"Man muss im Großen denken"

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„Offenheit, Ehrlichkeit und eine gewisse Transparenz.“

So beschreibt Conny Wilczynski die Tugenden eines guten Managers. Der gebürtige Wiener muss es wissen, ist der Nationalspieler doch seit dieser Saison neben seiner Funktion als Handballspieler auch als geschäftsführender Manager beim HLA-Klub West Wien im Amt.

Das Projekt klingt in der Theorie simpel. Den Traditionsverein aus der sportlichen Bedeutungslosigkeit zu holen und wieder zu sportlichen Höhenflügen zu verhelfen, wie das schon Ende der 1980er und Anfang der 90er Jahre der Fall war.

Vorbild aus Deutschland

Als Vorbild dienen Wilczynski, der Anfang August Vater einer Tochter geworden ist, die Füchse Berlin beziehungsweise deren Manager Bob Hanning.

„Über das Thema wie man einen Verein in einer Großstadt etabliert, kann Bob nicht nur eines, sondern zehn Bücher schreiben. Er hat das perfekt gemacht und ist ein regelrechter Stratege. Ich verstehe mich mit ihm sehr gut und wir stehen im ständigen Austausch“, holt sich der Wiener beim Deutschen wertvolle Tipps.

Fünf Jahre war der Flügelspieler bei der Mannschaft aus der deutschen Hauptstadt aktiv und erlebte am eigenen Leibe mit, wie Hanning die Mannschaft aus dem sportlichen Niemandsland in die Champions League führte.

„Mein Vorteil ist, dass ich das Projekt der Füchse fünf Jahre in Berlin live miterlebt habe und mich nicht nur für Handballspielen, sondern auch für das, was hinter den Kulissen passiert ist, interessiert habe“, so Wilczynski, der 2006 von Bregenz nach Deutschland gewechselt war.

Gut Ding braucht Weile

Nun will der Neo-Manager mit den Wienern ähnliches vollbringen, ist sich aber bewusst, dass ein solches Vorhaben nicht von Heute auf Morgen umsetzbar ist.

„Langfristigkeit und Geduld sind die Stichworte. Alle wollen schnell Erfolg, aber das ist nicht möglich. Wir wollen im Bereich Jugend und Profimannschaft einen gut funktionierenden Verein haben und das braucht seine Zeit“, so der 29-Jährige.

Einen Zeitplan hat Wilczynski aber dann doch.

„Ich will in den nächsten drei Jahren die österreichische Spitze angreifen. Du kannst in einer Großstadt wie Wien im Handball nur Aufmerksamkeit erlangen, wenn du Erfolg hast. Erfolg heißt im konkreten Fall zunächst einmal das Erreichen des Halbfinales und alle Bereiche gleichzeitig zu professionalisieren. Langfristig ist es das Ziel West Wien wieder dorthin zu bringen, wo es hingehört und zwar ganz nach oben in Österreich.“

Bob Hanning weiß wie man einen Klub erfolgreich führt

Neue Halle – mehr Zuschauer?

Ein großes Problem bei West Wien ist das mangelnde Interesse am Verein. In der vergangenen Saison verirrten sich nur selten mehr als 50 Zuschauer in die Stadthalle B, die als Heimstätte für die Wiener diente.

Erster Ansatz, das Problem zu lösen ist die Umsiedelung in eine neue Halle.

„Wir werden im Grunddurchgang alle neun Spiele in der Südstadt austragen und auch zwei Doppelveranstaltungen mit den Champions-League-Damen von Hypo Niederösterreich und eine Doppelveranstaltung mit den ÖHB-Damen machen. Das sind gute Möglichkeiten uns zu präsentieren und ich bin glücklich, dass wir diese Heimstätte bis Weihnachten haben.“

Leere Zuschauerränge, ein Problem mit welchem sich Mentor Hanning nur zu gut auskennt.

„Wir haben im ersten Jahr 10.000 Freikarten verteilt und vor 300 Zuschauern gespielt. Die Freikarten wurden noch vor der Abendkasse verteilt, sodass ich in der ersten Saison eine Jahreseinnahme von 1.034 Euro hatte. In der zweiten Spielzeit ging es mit 17 verteilten Dauerkarten steil aufwärts. Davon waren 15 für den Fanklub und zwei für meine Eltern“, erzählt Hanning mit einem Schmunzeln

„Wir kennen dieses Problem und man muss Geduld haben. Man darf den Blick für das Machbare nicht verlieren und zusehen, dass man organisch wächst. Wenn es gelingt, eine hohe Identifikation mit dem Verein zu schaffen, wird man auch mehr Zuschauer für sich gewinnen“, führt der 43–Jährige weiter aus.

Nachwuchsarbeit als Grundpfeiler

Ein wichtiger Faktor für die Identifikation ist die Nachwuchsarbeit.

„Wenn man es schafft, die Jungen in die erste Mannschaft einzubauen und sich nicht mittelmäßigen Ausländern bedienen muss, dann schafft das Identifikation“, kennt der Füchse-Macher das Rezept.

Auch Wilczynski weiß um die Bedeutung der jungen Spieler. Aus diesem Grund wurde mit Union Wien ein Kooperationsvertrag unterschrieben.

„Der Verein ist wieder vereint. Wir wollen den Jugendlichen eine Zukunft geben und sie an die erste Mannschaft heranführen. Die Jugend war immer das Aushängeschild von West Wien und da wollen wir wieder hin. Das ist mein Anliegen.“

Hanning glaubt an Wilczynski

Sorgen, dass Wilczynski scheitern wird, macht sich sein Mentor aus gemeinsamen Berliner Tagen nicht. Er ist von der Qualität seines „Ziehsohnes“ überzeugt.

„Ich hab das Projekt Füchse mit ihm gemeinsam gemacht, denn er hat sehr großen Anteil am Erfolg der Füchse Berlin. Er ist sehr früh in das Projekt eingestiegen und war über lange Zeit auch das Gesicht des Vereins. Natürlich kann man ihm in kaufmännischer Hinsicht, wenn er Fragen hat, helfend zur Seite stehen, aber ich hab den Eindruck, dass er schon sehr zielgerichtet arbeitet und genau weiß, was er will.“

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit sind gegeben. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Wilczynski mit West Wien ähnliches gelingen kann, wie Hanning mit seinen Füchsen.

Fakt ist, dass es ein ehrgeiziges Projekt ist, von dem, sollte es von Erfolg gekrönt sein, nicht nur der Verein und die Stadt Wien, sondern die gesamte HLA profitieren könnte.

Sebastian Rauch

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