"Es wundert mich, dass sich keiner verletzt hat"

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„Ich würde nicht soweit gehen und es als Hass bezeichnen, aber man merkt schon, dass das kein Freundschaftsspiel war“, lautete die erste Analyse des ÖHB-Teamchefs Patrekur Johannesson, der das zweite Final-Spiel zwischen den Fivers und Hard in der Hollgasse vor Ort verfolgte.

Bereits in der Vergangenheit waren die Wiener und die Vorarlberger in direkten Duellen nie zimperlich. Stets regierte Härte und Kampf, teilweise weit über das erlaubte Maß hinaus. Das erlaubte Maß, welches von den Schiedsrichtern vorgegeben wird, wurde auch beim 27:25-Sieg der Margaretner ein ums andere Mal überschritten.

„Es geht um viel und da sind von beiden Seiten einfach Fouls dabei, die man durchaus mit Rot oder zwei Minuten ahnden kann. Da brauchst du starke Schiedsrichter, die Linie zeigen und zwar von Anfang an“, so der Isländer.

Schiedsrichtern entgleitet die Partie

Diese Linie fehlte, wodurch die Partie zunehmend ruppiger wurde.

„Wenn man diese Fouls sieht, bei denen die ganze Halle hört, wie es klatscht, dann fehlt mir die Konsequenz auf Seiten der Schiedsrichter“, prangert Hard-Coach Markus Burger nach dem Spiel die Leistung der Unparteiischen Csaba Lajko und Bernhard Seidler an.

Aufgrund der Brisanz und der Geschichte, die die beiden Klubs miteinander haben, war bereits im Vorfeld klar, dass es zu einem Spiel der härteren Sorte kommen würde. Den beiden Schiedsrichtern schien dies nicht bewusst gewesen zu sein, wodurch sie es von Anfang an verabsäumten, die entsprechenden Maßnahmen zu treffen und Strafen auszusprechen.

„Beide Mannschaften mögen sich nicht und machen Fouls, die die Grenze überschreiten. Da steht keiner dem anderen nach. Da waren von beiden Seiten gefährliche Szenen dabei und es wundert mich, dass sich keiner ernsthaft verletzt hat“, so der ÖHB-Teamchef.

Fuger im Duell mit Krsmancic und Weber

Gegenseitige Beschuldigungen

„Es war brutal. Wir müssen gewinnen und das geht nur über den Kampf. Wir mussten alles geben, das haben die Harder auch gewusst und das schaukelt sich dann auf. Das wird dann immer härter“, berichtet Fivers-Akteur Martin Fuger.

Trotz der harten Gangart unterstellt der Spielmacher seinen Kontrahenten Schauspielerei. „Es ist in den letzten Jahren schon so gewesen, dass die Harder immer fliegen und mit den Schiedsrichtern diskutieren. Wir spielen harten Handball, das ist schon richtig, aber das gehört dazu.“

Teamkollege Vytas Ziura stößt ins selbe Horn. „Das ist Handball, das ist nun mal hart. Es kann nicht sein, dass Harder Spieler nach jedem Foul auf dem Boden liegen bleiben. Wenn jemand blutet oder ähnliches verstehe ich das, aber bei jedem Kontakt fallen sie um und weinen. Das kann nicht sein“, so der Nationalspieler.

Auf der anderen Seite schießt Trainer Burger zurück und sieht auf Seiten der Wiener vermehrtes Strafen-Schinden.

„Da müssen die Herren mit ihren Aussagen gut aufpassen. Diese Schläge, die ausgeteilt werden, sind alle gezielt. Das kann man sich im Fernsehen anschauen, wie meinen Spielern in den Magen oder ins Gesicht geschlagen wird. Da muss niemand sagen, dass die Harder leicht fliegen. Jedes Mal geben sie nach einem Foul die Hände vors Gesicht und bleiben am Boden liegen, obwohl sie gar nicht im Gesicht getroffen wurden. Die Schiedsrichter fallen jedes Mal darauf hinein.“

Fouls hier, Beschuldigungen da. Freunde werden die Protagonisten auf keinen Fall mehr. Dies ruft wiederum den Teamchef auf den Plan, der nur kurze Zeit später im Rahmen der Nationalmannschaft  vier Fivers-Spieler und zwei Harder Akteure in ein Team integrieren muss. „Das wird kein Problem. Das sind allesamt Top-Profis“, lautet der kurze Kommentar des Isländers.

Entscheidung in Hard

Bevor sich die Nationalspieler aber dem gemeinsamen Ziel der WM-Qualifikation widmen, kommt es am Freitag noch zum entscheidenden dritten Spiel zwischen Hard und den Fivers, in welchem erneut die Schiedsrichter im Mittelpunkt stehen werden. Nach zwei überaus harten Duellen, droht am Freitag das Fass überzulaufen.

„Wir wissen, wie sie spielen, und müssen vielleicht auch mehr Härte zeigen. Das werden sie dann schon merken“, droht Burger.

„Kontakt gehört zum Handball, das macht den Reiz aus und deswegen spiele ich Handball. Mir gefällt das“, schreckt Ziura vor keiner Auseinandersetzung zurück.

Der Teamchef versucht noch zu beschwichtigen und hofft, dass sich beide Mannschaften mehr auf das Spielerische, denn auf die Härte-Einlagen konzentrieren.

„Am Freitag wird es ähnlich zur Sache gehen, aber ich hoffe, wir sehen auch ein bisschen Handball, denn das sind Top-Leute mit Top-Trainern. Gegen ein hartes Spiel sagt niemand was, aber spielerisch war das bisher nur teilweise gut. Da ist noch Luft nach oben.“

Sebastian Rauch

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