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Abschlussklasse mit 25 "Absolventen"

Bei der abschließenden Tour Championship der Nationwide Tour im Daniel Island Club in der Nähe von Charleston trafen sich die besten 60 Spieler der NT-Rangliste, um die heißbegehrten 25 Tickets für die Tour der Großen unter sich auszumachen, und sorgten ordentlich für Furore.

In letzter Sekunde

Großen Anteil daran hatte der 42-jährige Amerikaner Ken Duke.  Als einer der Oldies im Feld lag Duke im Gesamtranking abgeschlagen auf Rang 36, ein Sprung in die rettenden Top 25 schien so gut wie unmöglich.

Doch Duke, dessen einziger Sieg auf der NT von 2006 datiert, zeigte der aufstrebenden jungen Garde von Nachwuchspros, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Nach Runden von 72, 68, 70 und noch einmal 68 Schlägen stand er völlig überraschend ganz oben auf dem Siegertreppchen.

Dank der stolzen Summe von 180.000 Dollar für den Sieg gelang Ken in letzter Sekunde der große Wurf. Von 36 ging es rauf auf Platz sieben im Abschluss­ranking.

David leidet

Besonders knapp wurde auch das Rennen um die letzte Karte. David Lingmerth versuchte ebenso wie Ken Duke sich mit einem letzten Top-Resultat in die Top 25 zu spielen. Die Ausgangssituation mit Platz 50 im Ranking war für den Schweden allerdings noch aussichtsloser als für Ken Duke.

Doch Lingmerth zeigte sich von all dem unbeeindruckt und spielte beim Finale sein bestes Golf. Lange lag er auf dem alleinigen zweiten Platz, der ebenso wie ein T2 oder Platz 3 tatsächlich die Qualifikation für die PGA Tour bedeutet hätte, am Ende sollte David allerdings ganz knapp scheitern.

Zwei Bogeys auf Loch 15 und 16 und ein verpasstes Birdie auf der 18 kosteten David Lingmerth nach einer langen, anstrengenden Saison die Tourkarte. Hinter dem Amerikaner Scott Brown (8. im Gesamtranking) wurde Lingmerth (27. im Gesamtranking) mit seinem Landsmann Daniel Chopra (19. im Gesamtranking) geteilter Dritter und verfehlte die Tourkarte um knappe 10.000 Dollar.

Navy Boy

Darüber konnte sich besonders Billy Hurley III freuen, der auf Platz 25 im Gesamtranking landete. „Es waren viele Kameras draußen, also wusste ich, es wird ganz schön eng werden“, so Hurley III, der auf das Abschneiden seines Landsmannes Scott Brown warten musste.

Spielte Brown an der 18 (Par 5) Par oder besser, wäre Hurley III drin, bei einem Bogey wäre er draußen. Als Brown sogar zum Birdie lochte, kannte Billys Jubel keine Grenzen mehr. „Ich habe, glaube ich, noch nie für jemanden so gejubelt wie für Scott, ich bin natürlich überglücklich“, so Hurley III, der auf einen ganz besonderen Lebenslauf zurückblicken kann.

Nach einer erfolgreichen Amateurkarriere entschied sich Billy gegen Golf und für eine Karriere bei der Navy. Dabei absolvierte er u.a. mehrere Monate Dienst auf der USS Chung-Hoon im Persischen Golf. Nach seinem Dienst 2009 widmete sich Leutnant zur See Billy Hurley III wieder dem Golfspiel, qualifizierte sich für die Nationwide Tour 2011 und jetzt sogar sensationell für die PGA Tour, was für eine Story. 

Löwenherz

Doch es geht sogar noch besser. Eric Compton, der sich in seinem Leben bereits zwei Herztransplantationen (1992, 2008) unterziehen musste, hat ebenfalls das Ticket für die große Tour in der Tasche.

Nachdem er in diesem Jahr bei der Mexico Open seinen ersten NT-Titel feiern durfte und die Weichen in Richtung Tourkarte gestellt waren, erlitt er einen schweren Rückschlag. Sein neues Herz wurde vom Körper nicht richtig angenommen, konnte aber mit Hilfe der Ärzte unter Kontrolle gebracht werden.

Zur Sicherheit nahm sich Eric nach den Vorfällen eine längere Auszeit, doch anschließend fand er leider nicht mehr zu seiner alten Form zurück. Trotzdem reichte es mit dem 13. Rang im Endklassement der Nationwide Tour am Ende sicher für die Spielberechtigung auf der PGA Tour.

„Es ist ein Wunder, ich kann gar nicht glauben, dass ich es tatsächlich geschafft habe“, strahlte Eric nach dem Turnier. „Das Golfspiel ist so ein wichtiger Teil meines Lebens geworden, es hilft mir die Sorgen um meine Krankheit zu vergessen“, so Compton, der nach seiner ersten Herztransplantation mit dem Golfsport als reine Rehamaß­nahme begann.

Champ & Bubble Boy

Als Klassenbester absolvierte J.J. Killeen die NT-Saison 2011 und hat damit neben der Tourkarte auch eine Einladung für die Players’ Championship 2012 in der Tasche.

2012 sollte eigentlich auch James Nitties auf der PGA Tour aufteen. Doch nachdem er beim Turnier die Woche zuvor in aussichtsreicher Position seine Teetime verschlafen hatte und zurückziehen musste, lieferte er auch beim Finale eine schwache Vorstellung. Tatsächlich fiel Nitties von Rang 23 noch aus den Top 25 und wurde zum Bubble Boy.

Hubertus Tho Rahde

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