Britisches Flair in Seattle

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Wer gewinnt die „British Open in den USA“?

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Das zweite und traditionellerweise auch das schwerste der Golf-Major-Turnier der Saison steht an. Ab heute Donnerstag findet im Chambers Bay Golf Club nahe Seattle die 115. Ausgabe der US Open statt. Das Turnier ist mit zehn Millionen US-Dollar dotiert, die Siegprämie beträgt 1,8 Millionen Dollar.

Der Platz im US-Bundesstaat Washington wird den Spielern alles abverlangen. Der vor acht Jahren eröffnete Kurs an der Nord-West-Küste der USA erinnert vom Layout her stark an britische Links-Plätze. Harte und wellige Fairways, viele Sandhindernisse sowie pfeilschnelle und ondulierte Grüns sind die Eckpfeiler des Platzes. „Das ist hier ein hervorragender Kurs, aber er hat schon ein sehr einzigartiges Layout“, meint Bernd Wiesberger.

Eine Besonderheit bei den US Open: Sollten nach vier Runden mindestens zwei Spieler gleichauf liegen gibt es am Montag ein Playoff über die kompletten 18 Löcher, zuletzt war das 2008 der Fall als Tiger Woods Landsmann Rocco Mediate niederrang.

Für die meisten Spieler ist der Platz Neuland, aber nicht für Michael Putnam. Der US-Amerikaner wohnt unweit des Golfclubs und hat viele Runden dort gespielt, das könnte für ihn ein kleiner Vorteil sein, aber die Favoriten auf den Sieg sind andere.

Der Masters-Champ: Jordan Spieth gewann das erste Saison-Major, das Masters in Augusta, souverän und könnte seit Tiger Woods 2002 der erste Spieler werden, der nach dem Masters im gleichen Jahr auch die US Open gewinnt. Der 21-jährige Amerikaner ist in guter Form, aber sein Caddie Michael Greller könnte dieses Mal den Unterschied machen. Der 37-Jährige war bis vor drei Jahren noch Mathe-Lehrer an einer Schule unweit von Chambers Bay und besserte sich dort im Sommer sein Gehalt auf, indem er Geschäftsleuten die Golftasche trug. Seine Platzkenntnis könnte für die Nummer zwei der Welt ein nicht unwesentlicher Vorteil sein und Spieth zu seinem zweiten Major-Titel verhelfen.

Der Routinier: Phil Mickelson könnte mit einem Sieg bei den US Open seinen Karriere Grand Slam komplettieren. Es ist das einzige der Major-Turniere, das der US-Amerikaner noch nie gewinnen konnte. „Lefty“ gewann schon fünf Major-Titel, bei den US Open war er schon sechs Mal Zweiter. In dieser Saison spielt der Routinier wieder vorne mit. Beim Masters 2015 wurde er Zweiter, in der Vorwoche belegte er den dritten Rang. Der 45-Jährige sagt zum Platz im US-Bundesstaat Wahington: „Das Gras und die Schläge sind wie bei einer British Open. Es ist wie eine British Open in den USA.“

Der Weltranglisten-Erste: Rory McIlroy muss man bei Major-Turnieren immer auf der Rechnung haben. Der Weltranglisten-Erste aus Nordirland gewann die US Open 2011 und feierte insgesamt schon vier Siege bei Major-Turnieren. Der 26-Jährige hat zwei Saisonsiege zu Buche stehen, bei den letzten beiden Turnieren verpasste er allerdings den Cut. Als Spieler von den britischen Inseln könnte ihm das Setup des Platzes in Seattle entgegenkommen. 

Der Players-Champ: Rickie Fowler gilt als einer der besten jungen Spieler, dem noch ein Sieg bei einem Major fehlt. Der 26-Jährige gewann im Mai das inoffizielle fünfte Major-Turnier, die Players Championship. Der US-Amerikaner könnte es Martin Kaymer gleichmachen, der 2014 nach der Players auch die US Open für sich entschied. Letztes Jahr beendete er alle vier Major-Turniere in den Top-Fünf, bei den US Open 2014 wurde er Zweiter.

Der Titelverteidiger: Martin Kaymer will seinen Titel bei den US Open verteidigen, der Deutsche hat  aber nur Außenseiterchancen. In den letzten Monaten konnte der 31-Jährigen nicht wirklich überzeugen. Der zweifache Major-Champ feierte bei den US Open 2014 in Pinehurst einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg mit acht Schlägen Vorsprung. Aufgrund des Platz-Layouts sieht er europäische, vor allem aber britische Spieler dieses Jahr im Vorteil.

Das große Fragezeichen: Tiger Woods ist die große Unbekannte im Chambers Bay Golf Club. Der dreifache US-Open-Champ wartet seit mittlerweile sieben Jahren auf seinen 15. Major-Titel. Bei seinem letzten Turnier auf der PGA-Tour spielte der US-Superstar mit einer 85 seine schlechteste Runde seiner Profi-Karriere, dennoch ist der 39-Jährige immer für eine Überraschung gut. 

Der Österreicher: Bernd Wiesberger will bei seinem zweites Antreten bei einer US Open den ersten Cut schaffen. Der 29-Jährige verpasste nach durchwachsener Vorstellung beim Heimturnier letzte Woche in Atzenbrugg den Cut. Der Burgenländer verbuchte in diesem Jahr etliche gute Ergebnisse auf der European Tour, in Amerika konnte er bislang nicht überzeugen. Beim ersten Saison-Major, dem Masters, erreichte er Rang 22. Wiesbergers Caddie Shane Koeries ist bereits seit einer Woche in den USA, um möglichst viele Golfplatz-Informationen zu sammeln. Der Cut liegt für den Burgenländer in Reichweite. Wiesberger geht heute, um 7:44 Uhr Ortszeit (MEZ 16:44 Uhr) gemeinsam mit Andy Sullivan (ENG) und Morgan Hoffmann (USA) auf die erste Runde.

 

Philipp Seelmann

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