mit Dominik Schmid zu gehen und der Pfiff der Schiedsrichter und die Entscheidung auf Stürmerfoul gegen mich waren sicherlich richtig. Ich habe den Ball regelkonform sofort freigegeben und bin weggelaufen. Im Weglaufen mache ich eine Drehbewegung und habe nicht gespürt, dass ich den Torhüter berührt hätte. Sollte das doch der Fall gewesen sein, war das keine Absicht und nicht darauf abgezielt, den Angriff zu unterbinden. Ich war bereits zurück in der Deckung und habe erst dann die Rote Karte bekommen. Im ersten Moment wusste ich nicht einmal, dass der Ausschluss mir galt. Bis eine halbe Stunde nach Spielende, wusste ich auch nicht, was mir vorgeworfen wurde. Ich dachte, der Schiedsrichter hätte mir die Rote Karte gezeigt, weil ich den Ball nicht schnell genug freigegeben hätte. Dann habe ich erfahren, dass ich angeblich den Torhüter im Gesicht getroffen haben soll.

LAOLA1: Du hast in deinen Augen den Gegenspieler also nicht berührt. Ist die Sperre somit für dich ungerechtfertigt?

Edelmüller: Wie gesagt, ich habe nicht gespürt, dass ich ihn berührt hätte, aber wenn es so war, dann war es keine Absicht. Wenn es der Schiedsrichter so gesehen hat, dass ich ihn getroffen habe, dann kann ich die Rote Karte verstehen. Was die Sperre betrifft, es ist unglücklich, da die Regeln da nicht viel Spielraum lassen und das Reglement fast zwingend eine Sperre nach sich zieht. Ob diese Regel sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln. Ich bin ja auch Jurist, und nicht nur Handballer, daher weiß ich, dass es manchmal so ist, dass man in den gesetzlichen Grundlagen ein bisschen gefangen ist und dem Strafsenat die Hände gebunden sind. Wer diese Situation gesehen hat, der sieht eine Rote Karte plus Sperre wohl als verhältnismäßig hohe Strafe an.

Edelmüller fehlt beim zweiten Finalspiel gegen Hard

LAOLA1: Kannst du als Spieler vor dem Strafsenat zu den Vorwürfen Stellung beziehen oder wird das ohne Anhörung entschieden?

Edelmüller: In erster Instanz wird das einfach entschieden. Es gibt die Möglichkeit zu berufen, was wir getan haben, aber eher um sich diesbezüglich äußern zu können und uns nicht den Vorwurf machen zu müssen, wir hätten es nicht versucht. Wir halten die Berufung aber für wenig erfolgsversprechend, da die Bestimmungen auf Tatsachen-Entscheidungen beruhen und man das nicht wegdiskutieren kann. Es wäre sinnvoller, diese Regelung so abzuändern, dass es eine Tatsachen-Entscheidung gibt und danach im Video analysiert wird, ob die Aktion unsportlich war oder nicht. Ich bin der Ansicht, ein unsportliches Verhalten kann man nur dann setzen, wenn man etwas bewusst macht. Wenn ich etwas tue, das ich nicht beabsichtigt habe, dann kann es auch nicht unsportlich sein. Das ist der springende Punkt in dieser Situation. Wenn es die Schiedsrichter aber so sehen, dann ist das nicht mehr zu revidieren.

LAOLA1: Eine Schiedsrichter-Diskussion gibt es schon länger und vor allem beim Duell Fivers gegen Hard gehen die Emotionen regelmäßig hoch. Bereits des Öfteren hat Hard-Coach Markus Burger die in seinen Augen übertriebene Härte der Fivers kritisiert, worauf nun euer Manager Thomas Menzl auf der Vereinshomepage wiederum reagiert hat. Wie hart sind diese Spiele denn tatsächlich für euch Spieler, denn es äußern sich eigentlich immer nur jene, die es von außen beobachten?

Edelmüller (lacht): Es ist sicher richtig, dass seit ein, zwei Jahren dieses Duell sowohl auf dem Spielfeld als auch von den Zuschauern, Trainerbänken, Funktionären, sprich dem gesamten Umfeld, besonders emotional geführt wird. Das empfinde ich selbst nicht als schlecht, sondern schön und spannend für die Zuschauer. Medial ist es auch gut, wenn über Handball berichtet wird. Es wird aber über die Stränge geschlagen, was die gegenseitigen Anschuldigungen betrifft. Wir versuchen uns auf das Sportliche zu konzentrieren, doch wir empfinden es in der Mannschaft schon auch so, wie das unser Manager öffentlich kundgetan hat. Es heißt immer wieder „die Fivers sind böse und härter als alle anderen“. Ich spiele seit vielen Jahren in dieser Liga und habe nicht nur für die Fivers gespielt. Als Kreisläufer stehe ich in jeder Deckung der HLA und es gibt in jeder Mannschaft Spieler, die die Grenzen des Erlaubten weiter ausloten als andere. In Hard gibt es einige Spieler, ich will keine Namen nennen, die sehr hart zur Sache gehen und manchmal die Grenzen überschreiten. Ich will auch gar nicht bestreiten, dass dies bei uns nicht passiert.

Edelmüller ist nicht zu ersetzen

LAOLA1: Aber nehmen wir konkret das erste Finale als Beispiel. Hattest du das Gefühl, dass es unfair geführt wurde?

