"Müssen Tirol müde machen"

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"Das Kollektiv ist unsere Stärke"

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Es wird ernst in Sachen Meisterschafts-Entscheidung. Der HC Hard kann sich am Freitag in Innsbruck zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte zum HLA-Champion küren.

Die Chancen stehen für die „Roten Teufel“ rein statistisch nicht schlecht. Das letzte Spiel in Tirol konnten die Vorarlberger mit 31:20 gewinnen, im zweiten Auswärtsspiel in dieser Saison konnte man mit 23:23 immerhin einen Punkt entführen. Doch die „Wölfe“ haben sich seit diesen Pleiten enorm gesteigert, sich in einen regelrechten Rausch gespielt. Dies mussten die Harder auch im ersten Finalspiel erfahren, als man mit Biegen und Brechen in der letzten Sekunde den Sieg einfahren konnte.

Der Meister von 2003 hatte große Probleme mit der offensiven Deckung und gab einen Sieben-Tore-Vorsprung fast noch aus der Hand. Ex-Nationalspieler Bernd Friede, Routinier und Kopf der Harder Mannschaft, spricht im LAOLA1-Talk über die gute Tiroler Abwehr, die jungen Talente in den eigenen Reihen und den Geniestreich von Janis Glusaks. Außerdem analysiert er die Stärken seiner Truppe sowie die Schwächen des Gegners.

LAOLA1: Worauf habt ihr in dieser Trainingswoche euer Hauptaugenmerk gelegt?

Bernd Friede: Im Endeffekt muss man aufpassen, dass man das Ganze nicht überstrapaziert und sich ähnlich vorbereitet wie zuvor. Es ist ein Vorteil, wenn man sich, wie schon im Halbfinale, nur auf einen Gegner konzentrieren und den gesamten Fokus auf diese zwei bis drei Partien legen kann. Von der persönlichen Vorbereitung unterscheidet es sich nicht von den regulären Meisterschaftsspielen, denn man will immer gewinnen und so bereitet man sich auch vor.

LAOLA1: Die Tiroler spielen eine offensive 3-2-1-Deckung, mit der ihr im ersten Spiel so manche Probleme hattet. Wieso ist es euch so schwer gefallen, gegen diese Abwehr zum Abschluss zu kommen?

Friede: Das ist schwer zu sagen. Die richtigen Probleme haben wir erst bekommen, als sie auf Manndeckung umgestellt haben. Doch wir hatten jetzt Zeit, uns darüber Gedanken zu machen. Das spricht man intern an und versucht eine Lösung zu finden.

LAOLA1: Wer ist dafür zuständig, diese Dinge innerhalb der Mannschaft anzusprechen?

Friede: Natürlich gibt es nur einen Chef und das ist der Trainer, aber wir diskutieren und reden viel über taktische Ausrichtungen, welche wir spielen wollen. Auf dem Spielfeld bin ich dann der, der den Mitspielern die Kommandos gibt, damit das auch alles so von statten geht, wie ausgemacht. Ich bin der verlängerte Arm des Trainers.

Die Tiroler spielen eine aggressive 3-2-1-Deckung

LAOLA1: Mit Marko Krsmanovic habt ihr einen schnellen Mittespieler mit viel Zug zum Tor. Wird er die Schlüsselfigur gegen die offensive Deckung der Tiroler sein?

Friede: Er war im ersten Finale unser wichtigster Mann (10 Tore, Anm.). Im Halbfinale hatte er ein wenig ausgelassen, dafür machte er im Finale ein unglaublich gutes Spiel. Mit seinen schnellen Beinen ist er prädestiniert für eine offene Deckung, wie sie die Tiroler spielen.

LAOLA1: Du musst aufgrund des Mangels an Linkshändern auf Halbrechts ausgewichen. Auch im Nationalteam hast du oft auf dieser Position gespielt. Ist es nach wie vor ungewohnt oder hast du dich daran gewöhnt?

Friede: Man gewöhnt sich natürlich an alles, aber es ist nicht meine Paradeposition. Uns fehlen verletzungsbedingt auf dieser Position die Linkshänder, obwohl wir mit Boris Zivkovic einen jungen talentierten Mann in der Hinterhand haben. In einem solchen Spiel können wir aber einen so jungen Burschen nicht 60 Minuten durchspielen lassen.  Die Alternative bin ich, da ich immer schon mehr der Allrounder war. Man muss sich auf die Rolle einstellen, was mir im ersten Aufeinandertreffen mit Tirol noch nicht so geglückt ist, im Halbfinale aber gut geklappt hat.

