Wiesberger sorgt mit Masters-Debüt für Begeisterung

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Viel Zeit, sein mit Platz 22 gelungenes Masters-Debüt zu feiern, hatte Bernd Wiesberger nicht.

Nach einer kurzen Nacht war der Burgenländer schon Montagfrüh als neue Nummer 40 der Welt und mit einigen Kristall-Trophäen in der Tasche auf dem Weg zurück nach Österreich, wo kurz für kommende Aufgaben ausgespannt wird. Und die finden für Österreichs besten Golf-Profi vorerst weiter in den USA statt.

Wie es aussieht, ist Wiesberger, der mittlerweile als jüngstes Mitglied auch dem 14-köpfigen Spieler-Komitee der European Tour angehört, endgültig als erster Österreicher auch auf der prestige-und preisgeldträchtigen US-Tour angekommen.

92.833 US-Dollar Preisgeld sowie zwei Kristallgläser für seinen "Eagle" auf der 15. Spielbahn nahm der Burgenländer aus Augusta mit. Im Wimbledon des Golfsports hatte er mehrfach für österreichische Sportgeschichte gesorgt.

"Habe am Anfang Lehrgeld gezahlt" 

Als erster Österreicher qualifiziert und eingeladen, schaffte Wiesberger gleich auf Anhieb den Cut. Als 22. ließ er mit Charl Schwartzel (2011), Bubba Watson (2012, 2014) und Adam Scott (2013) die Masters-Sieger der vergangenen vier Jahre hinter sich. Nur die beste österreichische Major-Platzierung gehört immer noch Markus Brier mit Platz 12 bei den British Open.

Das zu verbessern, wäre ausgerechnet beim Masters-Debüt aber eine Sensation gewesen. Mit seiner Steigerung nach der anfänglichen 75er-Runde im kniffligen Augusta National GC erarbeitete sich Wiesberger aber viel Respekt.

"Ich habe anfangs sicherlich Lehrgeld gezahlt", gestand er. "Ich bin aber ruhig geblieben und habe meine Chancen kommen lassen", gab sich der von Trainer Philippe de Busschere blendend eingestellte 29-Jährige während der ganzen Turnierphase abgebrüht.

Am Ende war der Österreicher sogar bester Masters-Debütant 2015 und konnte darauf zurecht stolz sein. "So wie ich mich hier präsentiert habe, war das richtig gut. Das war eine geniale Woche und eine wirklich sehr gute Premiere für mich", sagte er vor der Heimreise zufrieden.

"Ein Österreicher in Augusta ist ein absoluter Höhepunkt"

Das waren auch seine Coaches sowie ÖGV-Präsident Peter Enzinger. "Als Debütant gleich den Cut zu schaffen und sich so zu präsentieren, ist wirklich stark", sagte Wiesbergers englischer Kurzspiel-Coach Damian Taylor und De Busschere lobte die Disziplin seines Schützlings.

"Bernds größte Leistung war, dass er geduldig geblieben und nie vom Weg abgewichen ist. Das nächste Mal wird er sich hier in August schon viel leichter tun", ist der Belgier überzeugt.

Enzinger war bewusst, dass Wiesberger eine Lokomotive für Österreichs Golfer geworden ist. "Wegen ihm ist in der Masters-Woche zu Hause jeder, der nur ein bisschen was mit Golf zu tun hat, vor dem Fernseher gesessen. Ein Österreicher in Augusta, das ist ein absoluter Höhepunkt", sagte Einzinger. "Die Zeitungen waren voll. Das zeigt, wie speziell das hier war."

Die Erfolge Wiesbergers sind für Enzinger auch wegen der österreichischen Ryder-Cup-Bewerbung höchst bedeutend. "Wir brauchen gute Spieler. Die Amerikaner haben ja dabei ein gewisses Mitspracherecht und wenn sie jetzt mitkriegen, dass Österreich neben Mozartkugeln, Lippizzanern und Sound of Music auch gute Golfer hat, kann das nur gut sein."

"Bernd zieht die Jugend extrem an"

An Wiesberger könne sich auch der gerade etwas schwächelnde Golf-Nachwuchs aufbauen, sprach Enzinger aber auch die Situation an, dass im rot-weiß-roten Profigolf hinter dem Burgenländer gerade eine große Lücke klafft.

"Bernd zieht die Jugend aber extrem an. An ihm können die anderen sehen, dass man es schaffen kann, wenn man nur hart arbeitet und Gas gibt", hofft der Verbandschef, dass Wiesberger eine Magnetkraft haben kann wie einst Thomas Muster für das Tennis.

Wiesbergers Vater Klaus macht sich darüber ebenfalls seine Gedanken. Er ist überzeugt, dass Golf jünger gemacht gehört, um den Spaß zurückzubringen.

"Man sollte die Voraussetzungen schaffen, damit die Kids untereinander spielen und Spaß am Golfplatz haben können. Das ist der Schlüssel und da ist der Verband gefordert", ist Wiesberger senior überzeugt.

Zwei PGA-Events in den USA

Bei seinem Sohn habe seinerzeit viel zusammengepasst. Auch, dass es damals eine Tour für Jugendliche ab zwölf Jahren gegeben hatte. "Da haben sie 20 Mal im Jahr gegeneinander gespielt. Es war kein Zufall, dass da so viele gute Spieler rausgekommen sind. Das vermisse ich momentan etwas", appellierte Wiesberger an die Verantwortlichen. "Wir haben damals die Gunst der Stunde nützen können, weil es das Angebot gab."

Schon am kommenden Sonntag wird Wiesberger wieder in die USA fliegen. Mit der Zurich Classic in New Orleans (6,9 Mio. Dollar) ab 23. April und dem zweiten WGC-Turnier des Jahres in San Francisco (9,25 Mio. Dollar) eine Woche später stehen zwei große PGA-Events an.

Nach dem Erfolg in Augusta sollte dann auch der Start bei der mit zehn Millionen Dollar dotierten Players-Championship in Florida abgesichert sein.

Erst danach kehrt Wiesberger mit Wentworth wieder nach Europa zurück. Unmittelbar vor den US Open wird er dann mit den Lyoness Open sein Heimturnier in Atzenbrugg spielen. "Das Interesse ist jetzt sicherlich gestiegen", ist Clubchef Christian Guzy überzeugt. "Bernd ist als Turnierbotschafter dort ein Angelpunkt."

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