Ernie Els ließ sich von Nelson Mandela inspirieren

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177 Nachrichten auf dem Handy und reihenweise um Autogramme anstehende Sportreporter - das Comeback von Ernie Els elektrisierte die Golfszene.

"Ich bin überwältigt, denn ich habe zehn Jahre auf diesen Erfolg gewartet. Dieses Spiel ist hart und verrückt", sagte der gereifte Südafrikaner nach einem kleinen Drama um den Einbruch des lange führenden Adam Scott auf den letzten Löchern bei der 141. British Open.

Nach zehn Jahren wieder siegreich

Vor zehn Jahren hatte Els in Muirfield erstmals das älteste Major-Turnier gewonnen - da kannte er die Krisen noch nicht, die dieser Sport zu bieten hat.

Mit 32 Jahren stand er damals mit der begehrten silbernen Rotweinkanne da und war auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Zuvor hatte er 1994 und 1997 die US Open gewonnen. Doch danach lernte er auch die Schattenseiten kennen.

Sein Mitgefühl für Scott, der mit 274 Schlägen am Ende einen Schlag mehr auf der Score-Karte stehen hatte, war echt. Der Australier hatte am Sonntag schon mehr als eine Hand am "Claret Jug", verspielte aber mit vier Bogeys auf den letzten Löchern seinen scheinbar komfortablen Vorsprung und den ersten Major-Triumph.

Dabei sollte sein Caddie Steve Williams, der schon US-Superstar Tiger Woods zu großen Erfolgen geführt hatte, sein großer Vorteil sein.

Dank an Nelson Mandela

"Ich hoffe, dass Scottie sich die Niederlage nicht so sehr zu Herzen nimmt, wie ich es viele Male getan habe", meinte Els. Der erste Dank des Siegers ging an Nelson Mandela.

"Mandela hat als Präsident so viel für unser Land getan, und parallel zur Einführung der Demokratie habe ich mein erstes von vier Majors gewonnen", erzählte der Golfprofi mit dem Spitznamen "The Big Easy". "Der Wandel war so wichtig für unser Land, und Mandela inspirierte mich."

Durchwachsene Karriere

In 23 Jahren als Profi durchlebte Els große Niederlagen wie 2004 beim Masters in Augusta und der British Open, verletzte sich und kam wieder zurück.

Anfang des Jahres war er mit den Nerven am Ende, als er plötzlich nicht mehr putten konnte. Ein Computerprogramm der Visual-Trainerin Sherylle Calder half ihm:

"Es geht um Reaktion. Auf dem Bildschirm erscheinen Rugby- und Cricketbälle sowie Fußbälle. Es gibt einen kleinen Auf-und-Ab-Pfeil, auf den man reagieren muss. Dadurch konzentrieren sich die Augen besser."

Autistischer Sohn

In Royal Lytham and St. Annes glaubte Els an sich und strahlte hinterher eine große Ruhe aus. Dank des Erfolgs machte er in der Weltrangliste 25 Plätze gut und ist nun auf Rang 15 zu finden.

Seine Gedanken waren auch bei seinem autistischen Sohn Ben, der seine Runde am Fernseher verfolgt hatte. Seit 2008, als die Krankheit festgestellt wurde, hat er seine Reisen eingeschränkt und seinen Wohnsitz von England nach Florida verlegt, wo sein Sohn besser behandelt werden kann.

Els gründete eine Stiftung für behinderte Kinder und baute eine Akademie für Nachwuchsgolfer in seiner Heimat auf. "Ich kann mein Privatleben heute gut von meinem Golferleben trennen", betont der Südafrikaner stets.

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