Nationalspieler Tyrner beendet seine Karriere

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Es traf die Bregenzer Handball-Gemeinschaft wie ein Schlag.

Vizekapitän und Flügelspieler Björn Tyrner beendet völlig überraschend seine aktive Handball-Karriere.

Der 31-fache Nationalspieler (51 Tore) zieht mit seinen gerade mal 26 Jahren einen Schlussstrich unter sein Sportler-Dasein und will sich künftig anderen Dingen widmen.

Der gebürtige Wiener machte seine ersten Schritte im Handball bei West Wien, bevor er noch in der Jugend zu den Fivers nach Margareten wechselte.

Im Jahr 2008 wagte er dann den Sprung zum damaligen Meister Bregenz und damit den folglich nächsten ins einer Karriere.

Auf Anhieb Stammspieler, wurde er vor der letzten Saison auch zum zweiten Kapitän der Vorarlberger gewählt und führte nach der langwierigen Verletzung des etatmäßigen Mannschaftsführers Matthias Günther die Bregenzer des öfteren aufs Feld.

Trotz dieses positiven Werdegangs beschloss der linke Flügel nun dem Handball den Rücken zu kehren.

Warum er diesen Entschluss gefasst hat, was genau dahintersteckt und wie seine Zukunft aussehen wird, beantwortet Tyrner im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Björn, der Entschluss deine Karriere zu beenden kam überraschend. Kannst du erklären, warum du dich so entschieden hast?

Björn Tyrner: Grundsätzlich trage ich diese Überlegung schon ein halbes Jahr mit mir herum und habe in dieser Saison gemerkt, dass mir Handball nicht mehr so Spass macht, wie das in den Jahren zuvor noch der Fall war. Ich habe den Biss und die Motivation verloren. Aufgrund meiner sportlichen Leistung, habe ich beschlossen meine Karriere zu beenden. Ich hatte das Gefühl, dass ich viel mehr drauf hätte, aber Woche für Woche die Leistung, die ich von mir selbst erwartet hätte, nicht abrufen konnte. Da kommst du dann an einen Punkt, an welchem du dir denkst, es ist besser etwas anderes zu machen.

LAOLA1: Du hast 31 Länderspiele bestritten, warst mit Bregenz zwei Mal Meister, hast mit den Vorarlbergern auch international gespielt und warst immer Stammspieler. Woher kommt die Unzufriedenheit?

Tyrner: Es ist so, dass ich in Bregenz in den letzten drei Jahren nie an meine Leistungsgrenzen gekommen bin. Ich bin ein Mensch, der mit sich selbst sehr kritisch umgeht und ich gebe keinem anderen die Schuld, wenn ich meine Leistung nicht bringe. Ich habe mich hinterfragt und gemerkt, dass ich mit der Situation einfach nicht mehr glücklich bin.

LAOLA1: Hast du deinen Wechsel nach Bregenz im Nachhinein bereut?

Tyrner: Überhaupt nicht. Es hat sich privat für mich sehr gut entwickelt und ich habe sehr viele Freunde gefunden. Für mich gehörte immer mehr zum Leben, als nur der Sport. Nicht nur die sportliche Leistung auf dem Spielfeld, sondern auch das Umfeld ist mir sehr wichtig. Auch meine Freundin fühlt sich hier sehr wohl und wir haben uns gemeinsam eine Wohnung gekauft. Ich werde auch in Zukunft in Bregenz bleiben. Ich will meinen Rücktritt vom Profi-Sport jetzt nicht mit zwei weinenden Augen sehen, sondern auch mit einem lachenden in die Zukunft blicken.

LAOLA1: Warum konntest du dein Potential in Bregenz nicht abrufen?

Tyrner: Ich habe das im Kopf selbst vergeigt. Ich wollte immer Leistungsträger sein und mehr zeigen, als ich es in den letzten Jahren gemacht habe. Ich habe von Außen nie den Druck gehabt, sondern mir diesen selbst gemacht. Ich wollte immer besser sein, als ich es schlussendlich war. Jede Woche hakst du das letzte Spiel ab und denkst dir, dass es im nächsten besser wird. Im Handumdrehen sind drei Jahre vergangen und du merkst „Scheiße, ich glaube, die Leistung kommt nicht mehr.“

LAOLA1: Wie sieht deine Zukunftsplanung aus?

Tyrner: Ich habe vor eineinhalb Jahren mein Sportmanagement-Studium über die Fernuniversität Düsseldorf abgeschlossen und brauche jetzt noch ein halbes Jahr bis ich mein Masterstudium in General Management fertig habe. Zukünftig werde ich in Liechtenstein beim Volksblatt als Medienberater tätig sein. Ein sehr interessanter Job und ich freue mich auf die neue Aufgabe.

LAOLA1: Gibt es Pläne, dass du Aufgaben im Verein übernimmst? Dein Studium würde eine solche Tätigkeit ja nahelegen?

Tyrner: Roland Frühstück (Manager bei Bregenz, Anm.) hat mir gesagt, er würde es sehr begrüßen, wenn ich dem Verein, in welcher Form auch immer, erhalten bleiben würde. Das muss ich mir aber noch durch den Kopf gehen lassen, denn derzeit will ich einfach weg vom Handball und mich komplett auf ein anderes Aufgabengebiet stürzen. Früher oder später weiß ich, dass es mich wieder reizen wird und ich dem Sport auch etwas zurückgeben muss und will. Sollte es so sein, möchte dem Verein helfen, wenn meine Person dann noch gefragt ist.

LAOLA1: Kehrst du dem Handball komplett den Rücken oder wirst du in einer unteren Liga als Hobby doch noch weiter machen?

Tyrner: Nein, das kommt nicht in Frage. Wenn es mich reizen sollte, dann steig ich eventuell ins "Herren zwei" in Bregenz ein. Zur Zeit will ich abschalten und weg vom Sport. Wie sehr es mich dann wieder reizt selber aktiv zu werden, wird die Zukunft zeigen. Ich habe aber Roland Frühstück angeboten, wenn in Bregenz Not am Mann ist, einzuspringen.

Das Interview führte Sebastian Rauch

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