Fivers gegen Bregenz - mehr als ein HLA-Spiel

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Es ist wieder soweit. Das ewige Duell Fivers gegen Bregenz geht in die nächste Runde.

Am Samstag (19:30 Uhr) treffen die Langzeit-Rivalen und Vorjahres-Finalisten zum zweiten Mal in dieser Saison aufeinander. Die erste Partie in Vorarlberg konnte der Rekordmeister gegen den amtierenden Champion deutlich mit 38:29 für sich entscheiden. Nun sinnen die Wiener in eigener Halle auf Revanche.

Zwei Spieler, die in ihren Vereinen das Geschehen über viele Jahre mitbestimmt haben, sind die ehemaligen Kapitäne Michael Gangel (Fivers) und Gregor Günther (Bregenz).

Der Erstgenannte wechselte 1994 nach Margareten und sollte die Wiener bis zu seinem Karriereende nicht mehr verlassen. Der mittlerweile 41-Jährige feierte mit den Wienern einen Cup-Titel sowie fünf Mal die Vizemeisterschaft. Günther, Bruder der beiden Bregenz-Akteure Philipp und Mathias, kam aus der eigenen Jugend und spielte nie für einen anderen Verein als für den seiner Geburtsstadt. Als Abwehrchef der Schwarz-Gelben gewann er sechs Meistertitel und holte vier Mal den ÖHB-Pokal.

Beide Aushängeschilder haben ihre Handballschuhe 2010 an den Nagel gehängt, sind ihren Vereinen aber dennoch in gewisser Weise treu geblieben.

LAOLA1 hat sich mit den ehemaligen Spielführern über die bevorstehende Partie, die große Rivalität und die Handball-Pension unterhalten.

LAOLA1: Ihr habt vor knapp eineinhalb Jahren eure ereignisreichen Karrieren beendet. Seid ihr dem Handball dennoch erhalten geblieben?

Michael Gangel: Ich bin bei Heimspielen eigentlich immer vor Ort, denn meine Kinder spielen mittlerweile auch schon bei den Fivers. In der zweiten Mannschaft spiele ich noch mit meinem Bruder und meinen zwei Neffen. Vier Gangels in einer Mannschaft, das macht sehr viel Spaß. Ich schaue mir die Ergebnisse immer an und habe noch Kontakt zur ersten Mannschaft.

Gregor Günther: Ich spiele und betreue die zweite Mannschaft und versuche, U20-Spieler ins zweite Herren-Team einzubauen, damit sie auch gegen physisch stärkere Spielpraxis bekommen. Aber das ist einfach nur ein Hobby nebenbei.

LAOLA1: Gibt es Ambitionen, ins Trainergeschäft einzusteigen?

Gangel: Ambitionen habe ich schon, nur im Moment ist es nicht soweit ausgegoren. Wenn meine Kinder älter werden, kann ich mir schon vorstellen, dass ich unterstützend eingreife. Ab und zu habe ich ja schon ein Training bei den Fivers geleitet, wenn ein Trainer ausgefallen ist oder bin beim Match als Coach eingesprungen. Aber dass ich eine Mannschaft voll trainiere, solche Pläne gibt es noch nicht.

Günther: Zur Zeit gar nicht, aber ich habe Kinder und es kann durchaus sein, wenn die im entsprechenden Alter sind, dass ich als Jugendtrainer arbeiten werde und mich im Verein ein bisschen einbringe. Aber wirkliche Trainer-Pläne habe ich keine.

Michi Gangel (r.) im direkten Duell mit Gregor Günther

LAOLA1: Ihr wart lange Zeit Kapitäne eurer Teams und seid in vielen wichtigen Spielen gegeneinander auf dem Feld gestanden. Was macht die Rivalität zwischen Fivers und Bregenz aus?

Gangel: Dadurch, dass man sich in den letzten Jahren sooft im Finale gegenüber gestanden ist, entsteht diese Rivalität automatisch. Es geht auch ein bisschen um Osten gegen Westen und es waren einfach in den letzten zehn Jahren die zwei besten Mannschaften in Österreich. Dass dadurch eine gewisse Rivalität aufkommt, ist klar. Das gehört dazu und macht den Reiz des Sports aus.

Günther: Diese Rivalität ist über Jahre gewachsen und liegt natürlich an der Dominanz der beiden Mannschaften der letzten Dekade. Es war immer eng um den Titel und immer brisant.