LAOLA1: Du sprichst Boris Zivkovic an, ohne Frage ein talentierter Mann, doch im ersten Finalspiel hatte man das Gefühl, dass der zweite Anzug mit den jungen Spielern noch nicht ganz sitzt. Glaubst du ein solches Finale ist noch eine Nummer zu groß für eure Talente?

Friede: Sie schaffen es in gewissen Phasen schon ihre Leistung abzurufen, aber man darf nicht vergessen welchen Stellenwert ein solches Finale hat und wie groß der Druck auf einen jungen Spieler in dieser Phase der Meisterschaft ist. Gleichzeitig ist es aber das beste Training für die weitere Karriere, wenn man in einem Endspiel zum Einsatz kommt und daraus lernt man am meisten.

LAOLA1: Kommen wir zu eurem Gegner. Wo siehst du die Stärken der Tiroler?

Friede: Innsbruck hat eine sehr starke erste Sieben. Ihre einzige Schwäche ist die Bank. Müssen sie Wechseln, sind sie nicht ganz so variabel wie andere Mannschaften. Sie haben in der Liga aber gezeigt, dass sie das kompensieren können und zurecht im Finale stehen. Seit März haben sie einen unglaublichen Lauf. Wir müssen die erste Sieben müde laufen, mit viel Tempo spielen sodass ihre Leistungsträger viel Laufarbeit leisten müssen.

Die Innsbrucker nehmen Friede in die Zange

LAOLA1: Was sind eure Stärken?

Friede: Über die gesamte Saison hat man bereits gesehen, dass das Kollektiv unser großes Kapital ist. Wir haben keinen Superstar in unseren Reihen. Wichtig war auch, dass wir den Ausfall von Marko Tanaskovic, der einer unserer Schlüsselspieler ist, gut kompensieren konnten. Das zeugt von einer intakten Mannschaft. Jeder hilft dem anderen und immer wieder läuft ein anderer zur Hochform auf, was uns sehr schwer ausrechenbar macht.

LAOLA1: Schwer auszurechnen war auch die Aktion von Janis Glusaks, als er einen Freiwurf direkt verwandelte und euch somit den Sieg sicherte. War dies zuvor ausgemacht?

Friede: Nein, da denkt man nicht mehr viel nach. Wir wussten selbst nicht, dass er das machen wird. Das war seine Entscheidung und es war die richtige. Ein Geniestreich, obwohl die Innsbrucker eventuell damit hätten rechnen können, da nur noch zwei Sekunden zu spielen waren. Aber da auch wir nicht damit gerechnet haben, kann man da den Abwehrspielern der Tiroler wohl keinen Vorwurf machen (lacht). Es hat einfach gepasst und so etwas passiert selten. Umso schöner, dass es im Finale klappt.

LAOLA1: Glaubst du, dass es für Innsbruck eine Schwächung bedeutet, dass ihr erster Goalie Martin Kalischnig verletzungsbedingt ausfällt.

Friede: Natürlich fällt ihr etatmäßiger erster Keeper aus, aber auch Michael Kalischnig hat bewiesen dass er ein talentierter Goalie ist. Obwohl er wenig Spielanteile hat, wird das in der Zukunft noch ein richtig guter Torhüter für Österreich und ich sehe das nicht als Schwäche.

LAOLA1: Die Stimmung in Hard war sensationell, was erwartest du in Innsbruck? Die Tiroler sind ja extra in die Wasserkraft Arena umgezogen?

Friede: Die Stimmung in Hard war abartig. Man kann dem Publikum nur ein Kompliment machen, denn die Halle hat gebrannt. Diese Euphorie überträgt sich dann natürlich auch aufs Spielfeld. Es sollen nun auch einige mit nach Innsbruck kommen und das gibt natürlich Kraft. Den Umzug in die größere Halle finde ich toll. Es ist ihr erstes Finalspiel zu Hause und das muss natürlich dementsprechend zelebriert werden. In einer Sportstadt wie Innsbruck muss man sich Gehör verschaffen und ich finde es super, dass die Tiroler sich so ins Zeug legen und ein richtiges Handball-Event auf die Beine stellen wollen.

Das Interview führte Sebastian Rauch

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