Edelmüller: Ich habe mir das gesamte Spiel zweimal auf Video angesehen und obwohl ich von der letzten Aktion ja direkt betroffen war und das eine diskutierbare Entscheidung war, bin ich grundsätzlich der Meinung, dass die Schiedsrichter eine sehr gute Leistung gezeigt haben. Es gab zwei Situationen in dieser Partie, in welchen man die Rote Karte ziehen hätte können. Die eine bei einer Aktion mit Bernd Friede, einen Ausschluss für die Fivers, und auf der anderen Seite ein Foul gegen Vytas Ziura, sprich Rot für Hard. Beide Aktionen waren ein Schlag ins Gesicht und beide haben Zwei-Minuten-Strafen nach sich gezogen. Es wurde mit gleichem Maße gemessen und gleich beurteilt. Es ist ein harter Sport, da passiert so etwas und es hat sich auch niemand verletzt. Ich weiß auch nicht, wann sich das letzte Mal ein Spieler von einem Fivers-Akteur verletzt wurde.

LAOLA1: Dennoch kommen diese Anschuldigungen aus Hard.

Edelmüller: Ich kann das nicht nachvollziehen, was Markus Burger medial verbreitet. Es ist schade, denn dadurch werden die Fivers darauf reduziert.  Wir Fivers machen so etwas nicht. Wir sagen bei jeder Gelegenheit, dass wir großen Respekt vor den Hardern haben und die Vorarlberger tollen Handball spielen. Sie spielen aggressiv, was auch okay ist und das Publikum in der Sporthalle am See ist sensationell, auch wenn es für die Auswärtsmannschaft schwierig ist, da es sehr viel Druck auf die Schiedsrichter ausübt. Aber so soll es in einem Heimspiel auch sein. So ist der Sport und es ist lässig, dort zu spielen.

LAOLA1: Bei euch in der Halle ist es aber meist auch sehr laut. Du wirst ebenfalls auf der Tribüne Platz nehmen. Wie wirkst du dennoch auf deine Mitspieler ein?

Edelmüller: Auf der Bank darf ich als gesperrter Spieler nicht sitzen, daher werde ich während des Spiels auch keinen großen Einfluss nehmen können, sondern auf der Tribüne die Daumen drücken und hoffen, dass wir danach miteinander feiern können. Ich bin sehr optimistisch, dass dies gelingt.

LAOLA1: Wie war deine Trainingswoche, wohlwissend, dass du am Samstag nicht spielen wirst.

Edelmüller: Ich habe natürlich ganz normal mittrainiert und mit meinen Ersatzleuten mehrere Spielsituationen taktisch durchbesprochen. Ich versuche, soweit ich kann meine Mitspieler moralisch zu unterstützen. Das ist auch meine Aufgabe als Kapitän. Klar ist es schade, dass ich beim Spiel nicht dabei sein kann, aber wir haben schon öfter bewiesen, dass wir Ausfälle kompensieren können. Ich bin auch optimistisch, dass uns dies am Samstag gelingt, auch wenn es, so unbescheiden darf ich auch mal sein, ein Verlust ist, wenn ich nicht spielen kann.

LAOLA1: Es ist richtig, dass ihr alle Spieler ersetzen  könnt, seid aber auch auf fast jeder Position doppelt besetzt. Am Kreis ist das aber nicht so oder zaubert ihr plötzlichen einen Kreisspieler aus dem Talon, der das Niveau hat, in einem HLA-Finale auszulaufen?

Edelmüller: Zuerst einmal bin ich der Meinung, dass kein Spieler zu ersetzen ist. Egal ob der Kapitän oder der 15. Mann. Jeder ist von seiner menschlichen und spielerischen Qualität einzigartig. Das einzige, das man versuchen kann, egal ob der Fehlende Edelmüller, Kolar oder XY heißt, ist, den Ausfall als Mannschaft aufzufangen. Welcher Spieler konkret auf meiner Position spielen wird, wird man sehen, da werde ich nicht zu viel verraten, aber man hat in der Vergangenheit bereits gesehen, dass, wenn ich nicht gespielt habe, meinen Part Herbert Jonas übernommen hat. Als Flügelspieler ist er zwar kein gelernter Kreisläufer, aber ein sehr spielstarker Handballer mit viel Spielintelligenz, dem ich es auch zutraue, eine gute Rolle zu spielen.

LAOLA1: Was wird der Schlüssel zum Erfolg sein?

Edelmüller: Wir müssen konzentriert bleiben, auch wenn wir in Rückstand geraten. Die Coolness und Ruhe gilt es zu wahren, auch wenn es mal nicht so läuft und natürlich müssen wir diszipliniert auftreten. Man darf dieses Finale ruhig genießen und vor vollem Haus soll einem so ein Endspiel durchaus Spaß machen. Wir müssen nicht verkrampfen. Spielerisch wird es wieder auf die Deckung plus Torhüter ankommen und die Tore in der ersten und zweiten Welle zu erzielen. Die Mannschaften kennen sich sehr gut und es wird für beide Teams schwierig, aus dem Positionsangriff Tore zu erzielen. Auch wenn ich glaube, dass wir in diesen Belangen einen Tick besser sind.

Das Interview führte Sebastian Rauch

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