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Bubba, Jake & TM

Wie die meisten ernstzunehmenden Golfklamottendesigner hat auch Travis Matthew Johnson eine aktive Golfkarriere hinter sich. Er spielte bereits gegen Tiger Woods – ok, damals war er fünf Jahre alt, aber immerhin – und kämpfte nach einem erfolgreichen UCLA-Golfstipendium um einen Platz an der Sonne – sprich auf der PGA Tour.

Heute verbringt der 30-jährige Südkalifornier jedoch mehr Zeit mit Golfshirts als mit Golfschlägern, denn seit 2007 arbeitet er an seinem Golf-Modelabel Travis Mathew. Die ersten Jahre waren, wie auch für viele Tour-Rookies, lehrreich aber unterm Strich eher erfolglos.

Doch seit Anfang 2010 scheint sich Travis Johnson – dessen zwei Vornamen (leicht verändert ohne das zweite „t“ in Matthew) zum Markennamen wurden – mit seinem Modelabel seine Tourkarte schließlich doch noch gesichert zu haben.

Die coole TM-Clique

Logo und Name des Labels tauchten plötzlich überall auf der Tour und in den Medien auf, gehypt durch die drei damaligen „TM-Jungs“ Geoff Ogilvy, Bubba Watson und zuletzt Aaron Baddeley.

Was den Hype zusätzlich anheizte, war die Tatsache, dass alle drei Professionals das Label ohne Vertrag – und somit ohne Bezahlung – aus Lust und Laune heraus trugen.

Bessere, billigere Werbung gibt es wohl kaum. „Wir sind wirklich sehr stolz, dass alle diese Spieler beschlossen haben, unser Label zu tragen – ohne Vertrag, einfach weil sie es so gern mögen“, freut sich Chris Rosaasen, CEO von Travis Mathew. „Ich denke, das alleine sagt schon viel über TM aus.“  

„Travis Mathew trendy-train“

Travis Mathew wurde plötzlich in einem Atemzug mit Trendsettern wie J.Lindeberg genannt und die Medien prägten die Redewendung, dass einer nach dem anderen auf den „Travis Mathew trendy-train“ aufspringe.

Bubba Watson ganz in Weiß beim Masters

Ganz in Weiß beim Masters

Auf den ersten Blick wirken die Polos und Hosen vielleicht gar nicht so außergewöhnlich, um nicht zu sagen „0815“.

Aber beim zweiten Blick wird klar, dass originelle Details wie Extrataschen oder versteckte Klettverschlüsse und coole Accessoires wie Hüte und Gürtelschnallen den speziellen TM-Stil ausmachen.

Nicht umsonst wurde Bubba Watson von amerikanischen Medien zum „most stylish player on PGA Tour“ gewählt. Für einen wahren Aufmerksamkeits-Boost sorgte in diesem Jahr das „Scripting“, also der exakte Plan des Ausstatters, welche Kombinationen die Spieler an den vier Turniertagen tragen.

Für das Masters schickte TM seinen Teamspieler Bubba Watson an allen vier Turniertagen ganz in Weiß ins Rennen um das traditionsreiche Green Jacket. Watson wurde darauf zum „White Watson“ und sein Lieblingsmodelabel Travis Mathew zum meistdiskutierten Fashion-Thema des ersten Majors des Jahres.

Saubermann & Siegertyp

Bubba Watson und Travis Mathew sorgten aber nicht nur  beim Masters „ganz in Weiß“ für Aufsehen – immerhin sind beim Masters für gewöhnlich nur die Caddies in weißen Overalls, und die sehen alles andere als cool und sexy aus –, sondern auch mit ungewöhnlichen Army-Styles in Tarnfarben oder auffälligen XL-Gürtelschnallen.

Der 32-jährige Longhitter und Linkshänder ist einer jener Spieler, die jeder irgendwie mag.

Watsons Image als sympathischer Spaßvogel rührt nicht nur von seinen witzigen YouTube- und Twitter-Videos. Und das passt gut zu dem südkalifornischen Label, das sich selbst gerne als „cool, hip, young, elegant, sexy with rock ’n’ roll“ umschreibt. Der Schönheitsmakel an dem Sympathieträger Watson war jedoch jahrelang, dass er noch keinen einzigen Sieg auf PGA Tour verbuchen konnte.

