Überraschung bei der Nominierung der Wildcards

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In der Vergangenheit war die Bekanntgabe der Wildcards für die europäischen Ryder-Cup-Teams stets eine etwas knifflige Angelegenheit gewesen.

Denn ein ums andere Mal stand der jeweilige Kapitän vor der schwierigen Aufgabe, sich aus einer großen Menge an Spielern für die seiner Meinung nach zwei Bes­ten zu entscheiden.

Es gab viele Entscheidungen, die kontrovers diskutiert wurden, aber aufgrund der zuletzt so erfolgreichen Jahre für Europas Ryder-Cup-Mannen dann auch meistens wieder recht schnell in Vergessenheit gerieten – eine Ausnahme bildete vielleicht Nick Faldos „Kapitänswahl“.

Poults und Cols

Die Bekanntgabe seiner beiden „Picks“ für den diesjährigen Kontinentalvergleich in Medinah stellte Ryder-Cup-Kapitän José María Olazábal ganz anders als sonst vor eine relativ leichte Aufgabe, als er vergangenen Montag um Punkt 12 Uhr im Gleneagles Hotel zur Tat schritt. Mit Ian Poulter und Nicolas Colsaerts nannte José genau die beiden Spieler, die gut 98 % der anwesenden Journalisten sowieso auf dem Zettel hatten.

„Ich glaube, dass die meisten von Ihnen hier ganz sicher waren, dass Ian mit dabei sein wird. Er hat eine sehr gute Ryder-Cup-Bilanz und spielt momentan ausgezeichnet. Zu Beginn der Saison hatte er einige Verletzungsprobleme und konnte nicht viel spielen, aber seine Hingabe, Emotion und sein Kampfgeist waren bei jeder seiner Ryder Cup-Teilnahmen vorbildlich. Ian ist ein Spieler, der diese Ryder-Cup-Situationen einfach liebt und alles dafür gibt“, so Olazábal über seine erste Nominierung.

„Nicolas ist ein Rookie. Wenn man sich das Team ansieht, ist er sogar der einzige Rookie – das bedeutet, wir sind dieses Mal eine wirklich sehr erfahrene Truppe. Letztes Jahr hat es Nicolas in das Finale der World Match Play Championship geschafft und sie dieses Jahr sogar gewonnen. Er hat bisher eine wirklich sehr gute Saison gespielt und außerdem noch einen sehr guten Matchplay-Record."

Und obendrein hat er seinen Turnierkalender extra noch einmal umgestellt, um zu versuchen, sich direkt für das Team zu qualifizieren. Das hat mir gezeigt, dass er unbedingt mit dabei sein will“, so Kapitän „Olli“ über seine eigentlich logische  zweite Entscheidung.

Heißsporn und Longhitter

„Ich freue mich sehr über die Nominierung. Als ich letzte Nacht den Anruf von José bekam, war das ein großartiger Moment“, so Ian Poulter per Liveschaltung aus den USA.

„Ich kann es kaum erwarten und werde all meine Leidenschaft mit einbringen“, versprach „Poults“, auch bei seiner vierten Ryder-Cup-Teilnahme wieder alles zu geben. Dies wird mit Sicherheit auch Nicolas Colsaerts versuchen, der es als erster Belgier in das so prestigeträchtige Team Europa geschaft hat. „Von diesem Tag habe ich schon geträumt, als ich noch ein kleiner Junge war. Teil eines so guten Teams mit einem solch erfolgreichen Kapitän zu sein, ist für mich eine große Ehre“, zeigte sich auch „Cols“, der nach der Nominierung zur PK erschien, sehr zufrieden.

„Ich hoffe auch, dass ich mit meinem Spiel das Image, das Golf bei uns in Belgien hat, aufpolieren und mehr Kids für diesen Sport gewinnen kann“, sieht sich der Belgier in puncto Golf auch für sein Land in der Pflicht. José María Olazábal werden die Worte seiner beiden „Wildcards“ gefallen haben, für deren Wahl er auch vor Ort viel Zustimmung erfuhr.

Mit Heißsporn Poulter und dem längsten Hitter der Tour Colsaerts hat Olli zwei Spieler nominiert, die lieber heute als morgen zur Tat schreiten würden und das Team Europa mit neuer Energie und Euphorie auf jeden Fall verstärken werden.

In guter Verfassung

Ungewohnt für die vergangenen Jahre geht Europa in der Besetzung Nicolas Colsaerts, Luke Donald, Sergio Garcia, Peter Hanson, Martin Kaymer, Paul Lawrie, Graeme McDowell, Rory McIlroy, Francesco Molinari, Ian Poulter, Justin Rose und Lee Westwood beim diesjährigen Ryder Cup in den USA aber nicht als Favorit in den Vergleich.

„Die Amerikaner haben sehr viele gute Spieler. Sie haben das Masters, die US Open und viele weitere gute Turniere gewonnen und ebenfalls sehr viel Erfahrung. Das wird eine enge Angelegenheit“, hielt Olazábal bei seiner Entschätzung für das diesjährige Aufeinandertreffen mit den Mannen um Davis Love III den Ball bewusst flach. Und er weiß auch, warum: Noch vor wenigen Wochen stand es nämlich gar nicht gut um Europas Repräsentanten. Bis auf wenige Ausnahmen befanden sich die meis­ten Spieler im Team außer Form.

Doch mit seinem Sieg bei der PGA Championship schien Rory McIlroy das Feuer des alten Kontinents wieder entfacht zu haben. Nur wenige Tage später konnte Sergio Garcia mit seinem tollen Sieg bei der Wynd­ham Championship direkt auf den Teamzug aufspringen und bewahrte Kapitän Olazábal vor so manchem Kopfzerbrechen.

Pauls zweite Karriere

Und auch um Paul Lawrie, der dank seines Open-Siegs nur einmal, und zwar 1999, mit im Team war, scheint sich José María Olazábal keine Sorgen machen zu müssen. Nachdem sein Spiel in den letzten Wochen etwas zu stagnieren schien, holte sich der „alte“ Schotte einen Tag vor der Ryder-Cup-Picks-Bekanntgabe in seiner Heimat die Johnnie Walker Championship.

„Das war vom Ballstriking her wohl eine der bes­ten Wochen meiner Karriere“, so Lawrie, der mit 16 unter Par und vier Schlägen Vorsprung auf Brett Rumford (AUS) eine Galavorstellung ablieferte. Und damit zeigte auch er den positiven Trend in Europa an: Es geht wieder aufwärts. 

Hubertus Tho Rahde

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