"Entlassung ist wie ein Schlag"

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Grabner: "Diese Zeit bekommst du hier nicht"

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Mit großen Ambitionen war West Wien in die neue Saison gestartet.

Mit den Gallionsfiguren Konrad Wilczynski und Patrick Fölser möchte der frühere Serienmeister wieder an die glorreiche Vergangenheit anschließen.

Doch gerade einmal vier HLA-Runden später wird bereits nachjustiert. Trainer Gerald Grabner muss nach drei Niederlagen und einem Remis seinen Hut nehmen. Ihm wird mit Romas Magelinskas ausgerechnet ein langjähriger Spieler und Trainer von Lokalrivale Fivers folgen.

Im Interview mit LAOLA1 erklärt Grabner, was in den letzten Wochen falsch gelaufen ist und ob sich Spieler-Manager Wilcyznski und er noch in die Augen schauen können:

LAOLA1: Gerald, hat dich die Entlassung überrascht?

Gerald Grabner: Es ist eine Tatsache, dass wir nur einen Punkt aus vier Spielen haben und das zu wenig ist, aber in dem Moment war es eine Keule. Ich lebe schon seit drei Jahren in dem Wissen, dass es jederzeit passieren kann, aber wenn es dann wirklich so weit ist, ist es dann doch schwierig.

LAOLA1: Ich nehme an, dass du schon selbst durchanalysiert hast, woran es in den letzten Wochen gelegen hat?

Grabner: Klar haben wir uns auch Gedanken gemacht. Aber so deppert es klingt, normalerweise müssten wir acht Punkte haben und bräuchten gar nicht darüber diskutierten. Es hat einfach Phasen in den jeweiligen Partien gegeben, wo wir die Spiele hergeschenkt haben. Und im Sport ist es nun mal so, dass letztendlich der Trainer gehen muss.

LAOLA1: Bei West Wien ist ein ambitioniertes Projekt gestartet worden. Bist du traurig, bei diesem nicht mehr mitwirken zu können?

Grabner: Ja, aber nicht nur wegen dem, was da jetzt im Begriff ist zu entstehen. Ich war hier dreieinhalb Jahre lang Trainer. Das war mein Lebensmittelpunkt, das habe ich auch den Spielern gesagt. Damit habe ich mich Tag und Nacht beschäftigt. Wenn das auf einmal weg ist, ist das ein Schlag. Es ist aber weniger, weil da jetzt neue Spieler gekommen sind und Aufbruchstimmung herrscht.

LAOLA1: Wie geht es bei dir weiter? Bleibst du im Verein oder suchst du dir anderweitig eine neue Herausforderung?

Grabner: Ich werde jetzt einmal etwas machen, was nichts mit Handball zu tun hat. Ich möchte mir einen Job suchen und etwas arbeiten. Ich wäre froh, wenn ich schon wüsste, in welche Richtung das gehen wird.

LAOLA1: Dein Nachfolger ist mit Romas Magelinskas kein Unbekannter in Wien. Empfindest du die Wahl als glücklich?

Grabner: Dazu möchte ich nichts sagen. Ich bin nicht mehr da, deshalb kommentiere ich das lieber nicht.

LAOLA1: Die Entlassung eines Trainers ist auch Entscheidung des Managers. Losgelöst vom Verhältnis zwischen Conny Wilczynski und dir: Ist eine Doppelfunktion Spieler-Manager nicht insofern problematisch, als dass sich die Mannschaft streng genommen den Trainer aussuchen kann?

Grabner: Das sehe ich nicht so. Conny und ich haben ein sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis. Wir sind eine Stunde zusammengesessen und es ist alles auf einer sehr sachlichen Ebene abgelaufen. Ich finde sogar, dass er da einen sehr guten Job gemacht hat. Wenn dann sehe ich das Problem auf der sportlichen Ebene. Durch seine Aufgaben hat er den Kopf ständig woanders, darunter leidet seine Leistung.

LAOLA1: Ihr beide könnt euch nach wie vor in die Augen schauen?

Grabner: Total. Ich verstehe auch den Verein in gewisser Weise, weil sie reagieren müssen, da sie ins Playoff wollen und erst einen Punkt haben. Ich verstehe das, aber ich bin der Meinung, dass es Zeit braucht, wenn man sechs neue Spieler holt. Das haben wir schon vergangenes Jahr gesehen, als wir sechs Neue geholt haben und klar das Playoff verpasst haben. Heuer sind wir vor einer ähnlichen Situation gestanden. Das braucht einfach seine Zeit, da kannst du Wunder-Spieler und große Namen holen, was du willst. Im Fußball war das bei Salzburg oder bei der Austria unter Stronach nichts anderes. Das ist auch ein Grund, warum Schwaz vergangenes Jahr im Playoff war. Die spielen seit Jahren praktisch mit der gleichen Mannschaft. Aber diese Zeit bekommt man bei West Wien halt nicht, weil da dieses Projekt ist.

LAOLA1: Wirst du bei den künftigen Heimspielen von West Wien anzutreffen sein?

Grabner: Nein, die schaue ich mir nicht an.

Das Interview führte Reinhold Pühringer

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