2010 holte sich Watson dann endlich den lang ersehnten Sieg bei der Travelers Championship. Aus dem Sympathieträger wurde ein Siegertyp. Und auch das scheint (zu) Travis Mathew ganz gut zu passen.   

Logo in Braille-Schrift

Das Modelabel macht aber nicht nur durch seine Pro-Teamspieler – neben Watson spielen aktuell etwa auch Chris Kirk und Tommy Armour III in TM – von sich reden. Travis Johnson strickt immer wieder ganze Geschichten in seine Kollektionen mit ein, wie etwa bei den „Jake Olson“-Polos. Jake Olson ist ein heute 14-jähriger Junge, der mit zwölf Monaten durch eine Krebserkrankung auf einem Auge das Augenlicht verlor und im Alter von zwölf Jahren durch die Erkrankung auch auf dem zweiten Auge blind wurde. Der Footballfan und begeisterte Golfspieler hat dennoch weder seine Lebenslust noch sein erklärtes Ziel, Golfprofi zu werden, verloren. Er spielt weiterhin Golf (unter anderem bei Charity-Turnieren für seine Stiftung) und Football und reitet auf seinem Boggy-Board über die Wellen (unglaubliche Videos auf www.jakeolson.net).

Gemeinsam mit dem willensstarken Jungen designte Travis Mathew für die aktuelle Frühjahrs-/Sommerkollektion „Jake Olson“-Polos bestickt mit Braille-Schrift. Die Einnahmen der Kollektion – immerhin 50.000 USD – gingen an Jakes „Out of Site Faith“-Stiftung, deren lebensbejahendes Motto lautet: „Lebe durch Glauben, nicht durch Schauen.“

„Er macht einfach Dinge, als ob er nicht blind wäre, und das erstaunt und überrascht mich am allermeisten“, beschreibt etwa USC-Football-Star Kris O’Dowd seinen kleinen Freund und gleichzeitig größten Fan. „Er hat mich, seit er in mein Leben getreten ist, einige Lebensweisheiten gelehrt. Er rückt Dinge in die richtige Perspektive.“

An der neuen Travis Mathews-Jake Olson-Frühjahrs-Polokollektion 2012 wird bereits gearbeitet. Und Jake hat – in der für ihn typisch augenzwinkernd-ironischen Art und Weise – auch schon das Zitat, das in Braille-Schrift auf die Polos gestickt werden soll: „Did I hear a splash?“ („Habe ich es da etwa platschen gehört?“)

Und die Damen?
Bislang gibt es lediglich eine Kollektion für Herren und die spezielle Juniorkollektion für Jake Olson. Aber TM-Gründer Travis Johnson verspricht schon seit geraumer Zeit in diversen Interviews mit US-Medien eine eigene TM-Damenkollektion. Sie liege bereits fertig in der Schublade, doch die Zeit scheint noch nicht reif zu sein. Und er gibt sich siegessicher, dass die Damenkollektion der Herrenkollektion locker den Rang ablaufen werde. Man(n) bzw. Frau darf also gespannt sein ...

Street. Golf. Wear.

Eines, was viele Labels wollen, aber dann irgendwie doch nicht ganz überzeugend hinbekommen, schafft die TM-Herrenkollektion tatsächlich: nicht nur Golf-, sondern auch funktionierende Lifestyle-Mode zu sein.

Die Kombis aus Polos, kurzen oder langen Hosen, Gürteln und  Hüten funktionieren sowohl am Fairway als auch an der Bar.

Grund dafür sind vermutlich die stimmigen Farbkombinationen und das für ein Golflabel sehr dezente, unaufdringliche Logo. Wer’s nicht so ganz glaubt, der kann erstmal die „Mystery Box“ online bestellen – ein komplettes Set von Kopf bis Bein.

Oder man schaut Bubba Watson eine Zeit lang zu und wartet auf die immer wieder erscheinenden Bubba Watson special editions by Travis Mathew.

www.travismathew.com                                    www.jakeolson.net

Nina Weidinger

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