LAOLA1: Zwischen den beiden Mannschaften geht es auf dem Spielfeld oft heiß her. Geht diese Rivalität über die Halle hinaus?

Gangel: Es wird schon hart gespielt und das gehört zum Handball auch dazu. Es war aber nie schmutzig oder unfair, weder von unserer noch von Bregenzer Seite, sodass man sich nachher nicht mehr in die Augen schauen konnte. Das muss man wegstecken können. Es war immer so, dass man am Spielfeld hart gekämpft hat und danach wieder alles vergessen war. Ich kann mich erinnern, dass ich oft in Bregenz nach dem Spiel mit den Spielern und Zuschauern nett geplaudert habe und mit ihnen dann noch auf ein Bier gegangen bin. Die 60 Minuten auf dem Spielfeld muss man Rivalen sein, da soll es auch hart zur Sache gehen, aber 20 Minuten nach dem Schlusspfiff müssen alle Gemüter beruhigt und alles wieder vergessen sein. Gerade auch die Nationalteamspieler sollten sich vertragen, denn man sollte keine schlechte Stimmung ins Team-Camp mitnehmen.

Günther: Nein, die Rivalität bleibt in der Halle. Ich denke, die meisten Spieler haben ein gutes Verhältnis zueinander. Die Fivers spielen sehr hart, aber man muss sagen, dass eine harte Gangart zum Handball dazugehört. Der Eindruck entsteht natürlich, wenn man sich die Videos ansieht, dass die Attacken der Wiener sehr oft ins Gesicht gehen, aber das muss man aushalten. So etwas spornt den Gegner auch an und gibt dem Ganzen einen speziellen Reiz, dass man dagegen halten muss. Ich will nicht behaupten, dass die Fivers unfair spielen, nur dass sehr viele Aktionen gegen das Gesicht gehen, wo keine Möglichkeit auf eine faire Abwehraktion besteht. Ich nenne das Überhärte und das kann immer passieren. Es zeigt sich aber über die letzten paar Jahre, dass sie sehr unschöne Fouls in einer Häufigkeit begehen, die auffallend ist. Trotzdem muss ich nochmal betonen, dass Handball kein Schachspiel ist und Härte einfach dazugehört. Man kann das nach dem Spiel auch wieder vergessen und gemeinsam auf ein Bier gehen. Da besteht kein Hass.

Die drei Günther-Brüder Philipp, Mathias und Gregor (v.l.)

LAOLA1: Wird eines der beiden Teams auch in diesem Jahr die Nase vorne haben?

Gangel: Die Fivers haben es im Vorjahr endlich mal geschafft. Jetzt sind die Bregenzer unter Zugzwang. So wie ich die Spieler und die Trainer kenne, wollen die nun zurückschlagen. Ich glaube, dass die beiden Mannschaften auch heuer wieder die stärksten sind und um den Titel spielen werden.

Günther: Meiner Meinung nach spielen noch mehr Mannschaften mit als nur die beiden. Ich denke, es ist in dieser Saison so ausgeglichen wie schon lange nicht mehr.  Es hängt von sehr vielen Faktoren ab und es ist ganz schwer zu sagen. Hard und Krems sowie die beiden schon genannten sind Mannschaften, die einander immer schlagen können. Durch den Modus bleibt es bis zum Schluss spannend. Die Fivers sind meiner Meinung nach prominenter besetzt als Bregenz. Bregenz hat bei der Kaderstärke in den letzten Jahren eingebüßt und ist nicht mehr die Übermannschaft und die Fivers haben einige Hochkaräter in ihren Reihen.

LAOLA1: Euer Tipp für das bevorstehende Spiel?

Gangel: Das Hinspiel hat Bregenz ganz deutlich gewonnen, was für mich schon eine große Überraschung war. Dazu haben die Fivers zuletzt mit zwölf Toren in Schwaz verloren und daher stehen sie ganz klar in der Pflicht. Es wird bis zum Schluss eng werden, wie sooft zwischen den beiden Mannschaften, aber die Fivers werden das bessere Ende für sich haben.

Günther: Ich glaube immer an den Sieg von Bregenz und wenn sie das abrufen, was sie können und die Deckung gut steht, dass wir knapp gewinnen werden.

Sebastian Rauch

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