"Möchte mich für das Ryder-Team qualifizieren"

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Österreichs Topprofi Martin Wiegele musste sich im Frühjahr diesen Jahres einer komplizierten Hüftoperation unterziehen.

Nach mehreren Monaten Reha steht der Steirer nun kurz vor seinem Comeback. Anlass genug, mit dem 34-jährigen Grazer ein ausführliches Exklusiv-Interview zu führen:

 

Golf Week: Du stehst seit wenigen Wochen wieder im Training. Wie sind die Operation und der Heilungsprozess verlaufen?

Martin Wiegele: Es ist alles sehr schnell und gut verlaufen – bis jetzt zumindest. Vor der ersten OP haben mein Arzt, Dr. Gebhart bzw. mein Orthopäde Dr. Zwick (auch Nationalteam-Arzt und ein Spezialist für Golf), gemeint, dass ich heuer wahrscheinlich gar nicht mehr Turniere spielen würde. Ich habe immer von Herbst geredet und wollte so schnell wie möglich zurückkommen, da waren die Ärzte etwas zurückhaltender.

Golf Week: Was waren die Ursachen, die diese OP notwendig gemacht haben? Gibt es Vorbeugemaßnahmen, um dies künftig zu verhindern?

Wiegele: Es war dringend notwendig, den Eingriff zu machen. Dr. Gebhart hat danach gemeint, dass ohne die OPs in zwei bis drei Jahren der ganze Knorpel kaputt gewesen wäre und ich ein künstliches Hüftgelenk gebraucht hätte. Das Problem war ein sogenanntes Cam-Impingement (Knochenwucherungen am Oberschenkelkopf) und die Belastung durch Golf auf das Gelenk. Der Knorpel wurde durch das Impingement und das Einklemmen im Schwung in einem stark erhöhten Ausmaß abgetragen. Ich bin aber ein positiv denkender Mensch und glaube, dass es genau der richtige Zeitpunkt war. Einerseits habe ich mich in den letzten Jahren auf der European Tour etabliert bzw. vor zwei Jahren sogar gewonnen und andererseits war es hoffentlich noch früh genug, um noch viele Jahre mit dem restlichen Knorpel spielen zu können. Die Strategie ist jetzt, zusammen mit Dr. Zwick das genau abgestimmte Fitnessprogramm durchzuziehen und dadurch speziell den Muskelbereich so gut wie möglich zu schützen.

Golf Week: Musstest du auch Anpassungen bei deinem Schwung vornehmen oder blieb alles beim Alten?

Wiegele: Wir hatten vor ein paar Tagen ein großes Zusammentreffen. Dr. Zwick, meine Trainer Fred Jendelid und Ali Rosker trafen uns bei meinem Freund und Trauzeugen, dem Teachingpro Oliver Hertl,­ der im Besitz einer 6d-Anlage ist (genaueste biomechanische Messung, die es für den Golfschwung gibt), um wichtige Informationen zu bekommen. Man hat dabei gesehen, dass ich sehr ähnlich wie vor den OPs schwinge, nur ein wenig Angst noch eine Rolle spielt, aber das wird sich mehr und mehr legen. Prinzipiell haben wir uns darauf geeinigt, so nah wie möglich an den alten Schwung anzuschließen, da der ja auch erfolgreich funktioniert hat.

Golf Week: Wann wirst du dein erstes Turnier bestreiten und wie sieht der Zeitplan beim „Weg zurück auf die Tour“ im Detail aus?

Wiegele: Ich habe letzte Woche mit meinem Freund und Kollegen Uli Weinhandl ein „Testmatch“ über vier Tage bestritten. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich hatte keine Schmerzen, was ja das Wichtigste ist, bzw. habe ich sogar großteils recht gutes Golf gespielt. Je länger der Schläger, desto schwerer tue ich mich im Moment noch. Uli hat sehr gutes Golf gespielt­ und das war noch eine Nummer zu groß für mich. Ich habe 3:1 gegen ihn verloren, aber Runden von 71, 73, 70 und 68 Schlägen gespielt, was mich positiv überrascht hat nach sieben Monaten ohne Golf. Wenn ich diese Woche weiter keine Schmerzen habe, dann werde ich am 1. Oktober mit dem Flieger Richtung Dunhill Links unterwegs sein und dort mein Comeback feiern. Ich bin sehr zuversichtlich.

Golf Week: War es schwierig, den anderen Jungs wie Bernd Wiesberger am Fernseher zuzusehen? Wie groß ist die Vorfreude, endlich wieder dabei zu sein?

Wiegele: Nicht wirklich. Ich habe mich für Bernd gefreut, das hilft dem österreichischem Golfsport weiter und ist gut für uns alle. Außerdem verstehen wir uns gut und teilen auch immer wieder mal die Unterkunft. Wenn einer aus den eigenen Reihen Gas gibt, dann motiviert das alle – schließlich will ja jeder Bester im eigenen Land sein.

Golf Week: Schauen wir noch kurz in die Zukunft: Was sind die sportlichen Ziele, die du noch erreichen möchtest?

Wiegele: Da ich davon ausgehe, dass meine Hüfte nun wieder okay ist und ich noch viele Jahre spielen werde, hab ich auch noch einiges vor. Nächstes Jahr werde ich das Ziel ein wenig zurückstecken. Ich will zumindest die Top 115 schaffen, aber mit dem Hintergedanken Race to Dubai. Mittelfristig möchte ich weitere Turniersiege auf der Tour schaffen und mich langfristig für das Ryder-Cup-Team qualifizieren. Da ich mich in meiner Karriere ständig verbessert habe (mit Ausnahme der Jahre 2005 und 2006, wo ich einige Veränderungen vornahm), ich 2010 auf der European Tour gewinnen konnte und auch 2011 als 83. nicht weit vom Race to Dubai weg war, ist sicher jedes dieser Ziele im Bereich des Möglichen.

Golf Week: Danke für das Gespräch und alles Gute für das Comeback!

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